DFB-Frauen gegen Japan: Bühls Siegtreffer kündigt sich lange an

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Por Von Anna Dreher, Bremen — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

Lesezeit: 3 Min.

Im Länderspiel gegen Japan zeigt die Münchnerin ihre Markenzeichen: Haken schlagen und Gefahr entwickeln. Und die deutschen Frauen bestätigen mit einem 2:1 ihre aufsteigende Form zu Beginn der WM-Saison.

Von Anna Dreher, Bremen

F alls sich noch jemand gefragt hatte, wer wieder mal mit die auffälligste Fußballerin des deutschen Nationalteams war? Klara Bühl hatte da in der 73. Minute des Länderspiels gegen Japan eine Antwort. Den Spielzug hatte Torhüterin Ayaka Yamashita unfreiwillig eingeleitet mit einem langen Ball, der bei Elisa Senß landete und wieder in die Richtung geschickt wurde, aus der er kam. Über Linda Dallmann und Melissa Kössler landete der Ball bei Bühl im Strafraum, die genug Platz hatte, um mit Ruhe und Präzision all ihre Kraft in diesen einen Schuss ins rechte untere Eck zu legen, der das Spiel entscheiden sollte. Während aus dem Himmel über dem Bremer Weserstadion feiner Regen herabrieselte und viele der 26 574 Zuschauer den Namen der Torschützin skandierten, versuchten die Japanerinnen noch, an diesem Ergebnis zu rütteln. Doch es blieb beim 2:1 nach Toren, die allesamt von Spielerinnen des FC Bayern erzielt wurden.

„Für mich als Trainer war es ein absolutes Spitzenspiel“, sagte Bundestrainer Christian Wück in der ARD. „Wir haben eine Viertelstunde gebraucht, um ins Spiel zu kommen, dann aber waren wir sehr dominant und hatten ein gutes Passspiel. Wir haben heute gemerkt, dass wir in die richtige Richtung gehen.“ Im Vergleich zum 4:2 beim Auftakt in die WM-Saison gegen Australien vergangenen Freitag hatte der Coach auf vier Positionen umgestellt: Statt Janina Minge, Carlotta Wamser, Cora Zicai und Melissa Kössler begannen Marie Müller, Nicole Anyomi, Dallmann und Sophia Kleinherne. Die Kapitänsbinde der verletzten Giulia Gwinn wanderte von Minges Arm zu Sjoeke Nüsken.

Beim 4:2 gegen Australien bringen sich neue Spielerinnen in den Fokus von Bundestrainer Wück. Insbesondere Melissa Kössler und Cora Zicai zeigen, dass sich die Hierarchie im Nationalteam bis zur WM noch verändern kann.

Dallmann war vor ein paar Tagen schon aufgefallen nach ihrer Einwechslung in der zweiten Halbzeit. Gegen Australien war sie eine der Aktivsten auf dem Platz, ein Tor bereitete sie vor und sie hätte beinahe selbst getroffen. Gegen Japan kam die erste ernst zu nehmende Chance von ihr. In der 13. Minute gab Jule Brand den Ball nach einem Einwurf schnell nach vorn weiter, Dallmann dribbelte sich im Strafraum von rechts nach innen, nur knapp ging ihr Schuss vorbei. Eine Viertelstunde später aber traf die 32-Jährige ihr Ziel nach einer Kollaboration mit zwei ihrer Vereinskolleginnen beim FC Bayern: Franziska Kett bekam an der Außenlinie den Ball, Bühl forderte lautstark einen Pass in ihren Lauf, rannte in den Strafraum, passte zurück zur hinterherlaufenden Dallmann, die knapp unter die Latte zum 1:1 traf.

In diesem Moment belohnte sich nicht nur Dallmann, sondern auch Bühl. In den ersten 20 Minuten war sie auf dem linken Flügel dreimal vorgedrungen und spielte in den Sechzehner. Vergeblich. Keine war da, um diese Vorlagen zu verwerten. Und so erzielten das erste Tor des Abends die Japanerinnen. Zunächst konnte sich Aoba Fujino auf der rechten Seite frei bewegen, Nüsken bekam sie nicht unter Kontrolle. Und auch Momoko Tanikawa schien dann keine der Deutschen wirklich bedrängen zu wollen, dabei hatte sie in der Offensive des FC Bayern schon in genug Partien gezeigt, dass das keine gute Idee ist. Als sich Kleinherne und Camilla Küver ihr in den Weg stellten, tanzte Tanikawa die beiden Innenverteidigerinnen einfach aus und schloss wuchtig ab, Kleinherne lag am Boden, buchstäblich.

„Es ist kein Geheimnis, dass sie eine Weltklassespielerin ist. Sie ist ballsicher, technisch sehr gut und macht Dinge, die nicht viele können“, hatte Teamkollegin Kett am Tag vor der Partie vor Tanikawa gewarnt und ein aggressives eigenes Spiel gefordert: „Den Japanerinnen keine Zeit lassen, sonst sind sie kaum zu stoppen.“ Während die Australierinnen mit ihrem physisch geprägten Spiel unangenehm waren, traten die Titelverteidigerinnen des Asien-Cups typisch flink, wendig und bisweilen schwer zu kontrollieren auf. Die Japanerinnen waren zudem mit dem Selbstvertrauen eines 5:1 gegen Haiti angereist. Aber genau gegen diese Spielweisen wollte der Bundestrainer die DFB-Frauen mit Blick auf die Weltmeisterschaft testen. „Es ist ein vollkommen anderes Niveau als in Europa“, sagte der 53-Jährige.

In der 40. Minute aber zeigte Bühl, dass auch sie ganz schön flink und wendig ist. Der Ball kam tief aus der eigenen Spielfeld-Hälfte, wieder rannte die 25-Jährige den linken Flügel entlang. Diesmal aber behielt sie den Ball an ihrem Fuß, zog im Strafraum nach innen und schloss ins lange Eck ab. Daraus hätte ein Traumtor werden können, wäre der Schuss nicht knapp am rechten Pfosten vorbeigerauscht.

Nach der Pause setzte Wück auf die Erfahrung von Vize-Kapitänin Minge, die Küver ersetzte; statt Anyomi bildete Kössler die Sturmspitze, was gegen Australien schon bestens geklappt hatte mit einem Doppelpack. Nach einer Stunde kamen zudem Verteidigerin Wamser für Marie Müller sowie Flügelspielerin Cora Zicai für Brand. Ein Wechsel, der sinnbildlich dafür stand, dass in den nächsten Monaten auch getestet werden soll, welche Pärchen auf dem Feld gebildet werden können, in dem Fall das Duo auf der rechten Seite.

Die nächste gute Szene hatte dann aber zwei bestens etablierte Absenderinnen mit einem gefährlichen Abschluss: Bühl hatte auf der Außenbahn jenen Haken geschlagen, der längst zu ihrem Markenzeichen geworden ist, und luchste den Ball dann zwischen zwei Gegnerinnen hindurch in den Strafraum zu Dallmann. Die drehte schnell auf und Japans Keeperin Ayaka Yamashita konnte den Ball in der 66. Minute gerade noch so über die Latte lenken. Vielleicht hätte sich Dallmann noch so richtig über ihre nächste vergebene Chance geärgert. Aber diese Szene sollte ja die Ankündigung des Siegtreffers werden, beim zweiten Erfolg zum Start in die WM-Saison.

Ann-Katrin Berger ist gesetzt als Nummer eins der DFB-Frauen, fehlt jedoch in den nächsten Länderspielen. Diese seltene Chance will Bayerns Torhüterin Ena Mahmutovic nutzen.

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