David Alaba nach Italien: Vorletztes Kapitel: Udine
Por Von Felix Haselsteiner, Mailand — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
Lesezeit: 3 Min.
Sein Vertrag bei Real Madrid war ausgelaufen, für ganz große Klubs reicht es nicht mehr – David Alabas Wechsel zu Udinese erscheint sinnvoll. Und der Abschluss seiner Karriere ist auch schon klar.
Von Felix Haselsteiner, Mailand
Wo das finale Kapitel in David Alabas Karriere stattfinden wird, steht schon fest. „Ja, sie wollen. David will auch“, sagte George Alaba erst vor einigen Tagen in der Kronen Zeitung. Der Vater des größten österreichischen Fußballspielers (zumindest in diesem Jahrtausend) bestätigte damit, was sich in Wien schon seit Monaten die Tauben am Stephansdom erzählten: Die Austria, Alabas violettfarbener Kindheitsverein, und der Bub, der einst aus Wien ins Münchner Fußballinternat zog, sie werden sich eines Tages wieder vereinen. Ein romantisches Kapitel zum Abschluss steht also an, im Hintergrund ist bereits heute Billy Joel („Vienna waits for you“) zu hören. Allerdings, so George Alaba: „Im Moment ist es aber zu früh für ihn. Er hat noch viel vor, was den Fußball betrifft.“
Eine der wenigen verbrieften Aussagen war das zur Zukunft des 34-Jährigen, der im Juni noch die Nationalmannschaft als Kapitän bei einer Weltmeisterschaft anführte. Und dann nach seinem Vertragsende bei Real Madrid einen Sommer voller Ungewissheiten erlebte: Immer wieder wurden Gerüchte über etwaige neue Vereine kolportiert. Teilweise wohl lanciert von seinem Berater Pini Zahavi, der Alaba offenbar nacheinander in Mailand und Turin als Innenverteidiger anbot. Auch die USA samt Standort Miami mit Lionel Messi standen wohl zwischenzeitlich als Option parat, doch der europäische Markt war für Alaba interessanter – wenngleich schwerer zugänglich. Lazio Rom etwa verpflichtete trotz interner Debatten über Alaba lieber den jüngeren vereinslosen Innenverteidiger Diogo Leite.
Abwehrspieler und Ex-Bayer David Alaba über das Leben in Madrid und den Fußball bei Real. Er vergleicht die Mentalität der beiden Klubs – und erklärt, warum er in Spanien weniger Kopfbälle machen muss.
Immer später wurde es, das Transferfenster schloss, doch Alabas Spekulation, dass sich schon noch ein großer Verein melden würde, ging wie bei so vielen Vertragslosen nicht auf. So haben etwa der ehemalige Dortmunder Jadon Sancho oder der frühere Münchner Raphaël Guerreiro noch immer keinen Verein. Dabei sieht sich Alaba trotz seines Kreuzbandrisses Ende 2023 nicht als Pensionär des Fußballs. Er möchte spielen und ist bereit, dafür ein Karriere-Downgrade in Kauf zu nehmen: Umstände, die ihn Mitte dieser Woche zum Trainingsgelände von Udinese Calcio führten, um nach absolviertem Medizincheck am Ende doch in der Serie A zu landen.
Der Wechsel erscheint aufgrund der guten Verbindungen in gewisser Weise sinnvoll. Die einstige Habsburger-Stadt Udine ist traditionell einer der ersten Anlaufpunkte für Österreicher in Italien, allerdings vor allem zum Möbelkauf, beziehungsweise weil der Caffè dort besser schmeckt als der Kaffee daheim in Kärnten, nördlich der Staatsgrenze. Fußballerisch allerdings ist Udinese Calcio in der jüngeren Vergangenheit eher damit aufgefallen, nicht aufzufallen. Was sich mit Alaba immerhin ändern dürfte, er ist mit seiner Vita ja eine Attraktion.
Konsequent zwischen Platz 10 und 15 schnitt Udinese in den vergangenen zehn Jahren in der italienischen Serie A ab. Der letzte Ausflug ins europäische Geschäft ist aus dem Jahr 2013 verzeichnet, damals gewann Alaba gerade als junger Spieler mit dem FC Bayern seinen ersten Champions-League-Titel. Nun soll er einen Hauch von diesem Glanz an einen Standort bringen, der im Friaul so ruhig vor sich hin existiert, dass der deutsche Trainer Kosta Runjaic ganz unter dem Radar laufend zum dienstältesten Übungsleiter der Liga wurde. Seit bald zweieinhalb Jahren ist der ehemalige Cheftrainer von unter anderem 1860 München und dem 1. FC Kaiserslautern in Udine beschäftigt, wo er einen soliden Kader in der Mitte der Liga managt. Immer am Rande der Ambitionslosigkeit, aber auch niemals in Absturzgefahr.
Bis zu diesem Saisonstart jedenfalls war das so, bis sich innerhalb kürzester Zeit fast die gesamte Stammverteidigung verletzte und Udinese auf einmal die viertmeisten Gegentore der Liga angehäuft hatte. „Difesa colabrodo“, löchrige Abwehr, so beschrieb die Gazzetta dello Sport Runjaics Mannschaft zuletzt.
Diese Lücke soll Alaba füllen, dem die Serie A inzwischen in der sportlichen Theorie gut liegen müsste. Nirgendwo anders in Europa wird weiterhin so viel im Stehen verteidigt, in einer tief gestaffelten Kette also. Das kommt Spielern wie dem Österreicher entgegen, die in modernen Systemen andere Schwierigkeiten haben: Alaba etwa war auch bei der WM anzumerken, dass er im Pressing-Modell von Teamchef Ralf Rangnick Probleme hatte, wenn er Gegenspielern auf einmal im Sprint hinterherlaufen musste. Das dürfte in Udine seltener der Fall sein.
So fügt sich der Transfer zu einem kleinen Win-Win zusammen, es ist was für beide Seiten drin: Udinese Calcio erhält einen erfahrenen, nach eigenen Angaben auch wieder körperlich erstarkten Innenverteidiger mit großer Bekanntheit. Alaba kann in Europa Fußball spielen, wenngleich auch nicht mehr auf dem Niveau seiner bisherigen Laufbahn in München und Madrid. Und er kann sich obendrein wieder für die Nationalmannschaft empfehlen – dort verzichtete Rangnick für die anstehenden Länderspiele gegen Israel, Kosovo und Irland auf seinen Kapitän.
Zu verwechseln ist dieses vorletzte Norditalien-Kapitel allerdings nicht mit romantischer Fußballliebe. Wer an die glaubt, muss sich den Wiener Alaba weiterhin in einem violettfarbenen Trikot vorstellen, das er wohl irgendwann noch einmal tragen wird. Zum Finale daheim dann.
Nach dem Aus gegen Spanien liefert Österreichs Trainer Ralf Rangnick eine Analyse, die nicht zu seinem Ehrgeiz passt. Die Zäsur im Team hat schon begonnen – Rekordschütze Marko Arnautovic tritt zurück.
Lesen Sie mehr zum Thema
In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.
Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt! Jobs bei der SZ Digitale Medien
Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten :
Fonte: Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport