Daddeln statt Kiffen: Wie Bayerns Gesundheitsministerin Suchtpotenzial nutzen will

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Por Kolumne von Nina von Hardenberg — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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Daddeln statt Kiffen Wie Bayerns Gesundheitsministerin Suchtpotenzial nutzen will

12. Oktober 2026, 23:05 Uhr |

Lesezeit: 2 Min.

Bayerns Gesundheitsministerium will die Jugend da erreichen, wo sie am meisten anzutreffen ist - am Handy.
Bayerns Gesundheitsministerium will die Jugend da erreichen, wo sie am meisten anzutreffen ist – am Handy. Foto: Annette Riedl/dpa

Ein vom Ministerium gefördertes Präventionsprojekt empfiehlt Jugendlichen die Handynutzung, um sie vor Drogen zu bewahren. Ob das funktioniert?

Kolumne von Nina von Hardenberg

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W ie kommt man eigentlich an die Jugend ran? Diese Frage treibt nicht nur Bayerns frisch gebackenen Jugendminister Manuel Knoll um. Er wolle sie dort abholen, wo sie sind. „Das könnte die Schule sein“, sagte Knoll kürzlich im SZ-Interview. Damit allerdings offenbarte Deutschlands erster Jugendminister ein bedenkliches Unwissen über die ihm anvertraute Spezies.

Denn spätestens seit der Freistaat die Schüler großzügig mit iPads versorgt, findet man diese oft genug nur noch physisch in der Schule. De facto ziehen die Mädchen während manch zäher Biologiestunde durchs virtuelle Kaufhaus. Die Jungs wiederum ziehen in den Krieg.

Jugend kann aber ja vom Alter lernen, in dem Fall der Jugendminister von seiner unwesentlich älteren Kabinettskollegin Judith Gerlach. Die Gesundheits- und im Herzen immer noch Digitalministerin weiß, wo sich die Jugend rumtreibt: Im Schnitt vier Stunden pro Tag wischt sie sich laut Studie durch Filmchen, verschickt Kussmund-Fotos und Herzchen, jagt Monster oder konsultiert den KI-Nachhilfelehrer.

Gerlach nutzt dieses Wissen für ihr derzeitiges Lieblingsthema, die Prävention, also die Vermeidung von Krankheiten. „Gute Prävention muss früh ansetzen und die Menschen in ihrem Alltag erreichen“, sagte sie an diesem von ihr zum Bayerischen Präventionstag erklärten Montag. Sie selbst war am Morgen in Würzburg und stellte dort, Achtung, Jugend hergehört(!), ein vom Ministerium gefördertes neues Handyspiel vor, für das noch Teilnehmer gesucht werden.

Statt der laut Pisa-Studie zunehmend verblödenden Jugend ihre Handysucht vorzuhalten und über Smartphone-Verbote zu philosophieren, will das Projekt den Nachwuchs genau dort treffen: auf dem Handy. Statt „Leg das Handy weg“, rufen die Ministerin und mit ihr die Erfinder des Projekts X-CAN vom Universitätsklinikum Würzburg den Schülern also „Schau auf dein Handy“ zu. Das ist – aus Erwachsenensicht gesehen – eine derart ungewöhnliche Botschaft, dass sie vielleicht tatsächlich die Neugierde des einen oder anderen Heranwachsenden wecken könnte.

Doch Vorsicht, liebe Jugend, das Spiel ist eine Art Köder. Es handelt sich um ein sogenanntes Serious Game. Spielerische Elemente sollen helfen, eine erwünschte Botschaft im Gehirn der Jugendlichen zu platzieren, in diesem Fall: Kiffen ist ungesund. Das Spiel vermittle Wissen über Risiken und trainiere Strategien, die helfen sollen, Cannabiskonsum zu vermeiden oder zu reduzieren, heißt es seitens des Universitätsklinikums Würzburg. „Cannabis ist keineswegs eine harmlose Droge“, sagte Gerlach, das Spiel könne junge Menschen dabei unterstützen, „informierte und selbstbestimmte Entscheidungen für ihre Gesundheit zu treffen“.

Eine schöne Idee. Nur: Wird die Jugend ein Spiel, das derart pädagogisch wertvoll riecht, überhaupt jemals aufrufen? Und angenommen, es geht tatsächlich viral und die Jugend daddelt sich stundenweise durch die Präventionswelt, rettet den digitalen Spiel-Freund Alex und damit auch sich selbst vor der fraglos ernst zu nehmenden Cannabis-Sucht: Hat man dann nicht eine Sucht gegen eine andere getauscht, das Risiko für eine Krankheit verringert und für eine andere verstärkt? Diese Fragen können auch die Erfinder bisher nicht klar beantworten. Die Forscher werden sie aber in einer Studie untersuchen, heißt es. Sie wollen dazu die teilnehmenden Jugendlichen befragen – wo auch immer sie die dann finden.

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Fonte: Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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