Bundesliga-Schlusslicht HSV: Hamburger Jahrhundertgegentorflut

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Bundesliga-Schlusslicht HSV Hamburger Jahrhundertgegentorflut

14. September 2026, 14:44 Uhr |

Lesezeit: 3 Min.

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Und schon wieder ein Tor kassiert: Spieler des Tabellenletzten Hamburger SV nach einem der fünf Gegentreffer in Leipzig.
Und schon wieder ein Tor kassiert: Spieler des Tabellenletzten Hamburger SV nach einem der fünf Gegentreffer in Leipzig. Jan Woitas/dpa

„Es muss keiner denken, dass wir die Nerven verlieren“: Der HSV will seinen historisch schlechten Liga-Start weder schönreden noch mit Aktionismus quittieren. Wie alles besser werden soll? Unklar.

Von Javier Cáceres

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C laus Costa, der Direktor Profifußball beim Hamburger SV, trat in Leipzig aus der Kabine und fühlte sich zu einer Erklärung bemüßigt. „Zweimal hintereinander 0:5 zu verlieren, das ist natürlich alles andere als das, was wir uns vorgenommen haben“, sagte er, und die Bemerkung war – nach dem 0:5 bei RB Leipzig – insofern hilfreich, als der Gedanke an ein vorsätzliches Handeln der Hamburger am Ende der Partie gar nicht so absurd gewirkt hatte. Andererseits stellte sich die Frage, ob der HSV, ehedem Dino der Liga und Gigant des deutschen Fußballs, jetzt erst recht versuchen sollte, seine atemberaubende Tor- und Sieglos-Serie fortzusetzen. Der Geschichte wegen.

Denn kommende Woche würde gegen Köln ein 0:1 reichen, schon wäre dem HSV ein Rekord gewiss. Den Geschichtsbuch-Eintrag für den schlechtesten Bundesliga-Start nach vier Saisonspielen hält seit 1963/64 der Karlsruher SC, mit vier Niederlagen und einer Tordifferenz von minus 13 (1:14). Mit einem 0:1 würde der HSV (bisher: 0:12 Tore) in puncto Tordifferenz also gleichziehen, aber deshalb vor die Karlsruher rücken, weil er in dieser Saison noch gar keinen eigenen Treffer hinbekommen hat. In Dortmund und in Leipzig nicht, gegen Mainz daheim auch nicht. Und da die KI den ganzen Wumms namens Welt bald ohnehin übernehmen wird, stünden die Chancen bei einem Startminusrekord gar nicht so schlecht, der oft deplatzierten Floskel „aller Zeiten“ einen Sinn zu geben.

Apropos Floskeln: Nach der Pleite in Leipzig vergaßen die Beteiligten nicht, darauf hinzuweisen, dass sie nichts schönreden wollten, als sie sich das Ergebnis schönredeten. Es hatte zwar durchaus ein paar Situationen gegeben, in denen der HSV gegen kriselnde und verunsicherte Leipziger fast schon dominant wirkte. Das war ein Unterschied zum 0:5-Totaldesaster der Vorwoche gegen Mainz, den die HSV-Verantwortlichen in ungeahnte Höhen jazzten. Allerdings: Dem Leipziger 1:0 von Tidiam Gomis (17.) folgte schnell das 2:0 durch Antonio Nusa (28.). Auch in der zweiten Halbzeit gab es dann Phasen, die zum Leichtsinn einluden. So gab es nach Erkenntnissen dieser Zeitung mindestens einen HSV-Fan, der sich bei seinen Freunden auf der Tribüne in Leipzig mit den Worten verabschiedete, er hoffe nicht, das erste Saisontor des HSV zu verpassen, wenn er kurz mal aus Gründen ums Eck verschwinde. Als er zurückkehrte, war der HSV kollabiert, da hatten Willi Orban, Christopher Nkunku und Rômulo zwischen Minute 72 und Minute 77 die Leipziger Tore drei, vier und fünf erzielt. In Norddeutschland sagt man in solchen Situationen: tja.

HSV-Trainer Merlin Polzin stellte sich an die vorderste Front des Nicht-oder-doch-Schönredens: „Entweder siehst du das Endergebnis und sagst: ähnlich beschissen wie letzte Woche“. Oder aber man sieht, so wie er, eine Mannschaft, „die versucht hat, viele Dinge besser zu machen als letzte Woche“. Wenn das Ergebnis von Leipzig also nicht „ähnlich beschissen“ war, dann war es anders, pardon, beschissen oder besser beschissen.

Der Sportdirektor versichert: „Es ist nicht so, dass irgendwelche Mülleimer fliegen und nur herumgepöbelt wird.“

Womit die Frage bleibt, ob der HSV seine Möglichkeiten, Dinge besser zu machen, in Leipzig maximal ausgeschöpft hat. Sie sind nämlich begrenzt. Das lässt sich unter anderem daran ablesen ist, dass man nachschlagen muss, welcher Anonymus beim HSV im Sturm steht und/oder für Tore sorgen soll. In der Verteidigung irrlichterten auch die etablierten Kräfte, sodass Torwart Daniel Heuer-Fernandes zu den HSV-Kräften gehörte, die es zu bemitleiden galt. „Wie soll ich das jetzt richtig formulieren?“, fragte Sportdirektor Costa und antwortete sich selbst: „Es ist zu einfach, gegen uns Tore zu schießen.“ Am Dienstag kehrt immerhin Mario Vuskovic, 24, zurück. Doch der Bruder des zu Brighton & Hove Albion abgewanderten Luka Vuskovic, 19, der im vergangenen Jahr für den Nichtabstieg bürgte, hat vier Jahre Dopingsperre im Rücken. Der namhafteste Zugang des Sommers, der diesmal vom FC Arsenal fest verpflichtete und nicht nur geliehene Fábio Vieira, kam am Sonntag erst zum Einsatz, als es bereits 0:3 stand.

Welche Dringlichkeiten jetzt der Tabellenletzte HSV entwickelt, blieb offen. „Dass es guttut, zu punkten, steht außer Frage. Aber dass ich mich hinstelle und sage, wir müssen punkten, sonst ist alles vorbei, ist auch ein Witz“, betonte Kapitän Nicolai Remberg. Costa wiederum trug die blendende Idee vor, „individuell, aber auch im Kollektiv einfach Fehler abzustellen“. Der Sportdirektor versicherte überdies, dass er das Trainerteam „analytisch und rational“ wahrnehme: „Es ist nicht so, dass irgendwelche Mülleimer fliegen und nur herumgepöbelt wird – sondern man ist im Inhalt.“ Überhaupt stehe der HSV dafür, nicht in Aktionismus zu verfallen, „Kurzschluss und Alibiaktionen“ seien nicht zu erwarten. „Es muss jetzt keiner denken, dass wir die Nerven verlieren und etwas Außergewöhnliches machen“, fügte Costa hinzu.

Was das heißt? Dass wohl ausgeschlossen ist, dass beim HSV jemand auf die Idee kommt, auf dem Ohlsdorfer Friedhof Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt auszugraben, um ihn zu fragen, wie er 1962 als Hamburger Bürgermeister die damalige Jahrhundertflut in den Griff bekommen hat. Und dann getreu dem historischen Vorbild nach einem Bundeswehreinsatz im Innern ruft. Stattdessen gilt als sicher, dass der Vertrag von Null-Punkte- und Null-Tore-Trainer Polzin verlängert wird. „Wir wissen, dass wir gemeinsam in die Zukunft gehen werden“, sagte HSV-Sportvorständin Kathleen Krüger dem Sender Dazn. Könnte man für außergewöhnlich halten. Einerseits. Andererseits: Es ist halt der HSV.

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