Brajan Gruda bei RB Leipzig: Noch einer für Jürgen Klopp
Por Von Javier Cáceres, Leipzig — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
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Brajan Gruda sollte eigentlich Teil des XXL-Nationalkaders werden, eine Verletzung bremste ihn aus. Sein Auftritt inklusive Tor gegen Eindhoven deutet aber darauf hin, dass ein erneuter Anruf des Bundestrainers nur eine Frage der Zeit ist.
Von Javier Cáceres, Leipzig
B rajan Gruda, 22, ist des Englischen durchaus mächtig; von August 2024 bis Ende Januar 2026 war er bei Brighton & Hove Albion in der englischen Premier League tätig. Doch auch für ihn wird die Sprache Shakespeares zur Herausforderung, wenn sie mit schottischem Einschlag vorgetragen wird. Als Schiedsrichter Nick Walsh, vor rund 35 Jahren in Easterhouse bei Glasgow geboren, die Offensivkraft von RB Leipzig darauf aufmerksam machte, dass da am Spielfeldrand etwas vor sich gehe, musste Gruda kapitulieren. „Ich habe gar nichts verstanden!“, sagte er – und lachte. Was draußen geschah? Dass dort die Führungskräfte rund um Trainer Martín Demichelis Anstalten machten, Gruda vom Platz zu holen. Just, als Gruda noch angefüllt war von der Euphorie über seinen Treffer, der Leipzig im zweiten Champions-League-Spiel der laufenden Saison zum 1:0-Sieg gegen PSV Eindhoven verhalf.
Grudas zweites Pflichtspieltor der laufenden Saison war überaus schön anzusehen, leicht abgefälscht flog der Ball vom Strafraumrand in das obere linke Eck des von PSV-Torwart Matěj Kovář überragend gehüteten Gehäuses. „Dass ich nach der Verletzung starten durfte, war schon ein geiles Gefühl“, sagte der deutsche U21-Nationalspieler, „dass wir das Spiel mit einem Sieg und einem Tor beenden durften, macht mich überglücklich.“ An den Füßen trug Gruda dabei ein Exemplar einer streng limitierten Sonderedition von Schuhen, die eigens für den Nationalmannschaftsabschied des achtmaligen Weltfußballers Lionel Messi hergestellt wurden. Gruda war schon im vergangenen Jahr Teil einer PR-Kampagne eines Messi-Ausstatters gewesen. Er darf sich zu den mittlerweile 30 Fußballern zählen, denen in den Augen des alternden Messi die Zukunft des Fußballs gehören soll. „Er ist ein schlauer, lustiger Junge, ich freue mich sehr für ihn“, sagte der noch immer neue RB-Coach Martín Demichelis, ein ehemaliger Nationalteam-Kamerad Messis.
Die Bayern machen aus einem 0:2 in Stavanger dank Harry Kane eine Führung – um dann noch 3:3 zu spielen. Weil sich Michael Olise den ersten Platzverweis seiner Karriere erlaubt.
Grudas Freude war umso größer, als sein Saisonstart im Kleinen so verbesserungswürdig war wie Leipzigs Spielzeitbeginn im Großen; es hatte bei RB ja – insbesondere nach dem 1:4 zum Champions-League-Start bei Como 1907 – derart gekriselt, dass über eine beschleunigte Ablösung des im Sommer installierten Demichelis spekuliert wurde. Gruda wiederum musste zwei kleinere Verletzungen überstehen. Anfang September zwickte der Knöchel, zuletzt schmerzten die Bauchmuskeln so sehr, dass der frühere Mainzer auf ein mögliches Debüt in der deutschen A-Nationalmannschaft verzichten musste. Gruda war vom neuen Bundestrainer Jürgen Klopp für die Nations-League-Spiele gegen die Niederlande (1:1), Griechenland (0:1, 0:0) und Serbien (2:0) zunächst in den Makro-Kader berufen worden.
Die Absage sei schon ärgerlich gewesen, gestand Gruda offen ein. Aber: „Von Klopp konnte ich mir einen Satz merken: ‚Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.‘“ Und ja: Wenn Gruda beständig so auftrumpft wie am Dienstag gegen den mehr als nur ansehnlich agierenden niederländischen Meister, so ist eine neuerliche Nominierung des gebürtigen Speyerers nur eine Frage der Zeit.
Unter den Augen von Roger Schmidt, der als Klopp-Nachfolger Head of Global Soccer des RB-Kosmos ist und erstmals in Leipzig einem Spiel beiwohnte, zwang Gruda den vormaligen Leverkusener Schlussmann Kovář schon in der ersten Halbzeit zu einer Glanztat. Von der rechten Seite kommend, tanzte er zwei, drei Eindhovener aus, drang in den Strafraum ein und schloss mit seinem gefährlichen linken Fuß ab. Nach der Pause erzwang er bei einem Schuss vom Strafraumrand eine weitere Parade des Tschechen, der die an Gruda verliehene Auszeichnung „Man of the Match“ auch verdient gehabt hätte. Die Trophäe in Sternenform schleppte aber Gruda fort. „Ich habe es ihm eben auch noch einmal gesagt: Der Junge hat sehr, sehr viel Potenzial“, erklärte Ridle Baku, der hinter Gruda auf der Rechtsverteidigerposition spielte.
Baku übrigens hatte nach knapp 20 Minuten einen bedeutenden Schreckmoment erzeugt, als Referee Walsh nach Intervention des Videoschiedsrichters einen Handelfmeter gegen Leipzig verhängte. „Ich war total schockiert – mein Gegenspieler auch“, berichtete Baku hinterher. Sein Glück war, dass Leipzigs Torwart Marten Vandevoort seinem tschechischen Kollegen Kovář in nichts nachstand – und den vom kroatischen Altmeister Ivan Perišić geschossenen Strafstoß mit der Fußspitze parierte (21.).
Vandevoort hielt damit einen Sieg fest, der den größten Druck von RB nimmt. Das 1:0 gegen PSV war auf internationaler Bühne die Bestätigung des 6:0-Erfolges vom Samstag gegen die SG Eintracht Frankfurt. „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft“, sagte Demichelis, 45. Dass er gelöst wirkte, war nachvollziehbar, die beiden Siege hatten die Funktion eines Ventils, und das ist umso wichtiger, als die Aufgaben, die nun vor den Leipzigern liegen, größer kaum sein könnten. Am Samstag reist Leipzig nach München zu Demichelis’ Ex-Klub FC Bayern; am Mittwoch folgt bei Real Madrid der nächste Champions-League-Auftritt. „Wir haben nichts zu verlieren“, folgerte Demichelis.
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