Bayern reformiert die Lehrerausbildung: Vom Hörsaal ans Lehrerpult und zurück
Por Von Nina von Hardenberg — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
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Bayern reformiert die Lehrerausbildung Vom Hörsaal ans Lehrerpult und zurück
21. September 2026, 16:19 Uhr |
Lesezeit: 3 Min.

Mehr Zeit im Klassenzimmer, mehr Betreuung und moderne Inhalte: Die Staatsregierung will die Lehrerausbildung grundlegend reformieren.
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Als sie dachten, sie seien schon fertig, habe man sich noch mal drüber gebeugt und überlegt, ob nicht ein noch größerer Wurf möglich wäre. „Und dann haben wir gemerkt, dass wir noch mehr erreichen wollen und können.“ Die kleine Anekdote streut Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) am Montag ein. Sie soll wohl zeigen, wie weit die beiden gegangen sind, um die Lehrerausbildung in Bayern zu verbessern: „Das ist keine Kosmetik, sondern ein richtiges Kraftpaket“, sagte Blume.
Tatsächlich stellen die beiden Minister in der virtuellen Pressekonferenz mit ihrem Masterplan Lehrkräftebildung ein Reformpaket vor, das vieles aufgreift, das auch von Verbänden seit Jahren gefordert wird. Herzstück der Reform ist dabei das sogenannte Praxisjahr, das die angehenden Lehrer schon während des Studiums früher und länger in die Schulen schickt und Studium, Vorbereitungsdienst und Fortbildung so enger verzahnt. „Die Praxis steht nicht am Ende, sondern wir schaffen ein mit Praxis durchwobenes Studium“, so Blume. „Wir bringen das Klassenzimmer in die Uni und die Uni ins Klassenzimmer.“
Dahinter steht die Erkenntnis, dass die bisherige Ausbildung die angehenden Lehrer schlecht auf ihren Beruf vorbereitet. Sie lernen bis zum ersten Staatsexamen viel Theorie und stehen dann im Referendariat trotzdem oft hilflos vor der Klasse. Dieser Praxisschock gilt als ein Grund dafür, dass viele der etwa 35 000 Männer und Frauen, die derzeit ein Lehramt studieren, nie an den Schulen ankommen, sondern abbrechen.
Künftig sollen die Studierenden nun schon viel früher erleben, worauf es im Klassenzimmer ankommt. Dafür werden die bisherigen Praktika gebündelt und um etwa 50 Prozent auf insgesamt 300 Stunden ausgeweitet. Geplant ist, dass die Studierenden in ihrem fünften Semester über ein ganzes Schuljahr hinweg immer wieder in die Schule kommen und sich dort als Lehrer erproben: Mindestens 20 eigene Unterrichtsversuche sind vorgesehen.
Die Studierenden sollen dabei zudem viel enger als bislang betreut werden. Und das Studium soll von den Lehrinhalten so verändert werden, dass die angehenden Lehrer gezielt auf das Unterrichten vorbereitet werden. Wie gebe ich gutes Feedback? Wie bekomme ich die Störer in meiner Klasse in den Griff? Wie gehe ich mit KI um? Solche Kernkompetenzen des guten Unterrichtens sollen künftig gezielt vermittelt werden. Hierfür plant die Staatsregierung zunächst Modellversuche an ausgewählten Universitäten.
Um Lehrer gut ausbilden zu können, müssen auch diejenigen sich fortentwickeln, die angehende Lehrkräfte ausbilden – die Seminar- und Praktikumslehrkräfte. Auch für sie sind Fortbildungen geplant. Vorbereitungsdienst wird zudem über alle Lehrämter hinweg systematisch evaluiert und weiterentwickelt.
Zudem passt die Staatsregierung auch die Regelstudienzeit an: Praxiszeiten und die Vorbereitung auf das Erste Staatsexamen werden stärker berücksichtigt. Die Regelstudienzeit wird damit um ein Semester länger, nicht weil die jungen Leute länger studieren, sondern weil es de facto schon heute so lange dauert, wie Blume erklärte. Diese Änderung hat vor allem für Studierende, die Bafög erhalten, direkte Auswirkung.
„Wir begleiten die jungen Menschen besser auf ihrem Weg in den Beruf“, sagte Kultusministerin Stolz. Schließlich gehe es am Ende darum, „wer vor unseren Kindern im Kassenzimmer steht“. Dass hier die Qualität stimmt, lässt sich die Staatsregierung trotz knapper Zeiten einiges kosten, wie die beiden Minister betonten. Insgesamt seien gut 100 neue Planstellen für die Reform vorgesehen. Schnell gehen wird es hingegen nicht. Für die Umsetzung der Pläne peilen die Minister den Studienstart im Wintersemester 29/30 an.
Geld für Schule in Zeiten knapper Kassen und Mut zur Reform: Am Montag fand selbst der sonst oft kritische Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) lobende Worte für die Staatsregierung. „Würde der heute vorgelegte Masterplan in Gänze umgesetzt werden, dann wäre das eine Revolution auf dem Weg zur besten Bildung in Bayern“, schreibt Verbandspräsidentin Simone Fleischmann in einer Stellungnahme.
Der jetzt geplante Reform hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Oktober 2022 angestoßen, als er anregte, Lehrkräfte flexibler für verschiedene Schularten auszubilden. Im vergangenen Jahr hatte dann eine 13-köpfige Expertenkommission Vorschläge präsentiert, um die Ausbildung und den Lehrerjob wieder attraktiv zu machen.
Die vorgelegten Pläne greifen nicht alle dieser Ideen auf. So hatten die Experten etwa gefordert, die Länge aller Lehramtsstudiengänge anzugleichen, egal ob die Studierenden am Ende Grundschul- oder Gymnasiallehrer werden wollen. Es bleibe bei den unterschiedlichen Studienzeiten, sagte Blume. „Wir halten dies für sachgerecht.“
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