Bayern-Fußballerinnen in der Champions League: Pyrotechnik – und doch kein Unterbrechen

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Por Von Anna Dreher, UnterhachingTop – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

Lesezeit: 4 Min.

Beim 2:2 gegen Manchester City kassieren die Münchnerinnen ein Gegentor, während eine Pyrofackel auf dem Rasen qualmt. Die Schiedsrichterin lässt das Spiel weiterlaufen – eine kontroverse Entscheidung.

Von Anna Dreher, Unterhaching

A ls Ena Mahmutovic vor die Mikrofone kam, war sie noch ein wenig fassungslos. An diesem Abend ist etwas passiert, was die 22-Jährige so auf dem Feld noch nicht erlebt hatte. Kurz vor der Pause des Champions-League-Spiels zwischen dem FC Bayern und Manchester City hatte jemand einen dunkelblauen und einen roten Bengalo auf den Rasen im Eck vor der Süd- und Westtribüne des Unterhachinger Sportparks geworfen. Und während der rote Rauch außerhalb des Spielfeldes vor allem den Zuschauern die Sicht vernebelte, war die blaue Pyrofackel auf dem Rasen wenige Meter rechts von der Strafraumgrenze gelandet. Was die Frage aufwarf: Muss diese Partie dann nicht unterbrochen werden?

Die spanische Schiedsrichterin Olatz Rivera Olmedo entschied sich gegen einen sofortigen Pfiff. Und das wiederum ließ nicht nur Mahmutovic ratlos zurück. „Ich denke schon, wenn Gegenstände auf dem Platz sind, muss man unterbrechen“, sagte Münchens Torhüterin. „Dann kam ja auch der Konter über die Seite.“ Kurz nachdem der Bengalo auf dem Platz lag, rannte City-Verteidigerin Kerstin Casparij die rechte Seite entlang, verfolgt von Franziska Kett. Als Casparij auf Höhe der blauen Wolke angekommen war, passte sie in den Strafraum und leitete damit den Anschlusstreffer zum 1:2 ein. Der Abschluss von Khadija Shaw aus dem Zentrum des Sechzehners landete abgefälscht von Münchens Innenverteidigerinnen bei Beth Mead, die den Angriff aus kurzer Distanz vollendete. Erst danach lief die Schiedsrichterin zur Rauchbombe, trug sie vom Platz und die Feuerwehr übernahm.

Bayern Münchens Fußballerinnen erleben zum Champions-League-Auftakt ein kurioses 2:2 – und schimpfen nach dem umstrittenen Anschlusstreffer von Manchester City auf die Schiedsrichterin.

Es ist im September nun schon der zweite Pyro-Vorfall dieser Art im Fußball der Frauen. Am 13. September wurde das Bundesligaspiel zwischen dem VfB Stuttgart und dem VfL Wolfsburg unterbrochen, nachdem Rauchbomben aufs Feld geflogen waren. In Unterhaching hatte der Nebel die Farben der SpVgg Unterhaching, also jenes Vereins, von dem der FC Bayern vor ein paar Monaten das Stadion für seine Fußballerinnen gekauft hat. In Stuttgart war es Hellblau, die Farbe der Stuttgarter Kickers, die seit 1905 im Gazi-Stadion ihr Zuhause haben und es seit dieser Saison mit den Fußballerinnen aus Bad Cannstatt teilen.

„Irritiert hat’s nicht, es war ja jetzt nicht im Strafraum. Trotzdem ist das ein bisschen scheiße, weil man natürlich merkt: Da ist was“, sagte Mahmutovic. „Aber keine Ahnung, was da die Regeln von der Uefa sind.“ Bisher musste das niemand groß nachschlagen, weil es hier kaum Fälle gab, dass auf einmal bunter Rauch aufstieg, ohne, dass es Teil einer geplanten Showeinlage war. „Was ganz Neues, ich habe das so noch nie erlebt“, sagte Klara Bühl. „Das ist etwas, das Spielerinnen nicht sehr mögen, was es grundsätzlich nicht braucht. Wir hoffen, dass das nicht wieder vorkommt.“

Das Regelwerk der International Football Association Board (IFAB) besagt Folgendes: Wenn während einer laufenden Partie ein Objekt aufs Spielfeld gelangt, muss die Schiedsrichterin „das Spiel nur unterbrechen und mit einem Schiedsrichterball fortsetzen, wenn das Spielgeschehen gestört wurde. Wenn der Ball ins Tor geht und kein Spieler des verteidigenden Teams aufgrund des Eingriffs am Spielen des Balls gehindert wurde, zählt der Treffer.“ Die Frage ist also, ob das Spielgeschehen am Dienstagabend durch den Rauch gestört wurde.

Für die Direktorin der Bayern-Frauen war die Auslegung der Regel klar, Rivera Olmedo hätte unmittelbar eingreifen müssen. „Also da muss ich ehrlich sagen, das ist einfach schlecht gemanagt von der Schiedsrichterin“, sagte Bianca Rech. „Dass sie dann auch noch selber dahingeht, den Bengalo nimmt und Richtung Fans wirft, ist für mich einfach … das kann ich nicht nachvollziehen! Und der Bengalo liegt relativ lange schon auf dem Platz, alle haben den Blick dahin. Da musst du das Spiel einfach unterbrechen, Punkt!“

Wie die Nebelkerzen überhaupt ins Stadion gelangen konnten, damit muss sich jetzt der FC Bayern befassen. Das Team allerdings beschäftigt vorrangig die Frage, wie dieser Champions-League-Auftakt so kippen konnte. Denn das hatte weniger mit dem Pyro-Zwischenfall zu tun, zu diesem Schluss kamen die Spielerinnen wie auch ihr Trainer José Barcala, der zu dem umstrittenen Moment sagte: „Wir waren davor schon etwas aus der Balance. Also, das ist keine Entschuldigung.“

In der ersten Hälfte hatten die Münchnerinnen mit ihrem Pressing und Gegenpressing den Gegner dominiert, Manchester City kam kaum zur Entfaltung. Der Führung durch Giulia Gwinn (11. Minute) folgte durch ein Eigentor von Casparij das 2:0 (28.). „Das war eine der besten Leistungen, seit ich hier bin“, sagte Barcala, seit Juli 2025 im Amt. „Leider konnten wir das nicht 90 Minuten durchhalten.“ Nach gut einer Stunde parierte Mahmutovic einen Elfmeter von Shaw. Danach fehlte die Energie gegen ein Team, das bekannt dafür ist, am Ende aufzudrehen. Timing und Zuteilung der Bayern-Frauen passten nicht mehr. In dem Fall nutzte das die deutsche Nationalspielerin Carlotta Wamser aus, vor ihrem 2:2 (86.) sträflich alleingelassen.

Was sich in den bisherigen Saisonverlauf fügt, weil die Fehleranfälligkeit in der Defensive gestiegen ist. In der Liga belegen das sechs Gegentore nach fünf Partien – vergangene Runde waren es nur neun insgesamt. Und so bleiben von der Pflichtspiel-Premiere in Unterhaching der Groll über die unbekannten Pyro-Werfer und die Enttäuschung über eine verpasste Chance. Der Wettbewerb ist gerade erst gestartet und ManCity zählt als englischer Doublesieger zwar zu den besten Teams Europas. Aber dieses Remis fühlte sich für die Münchnerinnen wie ein Rückschlag an. Für den direkten Einzug ins Viertelfinale ist am Ende der Ligaphase ein Platz unter den besten vier Klubs nötig – und mit dem FC Barcelona, Real Madrid und Paris Saint-Germain warten noch Gegner eines ähnlichen Kalibers. Nächste Woche geht die Reise zu Benfica Lissabon, diesen Sonntag nach Mönchengladbach zum DFB-Pokal – und an diesem Mittwoch aufs Oktoberfest. Die Intensität bleibt hoch.

Die besten Spielerinnen wechseln nach England, in die Champions League schafft es nur noch der FC Bayern. Deutschland erlebt schwere Zeiten für Profi-Fußballerinnen – die Bundesliga erwägt eine Revolution.

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