Bahn: Warum die Sanierung der Bahnhöfe nur schleppend vorankommt
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Bahn Warum die Sanierung der Bahnhöfe nur schleppend vorankommt
20. September 2026, 13:18 Uhr |
Lesezeit: 2 Min.
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Zusammenfassung
- Die Deutsche Bahn hat bis Ende 2025 von 712 Millionen Euro Bundesmitteln für Bahnhofssanierungen nur 266 Millionen Euro abgerufen.
- Der Bundesrechnungshof rügte im Mai 2025 die verschleppte Umsetzung der Bahnhofsprogramme und forderte mehr Druck vom Verkehrsministerium.
- Von ursprünglich 3507 Bahnhofsgebäuden aus 1999 gehören Stand 2025 nur noch 608 der Deutschen Bahn.
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Die Deutsche Bahn hat bis Ende 2025 Bundesmittel in Höhe von 446 Millionen Euro für Stationen zum „Wohlfühlen“ nicht abgerufen. Es gibt mehrere Gründe, warum es nur langsam vorwärtsgeht – und einen Lichtblick.
Von Klaus Ott, München
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Wer viel mit der Bahn unterwegs ist, der ist diesen Anblick gewohnt: heruntergekommene Bahnhofsgebäude, die vor sich hin gammeln; manche sogar baufällig und deshalb mit einem Zaun umgeben – damit kein Fahrgast sich in Gefahr begibt. Die Bundesregierung beklagt „dunkle Ecken, kaputte Fahrstühle, mit Graffiti beschmierte Wände“. Viele Bahnhöfe machten einen „ungepflegten Eindruck“. Die Deutsche Bahn und das Verkehrsministerium wollen das mit groß angelegten Sanierungsprogrammen ändern. „Der erste Eindruck zählt. Unsere Bahnhöfe sind unsere Visitenkarte“, sagt Bahn-Chefin Evelyn Palla. Wer mit dem Zug reist, solle sich „wieder gerne in Bahnhöfen aufhalten und sich wohlfühlen“, verkündet die Regierung.
Der Haken an der Sache: Es ist beim Staat so viel Geld für die Sanierung von Bahnhöfen da, dass das Staatsunternehmen Deutsche Bahn mit der Arbeit gar nicht hinterherkommt. Bis Ende 2025 hatte das Verkehrsministerium mit sechs Bahnhofs-Programmen insgesamt 712 Millionen Euro bereitgestellt. Doch abgerufen und ausgegeben hat die DB davon nur 266 Millionen Euro. Das teilte das Ministerium jetzt auf Anfrage mit. 446 Millionen Euro blieben also vorerst ungenutzt.
Diese Mittel verfallen nach Angaben des Ministeriums zwar nicht, sondern sind weiter verfügbar. Vielerorts dauert es aber noch, bis die Fahrgäste wieder Bahnhöfe zum Wohlfühlen haben. Der Bundesrechnungshof, der den Umgang des Staats mit dem Geld unter die Lupe nimmt, hat bereits im Mai 2025 die „verschleppte Umsetzung der Bahnhofsprogramme“ gerügt. Unter Hinweis auf bereits seit 2019 laufende Programme hat der Rechnungshof das Ministerium aufgefordert, mehr Druck zu machen. Das Ministerium müsse von der Deutschen Bahn (DB) eine „ordnungsgemäße, wirtschaftliche und zügige Umsetzung konsequent einfordern“. Genauer gesagt, von der DB Infrago. Das ist die Bahn-Tochter, die sich um das Schienennetz und die Bahnhöfe kümmert.
446 Millionen Euro, das ist fast neunmal so viel Geld, wie die Deutsche Bahn in diesem Jahr zusätzlich für die Bahnhöfe ausgibt. Vorstandschefin Palla hatte Anfang 2026 ein entsprechendes Sonderprogramm „für Sicherheit und Sauberkeit an den Bahnhöfen“ angekündigt. Die Bahn versprach eine „Verdopplung der Frühjahrsputzaktionen in diesem Jahr auf 1400 Bahnhöfe“. „Unsere Fahrgäste sollen erleben, dass sich rasch etwas zum Positiven verändert“, so die Bahn-Chefin. Es gebe vieles, „was man sofort besser machen könne“, fand auch der damalige Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU). Von den bis Ende 2025 nicht abgerufenen 446 Millionen Euro war aber keine Rede.
Die stockende Sanierung der Bahnhöfe hat mehrere Gründe. Die DB Infrago kommt mit der Sanierung des jahrzehntelang von Bund und Bahn kaputtgesparten Schienennetzes kaum hinterher. Die Infrago und die von ihr beauftragten Baufirmen können nicht alles auf einmal machen. Bahn-Chefin Palla, sie hat das Amt seit knapp einem Jahr inne, bittet immer wieder um Zeit und Geduld. Bei den Bahnhöfen kommt eine falsche Weichenstellung hinzu. Die Deutsche Bahn hat vor zweieinhalb Jahrzehnten damit begonnen, die meisten ihrer Bahnhofsgebäude zu verkaufen, und das erst vor wenigen Jahren gestoppt.
Nach Angaben des Lobbyverbands Allianz pro Schiene gab es 1999 insgesamt 3507 Bahnhofsgebäude, von denen Stand 2025 aber nur noch 608 der Deutschen Bahn gehören. Mehr als die Hälfte der Gebäude gehören der Allianz pro Schiene zufolge privaten Investoren, je 22 Prozent Kommunen und der Bahn. Hinzu kommt: Der Bund gibt die erwähnten Fördergelder nur der Bahn. Die Allianz pro Schiene und der Deutsche Städte- und Gemeindebund fordern deshalb Fördermittel auch für die Bahnhöfe, die nicht mehr der Bahn gehören. Einen Lichtblick gibt es immerhin: Die DB hat ein Sanierungsprogramm mit einheitlichen Standards für Bahnhöfe gestartet, „weg vom Stückwerk, hin zur Serienfertigung“. So soll es schneller gehen. 237 Stationen habe man in den vergangenen beiden Jahren geschafft, in diesem Jahr sollen 130 weitere dazukommen (70 waren es Mitte Juli), und bis 2035 viele weitere Bahnhöfe.
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