Autoindustrie: Ein Angebot, das viele nicht ablehnen konnten
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Autoindustrie Ein Angebot, das viele nicht ablehnen konnten
20. Oktober 2026, 15:22 Uhr |
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Nach nur drei Wochen wollen so viele Menschen gegen Geld den Autohersteller verlassen, dass BMW sein Abfindungsprogramm beendet. Und nicht jeder, der gehen will, darf das auch.
Von Christina Kunkel, München
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War es die Turboprämie? Oder waren die Angebote einfach zu gut, um nein zu sagen? Wer BMW im Rahmen des Abfindungsprogramms besonders schnell gegen Geld verlassen wollte, konnte diesen Extra-Aufschlag erhalten. Er gilt bei einem Austritt zum 31. März 2027. Doch nun meldet BMW schon nach nur drei Wochen: Nichts geht mehr, das Abfindungsprogramm wird vorzeitig beendet.
Offenbar hatte der Autohersteller selbst nicht damit gerechnet, dass der Andrang auf die Abfindungen zu hoch sein würde. Als die Abfindungsangebote Anfang Oktober intern veröffentlicht wurden, war das Interesse der Beschäftigten, ihr persönliches Angebot zu sehen, aber so groß, dass Konzernkreisen zufolge die Systeme vorübergehend überlastet waren. Dies habe aber nur für einige Stunden gegolten. Jeder, der Interesse gehabt habe, habe es anmelden können, betont BMW.
Dieses anfängliche Interesse hat nun offenbar dazu geführt, dass Tausende BMW-Beschäftigte tatsächlich die Abfindung annehmen und damit das Unternehmen freiwillig verlassen wollen. Die Angebote waren wohl oft deutlich im sechsstelligen Bereich, wie man aus Unternehmenskreisen hört. Man habe das Ziel des freiwilligen Aufhebungsprogramms frühzeitig erreicht, heißt es vom Münchner Autohersteller. Erst vor knapp drei Wochen hatten Zehntausende Mitarbeiter in Deutschland ihre Abfindungsangebote erhalten. Bis Mitte November soll das Programm abgeschlossen werden.
Das Unternehmen entscheidet mit, wer gehen darf
Dann sollen alle Interessenten wissen, ob ein Aufhebungsvertrag zustande kommt, heißt es aus Konzernkreisen. Dies werde bei den meisten, aber nicht allen Interessenten der Fall sein. Es soll nach SZ-Informationen sogar Fälle geben, bei denen der Großteil einer gesamten Abteilung die Abfindung annehmen möchte. Um zu verhindern, dass ganze Bereiche plötzlich nicht mehr arbeitsfähig sind, gilt auch bei BMW die „doppelte Freiwilligkeit.“ Das bedeutet, das Unternehmen darf am Ende mitentscheiden, ob ein Mitarbeiter tatsächlich das Unternehmen per Abfindung verlassen darf oder nicht.
BMW hatte das Abfindungsprogramm in Deutschland im Sommer bekanntgegeben, ohne eine konkrete Zielzahl an Stellen zu nennen, die man abbauen möchte. Damals hatte es aus Konzernkreisen aber auch geheißen, dass weltweit etwa 8000 Jobs wegfallen sollen, gut die Hälfte davon in Deutschland. Daraus ergibt sich, dass wohl um die 5000 Mitarbeiter Interesse am Abfindungsprogramm angemeldet haben.
Beschäftigte in der Produktion waren vom Abfindungsprogramm ausgeschlossen
Das Abfindungsprogramm bei BMW wendete sich in Deutschland nur an sogenannte indirekte Mitarbeiter, also etwa Verwaltung oder Entwicklung. Beschäftigte in der Produktion waren explizit ausgeschlossen. Daher sind insbesondere Mitarbeiter in München betroffen – einfach, weil dort die meisten Menschen außerhalb der Produktion arbeiten.
Aus früheren Aussagen des Konzerns lässt sich ableiten, dass die Rückstellungen für das Abfindungsprogramm gut eine Milliarde Euro betragen. Rein rechnerisch dürften sich also viele Abfindungsverträge deutlich im sechsstelligen Bereich bewegen. Auch bei anderen Autoherstellern laufen große Abfindungsprogramme, Mercedes startet Ende des Jahres bereits die zweite Runde. Bei den Stuttgartern lagen einige Angebote bei mehr als einer halben Million Euro, für das Top-Management sind Abfindungen in Millionenhöhe eher die Regel als die Ausnahme.
Da alle deutschen Autohersteller für ihre Beschäftigten eine Jobgarantie über mehrere Jahre vereinbart haben, können sie Stellen nicht über betriebsbedingte Kündigungen abbauen. Deshalb bleibt ihnen nur der Weg über Altersteilzeit oder eben über große Abfindungsprogramme, um möglichst schnell Mitarbeiter loszuwerden. Da die Gehälter in der Autoindustrie in der Regel überdurchschnittlich sind und viele Beschäftigte bereits viele Jahre in einem Betrieb arbeiten, sind die Abfindungen auch dementsprechend hoch.
© SZ/dpa – Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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