Autoindustrie: Der Siegeszug des „Temu Range Rover“

0

Por Von Christina Kunkel — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

  1. Home
  2. Wirtschaft
  3. Automobilindustrie
  4. Jaecoo 7: Wie der chinesische SUV Großbritanniens Automarkt erobert

Autoindustrie Der Siegeszug des „Temu Range Rover“

19. Oktober 2026, 16:34 Uhr |

Lesezeit: 2 Min.

| Kommentare

Auch in Deutschland kann man den Jaecoo 7 kaufen. Doch anders als in Großbritannien ist der Erfolg des Modells hierzulande noch überschaubar.
Auch in Deutschland kann man den Jaecoo 7 kaufen. Doch anders als in Großbritannien ist der Erfolg des Modells hierzulande noch überschaubar. Toby Melville/REUTERS

Vom Jaecoo 7 hat hier in Deutschland noch kaum jemand gehört. In Großbritannien ist er jetzt schon beliebter als jedes andere Automodell. Wie geht das?

Von Christina Kunkel

  • Anhören
  • Artikel anhören
  • Merken
  • Teilen
  • Feedback
  • Drucken

SZ bei Google bevorzugen

In Halle 4 des Pariser Autosalons ist die Welt für die europäischen Hersteller noch in Ordnung. Man muss quer durch die ganze Halle laufen, bis man hinten links in der Ecke den Stand des chinesischen Herstellers Chery und seiner Marken Jaecoo und Omoda findet. Ansonsten gehört Halle 4 Stellantis und dem VW-Konzern. Opel, Fiat, Alfa Romeo, Audi, Cupra: Alle sind sie da, und keiner wirkt besonders nervös.

Wer soll das sein, dieser kleine Newcomer aus China? In der französischen Hauptstadt wirkt er jedenfalls wie eine Randnotiz. Auf den Straßen Großbritanniens dagegen ist Jaecoo längst der Platzhirsch. Im September wurde das SUV Jaecoo 7 mit fast 11 000 Neuzulassungen das meistverkaufte Auto des Monats, vor dem Tesla Model 3 und dem Ford Puma. In Deutschland sieht es ganz anders aus: Hier kam Jaecoo laut Kraftfahrt-Bundesamt in den ersten neun Monaten des Jahres auf gerade mal 468 Neuzulassungen. Woher kommt also der große Erfolg auf der Insel?

Sicher hilft, dass der Jaecoo optisch offenbar den Geschmack vieler Briten trifft. In britischen Medien wird das Modell gern als „Temu Range Rover“ bezeichnet. Er sieht also ähnlich aus wie ein Range Rover, die aus China importierte Variante kostet aber deutlich weniger – deshalb der Vergleich mit der chinesischen Billig-Shopping-App. Mindestens rund 35 000 Euro muss man umgerechnet für den Jaecoo hinlegen, dafür ist die Ausstattung im Vergleich zu europäischen Konkurrenten üppig.

Die Marke hat den Markterfolg auch strategisch vorbereitet. Jaeccoo und die Schwestermarke Omoda kamen Anfang 2025 auf den britischen Markt. Bereits im ersten Verkaufsjahr kamen die beiden Marken zusammen auf rund 48 000 Neuzulassungen. Das Händlernetz mit etwa 150 Standorten im ganzen Land hilft dabei, den Absatz zu steigern. Zudem setzt Jaecoo nicht auf reine Elektroautos, sondern auch auf Benziner und Plug-in-Hybride. So spricht die Marke eine breite Käuferschicht an.

In Großbritannien gibt es keine zusätzlichen Zölle für Autos aus China

Der Verkaufsschlager Jaecoo 7 ist vor allem als Plug-in-Hybrid gefragt. Die Modelle werden in Großbritannien als Dienstwagen steuerlich begünstigt und sind deshalb für viele Menschen eine beliebte Antriebsart. Hinzu kommt, dass Großbritannien – anders als die EU – keine China-spezifischen Zusatzzölle auf Autos erhebt, weder auf Hybride noch auf E-Autos. Dadurch können chinesische Hersteller in Großbritannien mit günstigen Preisen locken. Und das wirkt: Im ersten Halbjahr 2026 kam fast jedes sechste neu verkaufte Auto von einer chinesischen Marke. Nur Norwegen liegt in Europa noch darüber.

Somit könnte Großbritannien eine Warnung für die Europäische Union sein. Die EU sucht gerade, angeführt von einer deutsch-französischen Allianz, nach Wegen, den Import hochsubventionierter chinesischer Modelle zu erschweren. Ein Ansatz sind „Made in Europe“-Vorgaben, nach denen nur noch in Europa gebaute Autos gefördert werden sollen.

Und so langsam kommt offenbar auch die britische Regierung ins Grübeln, ob es klug ist, den chinesischen Herstellern bedingungslos den heimischen Markt zu überlassen. Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds stellte vergangene Woche klar, Großbritannien werde seine Handelspolitik nicht allein auf Druck aus Brüssel ändern. Er bestätigte aber, dass mögliche Maßnahmen weiterhin geprüft werden.

© SZ – Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.

Zur SZ-Startseite

Autoindustrie : Rückzug nach Europa

In China ist für die europäischen Autohersteller kaum noch etwas zu holen. Jetzt wollen sie zumindest ihren Heimatmarkt schützen. Doch sind sie damit nicht längst zu spät?

Von Alexandra Föderl-Schmid und Christina Kunkel

Fonte: Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

Deixe um comentário

O seu endereço de email não será publicado. Campos obrigatórios marcados com *