Weltrekord: „Ich lese die Bibel, während ich planke“
Por Interview von Claudia Fromme — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
Weltrekord „Ich lese die Bibel, während ich planke“
15. Oktober 2026, 14:45 Uhr |
Lesezeit: 3 Min.

Die Kanadierin DonnaJean Wilde, 61, hat gerade ihren eigenen Weltrekord gebrochen: Sie schaffte es, fünf Stunden eine Plank zu halten. Was ist ihr Geheimnis?
Interview von Claudia Fromme
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D ie meisten Menschen fangen beim Unterarmstütz bereits nach einer Minute an zu zittern, DonnaJean Wilde aus Welling in Alberta, Kanada, hält ihn ganze 300 Minuten. Sie war früher Lehrerin, hat fünf Kinder und zwölf Enkel und geht jeden Tag auf die Matte.
SZ: Glückwunsch, Frau Wilde. Sie haben fünf Stunden lang eine Plank gehalten. Die meisten Menschen schaffen gerade einmal ein oder zwei Minuten. Was ist Ihr Geheimnis?
DonnaJean Wilde: Ich glaube, es besteht darin, einfach immer weiterzumachen.
Klingt gut, bringt aber normal sportliche Menschen nicht auf fünf Stunden.
Der größte Fehler ist, darüber nachzudenken, was man da gerade macht. Dann geht man ins Hohlkreuz, senkt die Schultern oder hält zu lange die Luft an. So ist es schnell vorbei. Tiefes Atmen ist wichtig, und dass man den Körper immer gerade hält. Da hilft es, vor dem Spiegel zu üben. Ein Handtuch für die Ellbogen auf dem Boden macht es bequemer. Das Wichtigste aber: Man muss es wirklich jeden Tag machen. Ich mache das seit 15 Jahren.
Wie lenken Sie sich ab, wenn Sie stundenlang in der Position verharren?
Ich lese die Bibel, während ich planke. Ich höre Filmsoundtracks, und besonders gern schaue ich mir die „Sing“-Filme an. So bekomme ich positive Dinge in meinen Kopf. Meist telefoniere ich auch dabei.
Moment, planken Sie etwa gerade?
Nein, aber es hätte gut sein können. Ich mache das ja jeden Tag stundenlang. Gerade sitze ich im Auto. Ich bin noch in St. George in Utah bei den Huntsman World Senior Games, wo Menschen über 50 zeigen, was sie draufhaben. Dort habe ich den Rekord aufgestellt. Zuschauer haben mich angefeuert, und Juroren vom Guinness-Buch waren auch dabei, die natürlich noch alles genau prüfen. Ich habe meinen alten Weltrekord von 2024 gebrochen, also den der Frauen. Der lag bei 4 Stunden, 30 Minuten und 11 Sekunden. Schreib ein Buch darüber, sagten mir alle danach. Also habe ich das gemacht. „From Minutes to Hours“ heißt es, und ich habe es beim Planken geschrieben, klar.
Und wie machen Sie das? Beim klassischen Unterarmstütz darf man die Unterarme nicht vom Boden lösen.
Mein Mobiltelefon liegt immer vor mir. Die Hände darf man benutzen, solange der Rest flach am Boden bleibt. Ich nutze auch oft die Sprachsteuerung. Ich war lange Lehrerin, und immer, wenn die Schule aus war, habe ich die Tür zum Klassenzimmer geschlossen und geübt. Zu Hause habe ich mich beim Planken mit meinem Computer vor mir auf die Schulstunden vorbereitet und auch Arbeiten korrigiert. Meinen ersten Weltrekord habe ich in meiner alten Schule, der Magrath High School, geschafft.

Wie haben Sie sich auf den Rekordversuch vorbereitet?
Ich habe monatelang trainiert. Im Monat davor bin ich früh ins Bett gegangen und um zwei Uhr morgens aufgestanden. Bis sechs Uhr habe ich dann geplankt. So hatte ich den Tag noch vor mir.
Sie sind Rentnerin, Sie hätten das doch auch tagsüber tun können.
So früh stört mich niemand. Mein Mann macht aber alles mit, er geht sogar früh mit ins Bett. Auch beim Rekordversuch war er dabei, er hat mich angefeuert und mir zwischendurch etwas zu trinken gegeben.
Ein kniffliger Punkt. Wenn man zur Toilette muss, ist es vorbei, oder?
Ja. Aufstehen darf man nicht. Ich habe in den Tagen davor sehr viel getrunken. Man bekommt leicht Muskelkrämpfe, wenn man dehydriert ist. Am Tag selbst habe ich vorher gar nichts mehr getrunken, und beim Rekordversuch selbst dann erst später.
Wann ist die Gefahr am größten, dass man die Spannung verliert? In den ersten Minuten, mittendrin oder ganz am Schluss?
Die erste Stunde ist die härteste. Der Körper muss sich einpendeln, die Muskeln sind noch nicht warm. Danach läuft es. Und klar, die letzte Stunde ist auch hart. Es tut weh, aber es ist auszuhalten. Ich schwinge zwischendurch den Körper hin und her und bewege den Kopf, das hilft. Zehen und Unterarme bleiben natürlich auf dem Boden.
Gesund klingt das alles nicht.
Planking ist gut für die Haltung, für alle Muskeln, für das Selbstvertrauen. Einer meiner Söhne ist Arzt, er hat keine Einwände. Ich habe mich nie verletzt dabei, habe höchstens Muskelkater. Und sowieso: Ich fühle mich nicht wie 61! Wissen Sie, vor 15 Jahren bin ich im Fitnessstudio ausgerutscht und gestürzt. Ich hatte mir das Handgelenk gebrochen, und dann war es das erst einmal mit Sport. Da kam ich durch den Social-Media-Hype aufs Planking. Ich fing mit einer Minute an. Ein paar Monate später waren es zehn Minuten. Dann habe ich einfach weitergemacht. Und dann kamen die Liegestütze dazu.
Was haben Sie denn da so drauf?
Ich halte auch da den Weltrekord bei den Frauen. Ich schaffe 1575 in einer Stunde. Das macht mir Spaß, aber Planking, das liebe ich wirklich. Das gibt mir etwas. Als Lehrerin habe ich gelernt, Kinder zu ermutigen, nicht aufzugeben, auch wenn sie scheitern. Ich habe es selbst erlebt: Wenn man durchhält, kommt der Erfolg. Ganz sicher.
Weitere Folgen der Serie „Ein Anruf bei …“ finden Sie hier.
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