Fachgespräch zu Corona-Folgen im Landtag: Long Covid: Zu krank für die Schule

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Por Von Nina von Hardenberg — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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Fachgespräch zu Corona-Folgen im Landtag Long Covid: Zu krank für die Schule

14. Oktober 2026, 15:52 Uhr |

Lesezeit: 4 Min.

In der Kinderklinik Schwabing in München gibt es eine Station für Patienten mit Post Covid.
In der Kinderklinik Schwabing in München gibt es eine Station für Patienten mit Post Covid. Foto: Robert Haas

Zusammenfassung

  • Im bayerischen Landtag diskutierten Experten, wie Kinder mit Long Covid besser medizinisch und schulisch unterstützt werden können.
  • Betroffene Kinder können oft kaum zur Schule gehen, verlieren sozial den Anschluss und geraten laut Fachleuten ohne Perspektive ins Abseits.
  • Experten fordern mehr Flexibilität im Schulsystem, digitale Lernangebote und eine bessere Erfassung von Langzeitfehlzeiten an Schulen.

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Auch Jahre nach der Pandemie leiden einige Kinder und Jugendliche noch an Long Covid. Manche sind so krank, dass sie bis heute kaum oder gar nicht zur Schule gehen. Wie kann man ihnen helfen?

Von Nina von Hardenberg

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Sie sei seit 40 Jahren im Schuldienst, sagt Studienrätin Edeltraud Maninger, 30 davon arbeite sie schon beim Mobilen Sonderpädagogischer Dienst Oberpfalz. Von der gebrochenen Hand bis zum krebskranken Kind kümmere sie sich dort um alle möglichen körperlichen Einschränkungen, die Schüler haben können. Die Krankheiten seien teilweise schwer, die Kinder aber hätten früher trotzdem in der Regel ihre Schullaufbahn durchlaufen und beendet.

Diese Gewissheit sei nun dahin: „Was wir jetzt bei den Post-Covid-Kindern erleben, ist in vieler Hinsicht neu und macht auch viele ratlos.“ Die Krankheit sei extrem komplex und bei jedem Patienten völlig anders. Gemein sei aber vielen der langzeiterkrankten Kinder, dass ihre Schullaufbahn ins Stocken komme. „Diese Schüler geraten ins Abseits ohne Perspektive für ihr weiteres Leben“, sagt sie.

Ihre Kollegin vom Mobilen Sonderpädagogischer Dienst in Niederbayern, Kathrin Oßwald, kann ihr da nur zustimmen. Seit fünf Jahren berate sie nun Schüler mit Post Covid im System Schule. Kinder, die teilweise nur an drei Tagen die Woche jeweils für zwei Stunden zur Schule gehen, andere, für die selbst das zu viel ist, die nur zu Hause liegen. Sie berate die Kinder und Jugendlichen und ihre Familie zur Schulordnung. Kämpfe für Avatare, kleine Roboter, die für die Schüler in der Klasse sitzen oder für Notenschutz und Nachteilsausgleich. In den fünf Jahren habe sie nur ein oder zwei Kinder erlebt, die nach langer Zeit in die Schule zurückkehrten. Bei anderen verschlimmerten sich die Symptome. „Das sind Fälle, die mich teilweise sehr mitnehmen“, sagt Oßwald.

Wenn die Kinder zu schwach sind, um in die Schule zu gehen, muss die Schule zu ihnen kommen, fordern Experten.
Wenn die Kinder zu schwach sind, um in die Schule zu gehen, muss die Schule zu ihnen kommen, fordern Experten. Foto: Dmitrii Marchenko/Imago

Die Corona-Pandemie ist für die meisten Menschen ein Gespenst der Vergangenheit. Für einige wenige aber ist Corona nie vorbeigegangen. Sie leiden bis heute an den Folgen einer Covid-Infektion, dem sogenannten Long Covid, das in der Fachsprache auch Post Covid genannt wird. Die Symptome sind vielfältig. Menschen leiden etwa an ausgeprägter Erschöpfung, der sogenannten Fatigue, an Schlaf- und Konzentrationsstörungen, an Atemnot, Kopf- und Gliederschmerzen und Kreislaufproblemen. Bei Kindern wiegt die Krankheit besonders schwer, weil sie häufig nicht mehr regelmäßig zur Schule gehen können, dadurch sozial den Anschluss verlieren und in ihrer ganzen Entwicklung zurückgeworfen werden.

Wie kann man diesen Kindern besser helfen – medizinisch und vor allem auch schulisch? Das war das Thema eines Fachgesprächs im Gesundheitsausschuss des Bayerischen Landtags. Neben den Fachfrauen vom Mobilen Sonderpädagogischen Dienst hatten die Abgeordneten auch Ärztinnen wie die Leiterin des Münchner Chronische Fatigue Centrums für junge Menschen Uta Behrends und als Vertreterin der Betroffenen Magdalena Riepl eingeladen. Riepl hat selbst eine kranke Tochter und ist im Vorstand der Selbsthilfegruppe „Nicht Genesen Kids“, in der sich 1400 Familien vernetzt haben, deren Kinder an Post Covid oder ähnlichen Krankheiten leiden.

Die Ärztin Behrends wies in ihrer Stellungnahme darauf hin, dass die wissenschaftliche Evidenz zu Long Covid im Kindes- und Jugendalter weiterhin begrenzt sei. Die Kinder leiden, aber es gibt nach wie vor keine messbaren Anzeichen wie etwa konkrete Blutwerte, mit denen sich die Krankheit nachweisen lässt. Das erschwert die Diagnose. „Wir erleben aber, dass nichts passiert, wenn es keine feste Diagnose gibt.“ Vom Rollstuhl bis zum Schulattest, immer muss eine Diagnose her, selbst wenn es aus ärztlicher Sicht angemessener wäre mit einer Verdachtsdiagnose zu arbeiten.

Es gibt immer noch wenig Wissen um die Krankheit und ihren Verlauf. Das belastet die jungen Patienten und ihre Familien zusätzlich. Und es erschwert es, ihnen zu helfen. Ob ein Kind an der Schule teilnehmen kann oder nicht, lasse sich nicht langfristig planen, sagt Maninger vom Mobilen Sonderpädagogischen Dienst der Oberpfalz. Denn immer wieder kommt es vor, dass sich der Zustand auch wieder akut verschlechtere.

Was sich am dringlichsten ändern müsse, wollte der CSU-Politiker Peter Tomaschko von der betroffenen Mutter und Vorsitzenden des Selbsthilfevereins wissen. Riepl fällt dazu einiges ein – allerdings klingt es nach einem größeren bildungspolitischen Projekt. Sie würde sich wünschen, dass man nicht nur entweder aufs Gymnasium oder auf die Mittelschule gehen kann. Warum nicht in einem Fach, das dem Kind leicht fällt, auf dem Gymnasial-Niveau bleiben und ansonsten die Mittelschule besuchen. Grundsätzlich wünscht sich die Mutter für kranke Kinder viel mehr Flexibilität im Schulsystem.

Darin wird sie auch von den Experten unterstützt. Schulzeiten müssten bis aufs Maximale gestreckt werden dürfen, Schulen sollten jede jemals erbrachte Note anerkennen, auch wenn das Schuljahr insgesamt wiederholt werden müsse. Prüfungen sollten die gesundheitliche Situation berücksichtigen, fordert Maninger.

Experten fordern digitale Schulangebote, etwa Podcasts zur Prüfungsvorbereitung

Wenn das Kind zu krank ist, um in die Schule zu gehen, muss die Schule zum Kind kommen. Maninger fordert digitale, lehrplankonforme Angebote, etwa Podcasts zur Prüfungsvorbereitung. Präsenz-, Online- oder Heim-Unterricht sollte kombinierbar sein. Das verlangt von der Schule, den Schulpsychologen und allen anderen begleitenden Hilfsstrukturen enorm viel Flexibilität. Und letztlich mehr Mitarbeiter, so Maninger.

Ihr Mobiler Sozialpädagogischer Dienst betreue in der Oberpfalz über alle Schularten hinweg etwa 380 Schüler mit den unterschiedlichsten körperlichen Einschränkungen. Die Gruppe der Post-Covid-Patienten nehme sieben Prozent davon ein. „Diese sieben Prozent erfordern aber den Beratungsbedarf von vielleicht 50 Prozent“, so Maninger. „Wir brauchen eine Ressourcenstärkung vor Ort.“

Wie diese aussehen könnte, dazu hätte die SPD eine Idee. Schon mehrfach habe man dafür geworben, an den Schulen sogenannte School Nurses zu etablieren, sagte die Gesundheitspolitikerin Ruth Waldmann (SPD). „Das würde es auch Kindern und Jugendlichen mit anderen Erkrankungen oder Einschränkungen ermöglichen am Schulunterricht teilzunehmen und die Lehrkräfte entlasten.“ Die Idee traf in der Runde auf allgemeine Zustimmung. Ob sie allerdings finanzierbar wäre?

Einen vielleicht kostengünstigeren Wunsch äußert dagegen die Leiterin des Münchner Chronische Fatigue Centrums, Uta Behrends. Es gäbe keine Daten zu der Frage, wie viele Kinder aus welchem Grund in der Schule fehlten. Dies müsse dringend erfasst werden. Denn vieles deutet darauf hin, dass seit Corona die Zahl der Schüler, die über längere Zeiträume fehlen, steigt. „Es ist wirklich erschreckend, dass Kinder mitten in Deutschland verloren gehen können, wenn sie oft genug mit Attest entschuldigt wurden“, findet Behrends.

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Fonte: Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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