Deutsches Nationalteam: Klara Bühl schießt sich immer weiter in die höchsten Sphären

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Por Von Anna Dreher, Bremen — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

Lesezeit: 4 Min.

Beim 2:1 gegen Japan ragt Fußballerin Klara Bühl mal wieder heraus. Längst gehört sie zu den besten Spielerinnen der Welt – gerade rechtzeitig vor der Vergabe des Ballon d’Or.

Von Anna Dreher, Bremen

D ie Fußballerin Klara Bühl hat schon so viele Tore geschossen, wahrscheinlich kann sie sich gar nicht an alle erinnern. Allein für das deutsche Nationalteam sind es seit Dienstagabend 31 Treffer in 80 Länderspielen. Im Bremer Weserstadion erhielt ihre Sammlung ein neues Exemplar der sehenswerten Sorte. Sollte es jemals die Ausstellung „Bühls Buden“ geben, müsste allerdings ein torfreier Sonderbereich eingerichtet werden, auch für eine Szene aus der Partie nun gegen Japan, anhand derer das Werk der Ballkünstlerin erst vollumfänglich interpretiert werden kann.

Da rannte die Flügelspielerin dem Ball in der 57. Minute bis an die Grundlinie hinterher, hielt ihn im Spielfeld, indem sie ihn mit der Hacke stoppte, während sie über den Ball sprang. Statt in der Bande zu landen, drehte sie blitzschnell um, kam vor der heraneilenden Yuzuki Yamamoto wieder an den Ball und tunnelte die Japanerin dann auch noch. Als Bühl, eingehüllt in eine dicke Jacke, vom Platz kam und vor die Mikrofone trat, war sie eh schon bestens gelaunt, aber ihr Grinsen wurde noch breiter, als sie auf ebendiese Szene angesprochen wurde. „Ich muss sagen, die Situation bleibt selbst mir in Erinnerung“, sagte Bühl und schmunzelte. „Ich hoffe, ich finde das auf Social Media, damit ich das dann auch reposten kann.“

Beim 4:2 gegen Australien bringen sich neue Spielerinnen in den Fokus von Bundestrainer Wück. Insbesondere Melissa Kössler und Cora Zicai zeigen, dass sich die Hierarchie im Nationalteam bis zur WM noch verändern kann.

Bühl dürfte recht schnell fündig geworden und dabei nicht nur auf diese Szene gestoßen sein. Da wäre zum Beispiel noch ihre Vorlage zum 1:1 in der 28. Minute, als Bühl den Ball geschickt in den Lauf von Linda Dallmann passte. Oder ihr Beinahe-2:1 in der 40. Minute, als Bühl den linken Flügel entlangrannte, bevor sie im Strafraum nach innen abbog, dann ihre Gegnerin täuschte und nur knapp am rechten Pfosten vorbeizog. Nicht zu vergessen, die 66. Minute, als Bühl ihren typischen Haken schlug und den Ball zwischen zwei Gegnerinnen hindurch in den Strafraum zu Dallmann schleuste. Und natürlich ihr Tor zum 2:1 aus der 73. Minute, als die 25-Jährige mit viel Präzision und Power ins rechte untere Eck schoss und danach mit Armbewegungen die 26 574 Zuschauer anpeitschte, die ihretwegen ohnehin schon völlig aus dem Häuschen waren.

Bühl hatte Spaß an diesem Spiel gegen den Asienmeister, das war nicht zu übersehen. Und dann wird es immer unangenehm für all jene, die auf dem Platz nicht das gleiche Trikot tragen wie sie, weil Bühl dann kaum zu stoppen ist – weder bei ihren Läufen, noch in ihren Abschluss-Aktionen. Als hätte sie einen Akku, der keine Energie verliert. „Sie ist für mich eine Weltklassespielerin“, sagte Christian Wück auf der Pressekonferenz. „Ich kenne keinen Fußballspieler, der so beidfüßig ist wie sie.“ Und in diesem Fall meinte der Bundestrainer das explizit so: keinen männlichen Profi. Schnell, zweikampfstark, dazu einen unheimlichen Willen gegen den Ball listete Wück noch als Bühls Stärken auf. Außerdem: „Sie ist eine Frohnatur und unheimlich wichtig für die Chemie im Team.“

Wenn zu einer deutschen Nationalspielerin gerade das Label „Unterschiedsspielerin“ passt, dann ist es Klara Bühl. Beim 4:2 gegen Australien mag sie für ihre Verhältnisse weniger im Fokus gestanden haben, gegen Japan dafür umso mehr. Ihr Hoch erreicht in dieser Form derzeit keine andere DFB-Spielerin. Womöglich wird das auch bei der Vergabe des Ballon d’Or am 26. Oktober gewürdigt, der wichtigsten individuellen Auszeichnung dieses Sports. Aus der Bundesliga sind vom FC Bayern noch die Dänin Pernille Harder sowie Japans Momoko Tanikawa nominiert, die in Bremen das 1:0 erzielte. Bühl ist geschlechterübergreifend die einzige Nominierte aus Deutschland. Weltweit wird sie als drittteuerste Fußballerin gehandelt, ihr Abschied zum Champions-League-Sieger FC Barcelona war schon einmal sehr nahe, und dass sie München nach dieser Saison verlässt, gilt als wahrscheinlich, wohin auch immer. Für den Doublesieger wäre das ein herber Verlust.

Bühl selbst erkannte schon an, dass ihre Leistung an diesem Abend nicht schlecht war. Aber eine Zehn von Zehn wollte sie sich keinesfalls geben. „Da reden wir ja von einem perfekten Spiel, das gibt es im Fußball sowieso nicht.“ Also rang sie sich nach der Partie durch auf „eine 7, 7,5 – so was“. Was wiederum den Bundestrainer freute, weil es von Vorteil für ihn ist, wenn eine Spielerin noch Luft nach oben sieht, und auch von der Mannschaft das volle Engagement fordert. Deren Leistung wertete Bühl nach den intensiven wie unterhaltsamen Partien gegen physisch starke Australierinnen und wendige Japanerinnen zwischen 6,5 und 7. Die Spielerinnen hätten sich in Bremen noch mehr gecoacht, der Ball lief flüssiger durch die Reihen, das gefiel Bühl. „Dieses Spiel hat gezeigt, dass wir wirklich einen Schritt nach vorne gemacht haben“, fand sie. „Ich hatte das Gefühl, dass sich jede Spielerin noch mal wohler auf dem Platz fühlt, noch mal vertrauter ist mit allem.“

Eine, der dieser Wohlfühlfaktor auch deutlich anzumerken war, ist ihre Klubkollegin beim FC Bayern, Linda Dallmann. Mit 79 Einsätzen zählt sie zu jenen Spielerinnen, deren Erfahrung dieser jungen Gruppe Sicherheit gibt. Die 32-Jährige prägte beide Auftritte im offensiven Mittelfeld auf der Zehn, sie war an vielen Spielzügen beteiligt, setzte immer wieder Impulse, bereitete Tore vor, traf selbst und hätte öfter treffen können. Ohne den großen Schatten von Bühl hätte sie mehr Scheinwerferlicht abbekommen, insbesondere für die Kreativität der DFB-Frauen ist sie entscheidend. Und vor allem gegen Japan hat sich gezeigt, dass das Team gefährlicher, besser auftritt, wenn Bühl und Dallmann voll aufdrehen, wenn beide in den Strafraum losziehen.

Das Potenzial, an das auch Bühl gedacht haben wird, steckt allerdings auch in der Verteidigung. Gegen Australien hatte die Defensive bisweilen Probleme, und auch gegen Japan ging in der Schlussphase die Kontrolle verloren, was beide Gegner zu Angriffen einlud und die Partien noch mal spannend machte. Ungünstige Entscheidungen und Positionierungen waren auch dem Bundestrainer aufgefallen. „Aber ich glaube, vor einem halben Jahr, vor einem Dreivierteljahr, hätten wir so ein Spiel noch nicht gedreht“, sagte Wück. „Wenn eine sich mal nicht an irgendwas halten sollte, dann kommt mittlerweile von der Mannschaft selbst ein Signal, dass da was schiefläuft. Und das ist definitiv der richtige Weg.“ Der 53-Jährige war geradezu begeistert: „Was die Mädels heute auf dem Platz gelassen haben, war schon außergewöhnlich.“

Wie stabil das alles ist, soll im November bei zwei Partien in Südamerika getestet werden. Dort findet 2027 die Weltmeisterschaft in Brasilien statt. Und wie stabil das Selbstvertrauen im deutschen Team gerade ist, fasste zum Abschied Jule Brand am deutlichsten in einen Satz: „Mit der Mannschaft ist es möglich, auch Weltmeister zu werden. Das traue ich uns zu.“

Ann-Katrin Berger ist gesetzt als Nummer eins der DFB-Frauen, fehlt jedoch in den nächsten Länderspielen. Diese seltene Chance will Bayerns Torhüterin Ena Mahmutovic nutzen.

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