Berlin und der Döner: Nicht reinbeißen, könnte scheußlich schmecken
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- Ein Wachs-Döner und ein Wasser mit Kebab-Geschmack: Grotesker Döner-Fimmel in Berlin
Berlin und der Döner Nicht reinbeißen, könnte scheußlich schmecken
8. Oktober 2026, 18:10 Uhr |
Lesezeit: 2 Min.

In Berlin gibt es jetzt einen Wachs-Kebab bei Madame Tussauds und ein Getränk mit Fleisch-Gemüse-Zwiebel-Aroma. Könnte es sein, dass der Döner-Fimmel in der Hauptstadt allmählich groteske Züge annimmt?
Von Constanze von Bullion, Berlin
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„Schön“, sagt Tarik Kara, als er das Gebilde sieht. „Er glänzt.“ Es klingt ein bisschen ratlos. Denn was soll ein Imbissbudeninhaber schon sagen zu diesem Objekt, das am Donnerstag in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett in Berlin enthüllt worden ist: ein Döner Kebab aus Wachs, angeblich der weltweit erste. Zwei Brotdeckel mit einem Haufen Fleisch und Salat sind da zu besichtigen, hergestellt nicht zum Verzehr, sondern aus Paraffin und Farbe. „Es sieht nur so aus, als wie wenn es schmecken würde“, warnt ein Moderator, als es losgeht. Er interviewt sonst gern mal Schlagerstars und bittet die versammelte Hauptstadtpresse, nicht gleich reinzubeißen in das Ding.
Berlin, berühmt für unbekümmerten Wahnsinn, für erfolglos Regierende, Ganoven vor Gericht und Gerümpel auf der Straße, hat eine neue Plage: den Döner-Fimmel. Es gibt ihn eigentlich nicht. Aber es sollte ihn geben, finden Firmen, schon der Kundengewinnung wegen. Also haben sie den Döner-Fimmel erfunden. Alle paar Wochen werden jetzt in der Hauptstadt Gratis-Kebabs verteilt, um für irgendein Anliegen zu werben. Und jetzt also: der Döner im Wachsfigurenkabinett.
400 000 Döner würden täglich in Berlin verspeist, ist bei Madame Tussauds zu hören, als feierlich der Kebab aus Wachs präsentiert wird. 250 Berliner Fleischbetriebe produzierten 80 Prozent der Döner-Drehspieße in ganz Europa, sagt der Moderator. „Es ist wirklich verrückt, Freunde, es ist verrückt.“ Für 20 000 Euro habe das Wachsfigurenkabinett, Abteilung Berlin Vibes, deshalb eine Dönerbude mit digital animiertem Drehspieß gebaut. Auf dem Tresen: ein glänzender Kebab, für den ein echter Döner Modell gestanden haben soll. Salatblatt um Salatblatt sei er zerlegt, dann eingefroren, per Abdruck in Wachs umgeformt und neu zusammengebaut worden.

Zur Präsentation des Objekts hat man sich dann auch den Mann eingeladen, der damals die Döner-Vorlage fabriziert hat: Tarik Kara, ein etwas schüchterner kleiner Herr. Er gehört zu Berlins erfolgreichen Unternehmern. Seit ein Journalist der New York Times über seinen Gemüse-Kebab geschrieben hat, steht die Kundenschlange vor seinem Kreuzberger Imbiss in keinem Verhältnis mehr zur Qualität des Verkauften. Warten gehört hier wohl zum Erlebnis. „Es ist verrückt“, sagt Kara. „Wir haben ja nichts Besonderes geleistet.“
Berlin, das ist eben Ehrlichkeit pur. Und notfalls wird auch mal Ungenießbares als lokale Spezialität serviert. In der Gipsstraße zum Beispiel im Bezirk Mitte lädt am Mittwoch ein Restaurant zum After Wort Rave. Hier gibt es den Kebab zu 13,50 Euro, und hier wird an diesem Abend das neue „Kebab-Wasser“ vorgestellt, abgefüllt in kleinen Limonadenflaschen.

Ein bekanntes Fuhr- und Lieferunternehmen wirbt für den Stoff. Er soll „gemeinsam mit Wissenschaftlern einer Universität in Tallinn“ entwickelt worden sein und zwei Berliner Leidenschaften vereinen: Dönergeschmack und die Neigung zur Dehydrierung nach durchfeierter Nacht. Da könnte ja jeder mal etwas Flüssigkeit vertragen.
Nur dass das neuartige Getränk eben weder in Deutschland noch in Estland Marktreife erlangt hat, was am Geschmack liegen könnte: eine Mischung aus Salz, Knoblauch und etwas muffigem Fleisch-Aroma. Auch Restaurantinhaber Deniz Buchholz aus der Gipsstraße hat noch etwas Mühe, den Dönergeschmack im „Kebab-Wasser“ zu entdecken. „Ich würde eher sagen: wie saures Gurkenwasser“, sagt er. „Einen Döner habe ich da nicht rausgeschmeckt, zumindest keinen guten.“ Drinnen im Laden werden inzwischen Gratis-Kebabs verteilt. Die Zahl der Gäste ist überschaubar, und trinken mag hier sowieso kaum jemand. „Fürchterlich“, sagt ein Gast über die neue Werbelimonade. „Brutal scheiße“, findet ein anderer. „Wie Wasser aus der Ostsee“, sagt ein dritter. Sie haben das Zeug sofort stehen gelassen.
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