Derry Scherhant im DFB-Team: Wahnsinnige Schritte nach oben

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Derry Scherhant im DFB-Team Wahnsinnige Schritte nach oben

5. Oktober 2026, 11:19 Uhr |

Lesezeit: 2 Min.

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„On fire“: Ein ums andere Mal entwischte Derry Scherhant seinem Gegenspieler Manolis Saliakas.
„On fire“: Ein ums andere Mal entwischte Derry Scherhant seinem Gegenspieler Manolis Saliakas. J. Derondeau/Eibner/Imago

Bis zur U19 sah es für Derry Scherhant nicht nach einer Profi-Karriere aus. Jetzt ist er mit 23 Jahren plötzlich Nationalspieler – und Jürgen Klopp dürfte seine Fähigkeiten erkannt haben.

Von Philipp Selldorf

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D ie Corona-Zeit, das wollte Derry Scherhant anstandshalber auf gar keinen Fall unerwähnt lassen, sei „natürlich eine sehr schwere Zeit für alle“ gewesen. Aber die Wirren der Corona-Zeit haben ihm halt auch sein persönliches Glück beschert: Wo wäre er ohne sie gelandet? Vermutlich nicht dort, wo er Sonntagnacht um ein Uhr Ortszeit Auskunft über seinen Werdegang gab: im Toumba-Stadion in Thessaloniki, nach seinem zweiten Länderspieleinsatz. „Jetzt stehe ich hier, sechs Jahre später, und durfte für die deutsche Nationalmannschaft spielen – es ist wirklich unfassbar“, sagte Scherhant, 23.

Ein Sonderreglement aufgrund der Umstände des Corona-Regimes hatte ihm am 1. Oktober 2020 den Wechsel aus der U19 des Berliner SC in die U19 von Hertha BSC ermöglicht. Und das war genau der Schritt, der ihn zur richtigen Zeit an den richtigen Ort beförderte, um in seinem Fußballerleben entscheidend weiterzukommen. Der Wunsch, Profi zu werden, hatte bis dahin noch keine Gestalt angenommen.

„Es ist schon sehr verrückt, wenn ich so zurückblicke, wo ich herkomme“, erinnerte er sich in der griechischen Nacht, nachdem ihm gerade alle Welt zu seinem außergewöhnlichen Auftritt gratuliert hatte. „Ich habe mit 17 bei Viktoria Berlin gespielt, und dort nicht viel gespielt. In der U19 bin ich zu Tennis Borussia gewechselt, auch da nicht viel gespielt. Die Uhr hat getickt“, so erzählte Scherhant, wie ihm damals der Einstieg in den Profi-Fußball immer unwahrscheinlicher erschien: „Das war alles sehr, sehr weit weg.“

„Das ist alles noch nicht ganz realisierbar für mich“, sagt Scherhant

Scherhants griechischer Gegenspieler Manolis Saliakas – bis zum Sommer vier Jahre beim FC St. Pauli beschäftigt – kann jetzt bestätigen, dass es doch noch etwas geworden ist mit dem Karrieretraum. Der deutsche Linksaußen rannte so oft mit hohem Tempo und verwirrenden Finten auf ihn zu, dass Saliakas sich vermutlich öfter mal einen vollständigen Stromausfall wünschte. Wofür reelle Chancen bestanden: Das vormoderne Toumba-Stadion, Heimat von Paok Thessaloniki, könnte dem Anschein nach dem spätrömisch-byzantinischen Weltkulturerbe angehören, das die Unesco in der Stadt ausgewiesen hat. An diesem quasi historischen Ort zu stehen, dafür sei er „sehr dankbar“, sagte Scherhant. Allein dass er überhaupt zu Jürgen Klopps Großraumkader zählen durfte, „das ist alles noch nicht ganz realisierbar für mich, ich muss das die nächsten Tage noch mal Revue passieren lassen“, stellte der Freiburger fest.

Aus der Heimatstadt Berlin ist Scherhant im Sommer vor 15 Monaten ins badische Land umgezogen. Der Klubkollege Philipp Treu war der geeignete Augenzeuge, um zu berichten, wie sich Scherhant zuletzt beim Sportclub vom Einwechsel- zum Nationalspieler entwickelt hat. „In seiner Stärke, im Eins-gegen-eins, war er heute on fire – so wie die ganzen letzten Wochen“, lobte Treu. Aber der eigentliche Lernerfolg in der ganzheitlichen Freiburger Fußballschule sei etwas anderes: „Seine Defensivarbeit. Da hat er einen Wahnsinnsschritt gemacht, seit er nach Freiburg gekommen ist. Ich glaub’, das sehen immer nicht ganz so viele.“

Jürgen Klopp dürfte es erkannt haben. Ein Wiedersehen mit dem Bundestrainer wollte nun auch der von seinem Glück überwältigte Derry Scherhant nicht mehr ausschließen: „Das wird sich zeigen“, sagte er, „ich hoffe sehr.“

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