Auf dem Weg nach Tel Aviv: Wie Flug „FZ1073“ nur knapp der Katastrophe entkam
Por Von Kristiana Ludwig, Tel Aviv — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
Auf dem Weg nach Tel Aviv Wie Flug „FZ1073“ nur knapp der Katastrophe entkam
30. September 2026, 22:47 Uhr |
Lesezeit: 3 Min.
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Zusammenfassung
- Ein Pilot soll auf seinen Kollegen eingestochen haben und versucht haben, die Bordgeräte zu beschädigen – Passagiere überwältigten den Angreifer und verhinderten so wohl eine Katastrophe.
- Die Boeing 737 MAX 8 mit 174 Passagieren an Bord landete notfallmäßig im saudi-arabischen Tabuk; am Abend trafen sämtliche Passagiere in Tel Aviv ein.
- Israels Regierung spricht von einem dschihadistischen Terroranschlag; Saudi-Arabien ermittelt noch, eine offizielle Bestätigung steht aus.
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Gut 180 Passagiere eines Flydubai-Flugs nach Tel Aviv sind wohl gerade so einer Entführung entgangen. Videos zeigen Verletzte an Bord und die Angst der Passagiere. Israels Regierung spricht von Terror. In Saudi-Arabien, wo die Maschine notlandete, wird noch ermittelt.
Von Kristiana Ludwig, Tel Aviv
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W as am Mittwochvormittag an Bord des Fluges FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv passiert ist, das lassen mittlerweile Videos von Passagieren erahnen, die in den sozialen Medien kursieren. Auf einer Aufnahme sind zwei Männer zu sehen, die blutverschmiert am Boden des Flugzeugs liegen. Ihnen wurden Sauerstoffmasken angelegt, jemand misst einem von ihnen den Puls. „Nicht einschlafen“, sagt er zu dem Verletzten. Ein anderer Passagier sagt: „Wir wurden angegriffen und wir bewachen den Piloten.“
Nach Angaben des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu hatte einer der Piloten zuvor mit einem Messer auf seinen Kollegen eingestochen. Die israelische Regierung geht von einem Anschlagsversuch aus. Auf der Plattform Flightradar ist nachzuvollziehen, wie die Boeing 737 MAX 8 kurz vor der jordanischen Grenze vom Kurs abkam. In einem weiteren Video, das offenbar von einer Passagierin aufgenommen wurde, sind Schreie zu hören. „Was ist los?“, ruft die Frau immer wieder auf Hebräisch, offensichtlich in Angst.
Angreifer mit Kopfhörern gefesselt
Netanjahu sagte, ein Passagier habe ihm bei einem Telefongespräch geschildert, wie das Flugzeug zu trudeln angefangen habe und in einen Sturzflug geraten sei. Gemeinsam mit einem Besatzungsmitglied sei es dem Passagier der Schilderung nach gelungen, in das Cockpit vorzudringen. Gemeinsam hätten sie den Angreifer gestoppt. Dieser habe versucht, die Bordgeräte zu beschädigen. Der israelische Sender Kan sprach mit dem Passagier Tzvika Manes. Er sei einer der Passagiere gewesen, die den Co-Piloten überwältigten: „Meine jüngere Tochter war auf der Toilette, und meine Frau hörte Geräusche aus dem Cockpit“, berichtete er. Ein Mann sei hineingegangen und habe gesehen, wie auf den Piloten eingestochen worden sei. Er und zwei andere Männer hätten sich „mit aller Kraft auf ihn gestürzt und ihn mit den Kopfhörern gefesselt. So haben wir ihn überwältigt.“
Zwei oder drei Minuten lang, sagte ein weiterer Passagier dem israelischen Kanal 12, sei das Flugzeug einfach gesunken – „es hat sich wie verrückt gedreht“. Er habe geglaubt, der Anschlag vom 11. September 2001 wiederhole sich. Dann aber habe sich der Flug stabilisiert. Berichten zufolge sind zwei Piloten in zivil an Bord gewesen, die das Steuer übernommen haben und das Flugzeug schließlich im saudi-arabischen Tabuk notlandeten.
174 Passagiere waren an Bord des Fluges der Airline Flydubai, darunter 27 Kinder. Fast alle waren Israelis. Am Abend seien sämtliche Passagiere schließlich in Tel Aviv eingetroffen, sagte ein Sprecher des israelischen Rettungsdienstes Magen David Adom der SZ. Nur einer von ihnen sei mit einer Brustverletzung in ein Krankenhaus gebracht worden, drei weitere seien leicht verletzt gewesen. Man habe alle Passagiere nach ihrer Ankunft untersucht, einige von ihnen seien am Flughafen auch befragt worden.
Der israelische Zahnarzt Dr. Shota Musayev, der nach seiner Ankunft auch mit der Times of Israel sprach, sagte, er sei einer der Passagiere gewesen, die ins Cockpit eilten, als er merkte, dass im Flugzeug etwas nicht stimmte. „Als ich ins Cockpit kam, war der Pilot in einem wirklich schlechten Zustand und blutete stark, vor allem am Kopf“, zitiert ihn die Zeitung: „Ich war der einzige Arzt im Flugzeug, und schließlich gelang es mir, die Blutung zu stillen.“ Es habe nicht viel gefehlt, dann sei der Flug in einem Desaster geendet.
Angreifer wird in Saudi-Arabien verhört
Doch ob es sich bei dem Vorfall um einen Entführungsversuch oder einen vereitelten Terroranschlag gehandelt hat, dafür gibt es noch keine offizielle Bestätigung. Die beiden verletzten Piloten befinden sich Berichten zufolge in Saudi-Arabien in einem Krankenhaus. Dort werde der Vorfall nun von dem Nationalen Transportsicherheitszentrum untersucht, heißt es in arabischen Medien. Zuvor war berichtet worden, die Maschine habe zunächst den Code 7700 abgesetzt, der auf eine Notlage hinweist, und anschließend den Code 7500, der zur Meldung einer Flugzeugentführung verwendet wird. Flydubai bestätigte eine Auseinandersetzung im Cockpit von Flug FZ1073, nannte aber keine weiteren Details.
In Israel hatten die Geschehnisse dagegen offenbar am Morgen dafür gesorgt, dass Kampfflugzeuge aufgestiegen waren. Dies berichteten israelische Medien und beriefen sich auf Sicherheitskreise. Verteidigungsminister Israel Katz sprach später von einem „Versuch eines dschihadistischen Anschlags“, der Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, von einem „Terroristen“, der die Passagiere habe ermorden wollen. Netanjahu erklärte, der Angreifer sei festgenommen und werde gegenwärtig von den saudischen Sicherheitsbehörden befragt. Er habe die israelischen Sicherheitskräfte angewiesen, sich auf „potenzielle weitere Bedrohungen einzustellen“.
Im israelischen Fernsehen wurde ein Pilot aus dem Oman interviewt, der angab, den Angreifer gekannt zu haben. Der Mann habe tagsüber viel gebetet und Frauen nicht die Hand gegeben, sagte er, und sei demnach offenbar ein religiöser Extremist gewesen.
Am Abend äußerte sich der deutsche Außenminister Johann Wadephul erleichtert über den Ausgang des gewaltsamen Vorfalls. Er sprach von einer „versuchten Entführung“ und sagte, er sei „zutiefst erleichtert“, dass „womöglich noch weit Schlimmeres verhindert werden konnte“. Es habe sich um einen schweren Angriff auf die zivile Luftfahrt gehandelt. Nun müssten die Hintergründe schnell und vollständig aufgeklärt werden.
Netanjahu empfing am Abend den Passagier Yaniv Hayoun, der ihm mit einem blutverschmierten T-Shirt entgegentrat. In einem auf der Plattform X veröffentlichten Video nahm er ihn in den Arm, dankte ihm und sprach von einer „Nation der Löwen“. Er dankte außerdem dem indischen Piloten Captain Smit Machchhar für seine „außergewöhnliche Tapferkeit“: Obwohl er niedergestochen und schwer verletzt worden sei, habe er sich gewehrt und die Cockpit-Tür geöffnet. So habe er es den Passagieren und der Besatzung ermöglicht, den Angreifer zu überwältigen – und eine Katastrophe verhindert.
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