Queeres Event auf dem Oktoberfest: „Jeder, der hier ist, setzt ein Statement“

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Queeres Event auf dem Oktoberfest „Jeder, der hier ist, setzt ein Statement“

21. September 2026, 16:31 Uhr |

Lesezeit: 4 Min.

Leila El-Dwaik und Clara Marshall (vorne links und rechts) haben schon nette Tischnachbarinnen kennengelernt. Sie sind jedenfalls froh, ausnahmsweise mal nicht von Männern umgeben zu sein.
Leila El-Dwaik und Clara Marshall (vorne links und rechts) haben schon nette Tischnachbarinnen kennengelernt. Sie sind jedenfalls froh, ausnahmsweise mal nicht von Männern umgeben zu sein. Foto: Robert Haas

Zusammenfassung

  • Mit „Bier, Boobs, Brezn“ findet erstmals in der 191-jährigen Oktoberfest-Geschichte ein Event speziell für queere Frauen und FLINTA-Personen statt.
  • Die Veranstaltung am Rosa Montag in der Bräurosl ist bewusst politisch und setzt laut Organisatorinnen ein Statement gegen den Rechtsruck.
  • Etwa 800 Menschen feierten bei der Premiere, nachdem ursprünglich nur 170 Anfragen vorgelegen hatten, aber zuletzt über 1000 Interessierte da waren.

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Mit „Bier, Boobs, Brezn“ gibt es jetzt ein Event für Lesben auf dem Oktoberfest. Die Premiere ist eine Gaudi – aber auch hochpolitisch. Das zeigt nicht zuletzt das Sicherheitskonzept.

Von Jacqueline Lang

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D as gab es in der 191-jährigen Geschichte des Oktoberfests so noch nie: Am Montagmittag feiern im Mittelschiff der Bräurosl direkt vor der Bühne mehrere Hundert Menschen, die sich auf die eine oder andere Weise dem Akronym FLINTA zuzählen: vor allem Frauen und Lesben, aber auch intergeschlechtliche, non-binäre, trans und agender Menschen. Das Motto, das für das bislang einmalige Event ausgerufen wurde, lautet deshalb standesgemäß: „Bier, Boobs, Brezn“ oder, wie später beim Anzapfen auf der Bühne auf einem riesigen Lebkuchenherz zu lesen ist: „Boobs for president“.

Organisiert haben das neue queere Wiesn-Event Sina Scherer und Silke Völling von der Partyreihe „Lost Girls“ sowie Ricarda Hofmann vom Podcast „Busenfreundin“. Ihnen hat eine solche Veranstaltung bislang gefehlt. Denn klar, es gibt bereits seit 1977 den Gay Sunday, der traditionell am ersten Wiesnsonntag ebenfalls in der Bräurosl stattfindet. Aber dort feiern hauptsächlich schwule Männer. Frauen und Lesben jeden Alters, sagt Scherer, die seien dort über die Jahre immer seltener geworden. Die Gründe dafür sind laut Hofmann und den anderen vielfältig, aber eines steht für sie fest: „Queere Frauen feiern anders“, ein wenig leiser vielleicht, mit etwas weniger Alkohol. Deswegen gibt es jetzt ihr Event – am ebenfalls neuen Rosa Montag.

Womöglich, antwortet Scherer zur Frage nach den Gründen noch, liege es auch am Geld: Frauen arbeiteten häufig in Berufen, in denen sie weniger verdienen. Wofür sie ihr Geld ausgeben, überlegen sie sich dann genau. Vielleicht gibt es deshalb auch derzeit keine Bars mehr für Lesben; die Events von Scherer und Völling sind einer der wenigen Räume, die es in München für FLINTA aktuell gibt. Sie sind nun angetreten, das zu ändern – an einem Ort, der für diese Stadt steht wie kein zweiter: die Wiesn.

Und noch einen Grund für den Rosa Montag in der Bräurosl gibt es aus Sicht von Hofmann: den Rechtsruck. „Jeder, der hier ist, setzt ein Statement“, sagt die Podcasterin und Comedy-Autorin mit Blick auf die etwa 800 Menschen, die ihrem Aufruf gefolgt sind. So eine queere Veranstaltung ist bei aller Gaudi deshalb auch immer hochpolitisch. Das zeigt nicht zuletzt das Sicherheitskonzept. Laut Scherer sind unter den Frauen auch Polizistinnen in Zivil, zudem seien die Bedienungen vorab gebrieft worden, und sogar für die Bands auf der Bühne habe es eine Ansage gegeben: der Song „Layla“, den die Organisatorinnen frauenverachtend finden, soll zumindest an diesem Montagmittag nicht angestimmt werden.

Das Wirtspaar Franziska und Peter Reichert mit den Veranstalterinnen Sina Scherer, Ricarda Hofmann und Silke Völling sowie der Zweiten Bürgermeisterin Mona Fuchs.
Das Wirtspaar Franziska und Peter Reichert mit den Veranstalterinnen Sina Scherer, Ricarda Hofmann und Silke Völling sowie der Zweiten Bürgermeisterin Mona Fuchs. Foto: Robert Haas
Martin Korinth vom Münchner Löwen Club sitzt an diesem Tag mit Vereinsmitgliedern in einer Box, einen Austausch mit den Veranstalterinnen des Rosa Montags Sina Scherer und Silke Völling aber gibt es.
Martin Korinth vom Münchner Löwen Club sitzt an diesem Tag mit Vereinsmitgliedern in einer Box, einen Austausch mit den Veranstalterinnen des Rosa Montags Sina Scherer und Silke Völling aber gibt es. Foto: Robert Haas

Und politisch ist auch, wer an diesem Montagmittag das Holzfass mit geübten drei Schlägen anzapft: die Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne). Nachdem der neue grüne Oberbürgermeister Dominik Krause vor ein paar Jahren schon mal das Fass beim Gay Sunday angezapft habe, sei schnell klar gewesen, dass seine Stellvertreterin, selbst wie Krause Teil der queeren Community, für das Event an diesem Montag im Sinne der Liberalitas Bavariae die beste Wahl ist. Die ruft sodann nach dem Anstich: „Auf a queere Wiesn!“ Das Zelt tobt. Und noch einmal, als Wirt Peter Reichert ruft: „Wir hissen eure Flagge.“ Er meint: die Regenbogenflagge.

Peter und Franziska Reichert haben die Bräurosl 2020 übernommen, den Gay Sunday gab es da längst. Ob jemals zur Debatte stand, diese Tradition nicht weiterzuführen? Nie, sagt die Wirtin. An diesem Tag und nun auch am Rosa Montag würden „das Leben und die Liebe gefeiert“, was könnte es Schöneres geben. Der Rosa Sonntag, an dem vor allem schwule Männer das Zelt füllen, sei für sie seit jeher ein ganz besonderes Event.

Die Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne) zapft das Fass an.
Die Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne) zapft das Fass an. Foto: Robert Haas
Franziska Reichert hisst, wie schon am Gay Sunday, die Regenbogenfahne, ein Symbol der queeren Community.
Franziska Reichert hisst, wie schon am Gay Sunday, die Regenbogenfahne, ein Symbol der queeren Community. Foto: Robert Haas

Aber sie, die sich als Frauenunterstützerin versteht, freut sich, dass es nun auch einen Tag für queere Frauen in ihrem Zelt gibt – zumal bei solch einer gelungenen Premiere: „Das muss man erst mal nachmachen“, sagt sie mit Blick auf die vielen Feiernden. Und tatsächlich: War zu Beginn noch von 170 Plätzen die Rede, gab es zuletzt mehr als 1000 Anfragen. Scherers Ziel, in ein paar Jahren am ersten Wiesnmontag das Zelt mit FLINTA zu füllen, dürfte damit nichts im Wege stehen.

Erst recht nicht, wenn man Menschen wie Franziska Zacher und Johanna Schilcher fragt. Zacher etwa, die sich als queer oder bisexuell beschreiben würde, ist zwar generell ein großer Wiesn-Fan, aber so ein Tag inmitten der Community „fühlt sich schon anders an“. Ihr und Schilcher bedeutete es viel zu sehen, dass „wir viele sind“. Einmal keine Minderheit sein, nicht unsichtbar, das macht etwas mit den beiden. Dazu eine Mass und ein vegetarisches Brotzeitbrettl, was will man mehr?

Ähnlich sehen das Leila El-Dwaik, Lucy Komisel und Clara Marshall, die eine Reihe weiter sitzen. Auch den drei Frauen geht es um die Gemeinschaft – und auch sie sind froh, mal nicht von Männern umgeben zu sein, erst recht nicht von betrunkenen. Die seien nämlich „schwierig“, findet El-Dwaik – und dabei sei im Übrigen ganz egal, ob homo- oder heterosexuell.

Zum Schluss trotzdem die Frage an die Männer: Wie finden sie die neue Veranstaltung? Der Rosa Montag sei eine „schöne Weiterentwicklung“ sagt Martin Korinth vom Münchner Löwen Club, mit dem einst der Rosa Sonntag seinen Anfang nahm. Erfahren hat er von dem Event „Bier, Boobs, Brezn“ zwar erst aus der Zeitung, hat dann aber gleich den Kontakt zu Scherer gesucht. Denn auch wenn an diesem Tag in der Bräurosl getrennt voneinander gefeiert wird – Korinth sitzt mit ein paar Vereinsmitgliedern in einer der umliegenden Boxen –, was sie eint, ist doch das Bedürfnis nach Räumen für queere Menschen. Je mehr es davon gibt, umso besser.

Einen Überblick über alle queeren Events auf der Wiesn – nicht nur in der Bräurosl – finden Interessierte hier.

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Interview von Jacqueline Lang

Fonte: Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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