Malaria in Frankfurt: „Diese Fälle sind aufsehenerregend“

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Malaria in Frankfurt „Diese Fälle sind aufsehenerregend“

17. September 2026, 14:05 Uhr |

Lesezeit: 3 Min.

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Eine weibliche Anopheles-Mücke.
Eine weibliche Anopheles-Mücke. James Gathany/James Gathany/AP/dpa

Sechs Beschäftigte des Frankfurter Flughafens sind an Malaria erkrankt – und nun auch zwei Menschen aus dem nahe gelegenen Stadtteil Schwanheim. Wie es zu den Übertragungen gekommen sein könnte und wie man sich schützen kann.

Von Berit Uhlmann

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I m Umfeld des Frankfurter Flughafens sind in diesem Jahr acht Menschen an Malaria erkrankt. Das Gesundheitsamt der Stadt rät nun den Einwohnern zum Mückenschutz. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Fällen.

Was ist passiert?

Bereits im Juli und August erkrankten sechs Mitarbeiter des Frankfurter Flughafens an Malaria, zwei von ihnen starben. Nun haben sich zwei weitere Menschen im Frankfurter Stadtteil Schwanheim infiziert, sagte der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts Peter Tinnemann der SZ. Schwanheim liegt ungefähr fünf Kilometer vom Flughafen entfernt. Die Patienten werden derzeit stationär behandelt. Beide sollen sich zuvor weder am Flughafen noch in einem Land aufgehalten haben, in dem die Malaria heimisch ist. Ob es eine Verbindung zu den vorangegangenen Fällen gibt, werde noch geprüft.

„Wir vermuten, dass die Malaria-Erreger in all diesen Fällen durch eingeschleppte Mücken übertragen wurden“, sagt Tinnemann. Möglich sei, dass die Insekten vom Flughafen nach Schwanheim geflogen sind. „Sie können bis zu zehn Kilometer weit fliegen“, sagt der Mediziner. Denkbar ist auch, dass die Insekten in einem Bus oder Auto mitreisten oder im Gepäck eines Reiserückkehrers nach Schwanheim gelangten. Auch Peter Kremsner, Tropenmediziner an der Universität Tübingen, geht davon aus, dass die Übertragungen durch eingeschleppte Mücken erfolgten.

Die Malaria-Erreger werden mit dem Stich einer weiblichen Stechmücke der Gattung Anopheles übertragen. Es gebe allerdings auch in Deutschland Anopheles-Mücken, sagt Kremsner. Sie könnten in seltenen Fällen ebenfalls Malaria-Erreger übertragen. Deshalb könne man nicht ausschließen, dass heimische Mücken den Erreger von einem Infizierten aus einem Malaria-Gebiet auf einen Frankfurter Einwohner weitergegeben haben.

Wie oft reisen Malariamücken in Flugzeugen?

Ein Überblicksartikel der europäischen Seuchenschutzbehörde ECDC identifizierte zwischen 1969 und 2024 europaweit 145 Malariafälle, die auf eine per Flugzeug eingeschleppte Mücke zurückgingen. 105 dieser Fälle wurden als so genannte Flughafen-Malaria klassifiziert. Das heißt, eine Mücke ist irgendwo im Flieger mitgereist und hat anschließend die Erreger auf einen Menschen am oder nahe dem Flughafen übertragen. Die Erkrankten arbeiteten entweder auf einem Flughafen oder im Mittel 4,3 Kilometer davon entfernt.

32 Fälle ordneten die Autoren als Gepäckmalaria ein. Bei ihr wird die Mücke in einem Fracht- oder Gepäckstück transportiert und kann darin auch nach der Landung noch weitere Strecken zurücklegen. Übertragungen sind dem Artikel zufolge bis zu 100 Kilometer vom Flughafen entfernt dokumentiert. In den restlichen aufgeführten Fällen war die Unterscheidung zwischen Flughafen- und Gepäckmalaria nicht klar.

Für Deutschland zählt der Artikel neun Fälle von Flughafen- und drei Fälle von Gepäckmalaria. Allerdings räumen die Autoren ein, dass die Daten nicht vollständig sein müssen. Es gibt keine zentrale Erfassung für die Flughafen-Malaria. Es kann zudem sein, dass nicht alle Fälle erkannt werden.

Wie ungewöhnlich sind die jetzigen Ereignisse?

Der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts Tinnemann sagt, dass er in Frankfurt nie erlebt habe, dass Malariafälle ohne vorherige Exposition – etwa in einem Malariagebiet – so weit vom Flughafen entfernt aufgetreten sind. Er hält sie für außergewöhnlich. Kremsner sagt sogar: „Diese Fälle sind aufsehenerregend.“ Beide Experten raten Menschen, die sich am oder in der Nähe des Flughafens aufhalten und entsprechende Symptome aufweisen, als Ursache auch eine Malaria-Infektion in Betracht zu ziehen. Eine große Gefahr für die Menschen der Stadt oder gar darüber hinaus sehe er aber nicht, sagt Tinnemann.

Wie gefährlich ist die Malaria?

Laut Robert-Koch-Institut beginnt die Malaria mit uncharakteristischen Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Die gefährlichste Form ist die Malaria tropica, die Komplikationen wie Krampfanfälle, Nierenversagen oder einen Kreislaufkollaps hervorrufen kann. Bei Menschen ohne Immunität und Behandlung endet diese Form in 20 Prozent der Fälle tödlich.

Wo kommt die Malaria vor?

Laut dem jüngsten Malaria-Report der Weltgesundheitsorganisation WHO ist die Fieberkrankheit in ungefähr 80 Ländern heimisch. Sie liegen in tropischen und subtropischen Gebieten auf nahezu allen Kontinenten. Mit Abstand am stärksten betroffen sind die afrikanischen Staaten südlich der Sahara. 2024 wurden in Ländern, in denen die Krankheit endemisch ist, insgesamt 282 Millionen Malariafälle gezählt. Die Zahl nimmt aktuell zu. Gründe sind unter anderem der Klimawandel, zunehmende Resistenzen und nachlassende Hilfe für betroffene Länder.

Was wird getan, um solche Fälle zu verhindern?

Reisende haben vielleicht schon einmal erlebt, dass Insektizide in Flugzeugen versprüht werden. Es geht dabei allerdings nicht unbedingt allein darum, die Malaria zu verhindern. Mücken können Dutzende Krankheiten auf den Menschen übertragen, darunter Dengue, Chikungunya und das Gelbfieber. Eine Verpflichtung, alle Flugzeuge aus endemischen Regionen zu behandeln, gibt es weder für Deutschland noch für die EU.

Reisenden in Gebiete mit hohem Risiko für durch Mücken übertragene Erkrankungen wird empfohlen, unter Moskitonetzen zu schlafen, möglichst körperbedeckende Kleidung zu tragen und Anti-Mücken-Schutz aufzutragen. Die WHO empfiehlt dafür die Wirkstoffe DEET, Picaridin und IR3535. Bei hohem Übertragungsrisiko wird auch die vorbeugende Einnahme von Malariamedikamenten angeraten. Eine Reiseimpfung gegen die Tropenkrankheit gibt es nicht.

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