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Oktoberfest Feiern bis der Arzt kommt

10. September 2026, 15:57 Uhr |

Lesezeit: 3 Min.

Im Überwachungsraum des Sanitätszentrum werden Patienten nach Notfällen auf der Wiesn betreut.
Im Überwachungsraum des Sanitätszentrum werden Patienten nach Notfällen auf der Wiesn betreut. Foto: Catherina Hess

Zusammenfassung

  • Die Aicher Ambulanz Union betreut zum siebten Mal das Oktoberfest mit 430 Einsatzkräften und 36 Ärzten rund um die Uhr.
  • 2025 wurden 7158 Patienten versorgt, wobei nur 1,6 Prozent in umliegende Kliniken transportiert werden mussten.
  • Das Sanitätszentrum hat technisch aufgerüstet mit neuen Laborgeräten, einem Reanimationssystem und einer beheizbaren Trageauflage.

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Tausende Notfälle werden während der zwei Wiesn-Wochen in der Sanitätsstation betreut. Damit möglichst wenige Patienten in Kliniken transportiert werden müssen, hat die verantwortliche Aicher Ambulanz technisch aufgerüstet.

Von Nicole Graner

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Das große Willkommensschild am Eingang des 191. Oktoberfestes hängt. Die Bierzelte stehen. „Bald wird es ernst“, sagt der Münchner Wiesn-Chef und Wirtschaftsreferent Christian Scharpf (SPD) bei der Pressekonferenz der Aicher Ambulanz Union auf der Wiesn. Er lacht. Denn alles läuft in seinen Augen „perfekt“. Man liege „wahnsinnig gut im Zeitplan“.

Auch das Sanitätszentrum steht schon und ist einsatzbereit für den Wiesnbeginn am 19. September. Nur auf der weißen Tafel im Überwachungsraum der kleinen Klinik an der Matthias-Pschorr-Straße 4, in dem so manche ihren Rausch ausschlafen, stehen noch keine Zahlen: die höchste Promille-Messung des Tages etwa oder der Tagesrekord getrunkener Maß.

Zum siebten Mal leistet die Aicher Ambulanz Union den Sanitätsdienst auf dem Münchner Oktoberfest. Insgesamt sind 430 Einsatzkräfte mit 36 Ärzten in verschiedenen Besetzungen rund um die Uhr im Einsatz. Das Ziel: Für alle, die medizinische Hilfe benötigen, die bestmögliche Versorgung zu leisten. Und: So autark zu sein, dass die Notfallzentren der Münchner Kliniken entlastet werden können.

Das ist dem Sanitätsdienst während der Wiesn 2025 gelungen. 7158 Patientinnen und Patienten seien versorgt worden. Der Anteil alkoholbedingter Notfälle lag bei 39 Prozent, chirurgische Verletzungen machten 35 Prozent der Fälle aus, internistische Behandlungen 26 Prozent. Die Abtransportquote von der Theresienwiese in umliegende Kliniken sank auf 1,6 Prozent. „Damit sind wir sehr zufrieden“, sagt Aicher-Geschäftsführer Ralf Kuchenbuch. Er und Michel Belcijan haben die Geschäftsführung von Unternehmensgründer Peter Aicher übernommen, der nach mehr als  40 Jahren in den Ruhestand gegangen ist.

Insgesamt 39 642  Menschen hat das kleine Krankenhaus gleich hinter dem Schottenhammel-Festzelt in sechs Wiesn-Jahren versorgt. Und was sich dabei bewährt hat, das bleibt. Wie das mobile CT etwa, das in Zusammenarbeit mit der radiologischen Abteilung der LMU betrieben wird und im vergangenen Jahr 156-mal im Einsatz war. Oder die Safe-Now-App. Mit ihr können Wiesnbesucher den Sicherheitsdienst kontaktieren.

Was einmal beim Ablauf im Wiesn-Krankenhaus gestört habe, „wird besser gemacht“, erklärt der Chefarzt der Kleinklinik, Philip Kampmann. Etwa wenn es um neue Geräte geht, die eine schnellere Versorgung mit besserer Diagnostik ermöglichen. So gibt es zwei neue Laborgeräte, die automatisch Blutwerte messen. Bestimmte Herzenzyme etwa, wie Kampmann sagt. Aber auch verschiedene Drogensubstanzen. „Wir müssen hinterfragen, warum der Patient länger schläft als angenommen“, sagt der Arzt, der schon seit zehn Jahren im Sanitätszentrum der Wiesn arbeitet. Handelt es sich etwa um K.-o.-Tropfen?  Auch diese Fälle gebe es. Er rät jedenfalls, keine Getränke offen stehen zu lassen.

Mit den Notfallkoffern sind die Sanitäter auf dem Festgelände unterwegs.
Mit den Notfallkoffern sind die Sanitäter auf dem Festgelände unterwegs. Foto: Catherina Hess

Neu ist auch „Lucas“, das Thoraxkompressionssystem. Es übernimmt zuverlässig die Reanimation eines Patienten und hilft dem Team während des Transports, Ermüdungserscheinungen vorzubeugen. Wie ein Uhrwerk funktioniert das Gerät: 30-mal Herzdruckmassage, dann beatmet der Sanitäter zweimal. Egal, ob der Patient auf dem Boden liegt oder auf der Transportliege. Ein neuer Monitor analysiert die Daten, noch während der Reanimationsphase.

Weil es wichtig ist, dass bei schwer verletzten Patienten die Körpertemperatur nicht sinkt, gibt es nun zudem eine beheizbare Trageauflage. „Jedes sinkende Grad verschlechtert den Zustand des Patienten“, sagt Kampmann.

Modernisiert wurde auch die Einsatzzentrale, die Hard- und Software verbessert. Die Technik sei „einfach in die Jahre gekommen“, wie Aicher-Pressesprecher Julian Tanzer sagt.

Aber nicht nur den Patienten soll es laut Aicher Ambulanz Union gut gehen, auch den Sanitätern. Es gab für die Einsatzkräfte Onlineschulungen, wie der Wiesn-Alltag besser absolviert werden kann und erstmalig auch ein Eigenschutztraining. 70 Kräfte haben daran teilgenommen, erklärt Geschäftsführer Kuchenbuch. Es sei ein präventives Angebot gewesen, in dem professionelle Trainer Deeskalation gelehrt hätten. Aber auch mal die Verteidigung. Bislang seien Angriffe auf Sanitäter „marginal“ gewesen. Zwei Fälle waren es 2025. „Aber das sind zwei zu viel“.

Bei sehr vielen Menschen auf der Wiesn oder gar bei Überfüllung, wie es am 27. September 2025 der Fall war, ist es nicht leicht, mit den Transportliegen etwa die „Wirtsbudenstraße“ zu queren. Daher wird es neben drei Sanitäts-Containern auf dem Gelände noch einen weiteren geben, sagt Michel Belcijan. Nämlich auf der gegenüberliegenden Seite des Sanitätszentrums.

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