GKV-Sparpaket: Mehr Psychotherapie für schwer Betroffene und Kinder
Por Von Christina Berndt — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
- Home
- Gesundheit
- Gesundheit
- Psychotherapie: Änderungen am GKV-Sparpaket 2026 für Kinder und schwer Erkrankte
GKV-Sparpaket Mehr Psychotherapie für schwer Betroffene und Kinder
14. Oktober 2026, 17:11 Uhr |
Lesezeit: 3 Min.
| Kommentare

Zusammenfassung
- Die Bundesregierung plant Änderungen an ihren Sparplänen, sodass Psychotherapien für schwer Betroffene sowie Kinder und Jugendliche wieder außerhalb eines starren Budgets abgerechnet werden können.
- Experten fordern weitergehende Reformen nach englischem Vorbild, wo die Heilungsquoten psychischer Störungen innerhalb von acht Jahren von unter 30 auf über 50 Prozent stiegen.
- Die Bundespsychotherapeutenkammer lehnt die geplante Pflicht zum Hausarztbesuch vor einer Überweisung ab, da dies zusätzliche Hürden schaffe und Hilfen verzögere.
Von der Redaktion überprüft
Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz
erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.
Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich? Ja Nein Mehr Feedback geben
Kaum ein Sparvorhaben der Bundesregierung hat so viel Kritik ausgelöst wie die vorgesehenen Kürzungen bei der Psychotherapie. Nun soll es Änderungen an den Sparplänen geben. Ist das die Lösung?
Von Christina Berndt
- Merken
- Teilen
- Feedback
Gespart werden muss, da sind sich fast alle Akteure im Gesundheitswesen einig. Denn die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) steht unter finanziellem Druck, und der wird mit einer immer älter werdenden Bevölkerung zukünftig eher noch größer. Doch wirklich beliebt sind nur wenige der Sparvorhaben, welche die Bundesregierung im Juli mit ihrem GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz verabschiedet hat, und die wohl stärksten Proteste haben die Kürzungen bei der Psychotherapie ausgelöst.
Inzwischen hat die Koalition Änderungsvorschläge auf den Weg gebracht, die der Bundestag wohl in Kürze beschließen wird. Das betrifft auch die Psychotherapie. Hier sollen künftig, anders als zunächst geplant, Behandlungen wieder außerhalb eines vorgegebenen Finanzbudgets finanziert werden. Ziel ist es, dadurch die Versorgung von Patienten mit besonderer Dringlichkeit, großer Krankheitsschwere sowie von Kindern und Jugendlichen zu sichern.
Ist das also die Lösung der Probleme?
Es sei jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung, sagt Alexander Konnopka. Durch die Abrechnungsmöglichkeit über ein festgelegtes Budget hinaus sei mit Psychotherapien in den vergangenen Jahren zwar ein überdurchschnittlicher Ausgabenanstieg verbunden gewesen, sagte der Professor für Gesundheitsökonomie in der Psychiatrie an der Universität Leipzig dem Science Media Center (SMC). Aber dies sei angesichts des hohen Bedarfs „auch wirklich geboten“ gewesen.
„Dass die Versorgung besonders vulnerabler Gruppen, also der Kinder und Jugendlichen, der schwer psychisch Kranken und der dringlich zu behandelnden Patienten nun eventuell doch weiterhin extrabudgetär erfolgen soll, erscheint mir vor dem Hintergrund der nach wie vor existierenden Schwierigkeiten, einen ambulanten Psychotherapieplatz zu finden, geboten und wichtig“, so Konnopka. Er betonte aber auch, dass es weitere Reformen brauche. Denn obwohl das deutsche Gesundheitssystem finanziell und personell hervorragend ausgestattet sei, seien seine Ergebnisse derzeit „bestenfalls mittelmäßig“.
In England sind die Heilungsquoten von psychischen Störungen nach einer Strukturreform deutlich gestiegen
Für weitere Reformen plädiert auch Silvia Schneider, Professorin für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie an der Universität Bochum. Dabei müsse über bestehende Grenzen hinaus gedacht werden, sagte sie dem SMC. „Wir werden alle reflektieren müssen, wie wir mit begrenzten Ressourcen Menschen mit psychischen, aber auch somatischen Beschwerden besser versorgen können.“ Dazu gehöre neben einer stärkeren Prävention auch ein Umbau des bestehenden Versorgungssystems etwa nach dem Vorbild Englands. Dort hätten sich die Heilungsquoten von psychischen Störungen signifikant verbessert, so Schneider, nämlich innerhalb von acht Jahren von unter 30 auf mehr als 50 Prozent. Mehrere Länder seien dem englischen Beispiel inzwischen gefolgt, darunter Finnland, Norwegen und Spanien.
Zentral sei dabei, dass den Patienten nach der fachlichen Einschätzung von Dringlichkeit und Schwere ihrer Erkrankung evidenzbasiert eine passgenau zugeschnittene Therapie angeboten werde. Diese könne von Kurzzeitangeboten bis hin zu komplexen Intensiv- und Langzeitbehandlungen reichen. Wenn dann noch ein konsequentes Monitoring mit wissenschaftlicher Begleitforschung stattfinde, ließen sich das System und seine Ergebnisse zudem stetig verbessern. Auch müsse mehr interdisziplinär gearbeitet werden, um etwa Sozialarbeit oder Jugendhilfe in die Behandlung zu integrieren, so Schneider. Und „nicht zuletzt können digitale Angebote und KI in der Therapie dazu beitragen, Prozesse zu beschleunigen, um Menschen schneller helfen zu können.“
Für eine bessere Steuerung der Versorgung plädiert auch die Bundespsychotherapeutenkammer. Allerdings spricht sie sich dagegen aus, dass Patientinnen und Patienten künftig zunächst ihren Hausarzt aufsuchen müssen, bevor sie eine Überweisung zur Psychotherapie erhalten, wie es derzeit geplant ist. Das baue zusätzliche Hürden ein und verzögere Hilfen – erst recht, wenn Hausarztpraxen, wie prognostiziert, mehr und mehr überlastet und Wartezeiten immer länger werden.
„Für uns ist die psychotherapeutische Sprechstunde der richtige Ort, um Menschen mit psychischen Beschwerden frühzeitig und fachkundig zu versorgen“, sagte Andrea Benecke, Präsidentin der Kammer, am Dienstag während eines Pressegesprächs. Denn in der Sprechstunde klären Psychotherapeuten mit ihrer fachlichen Kompetenz, ob eine psychische Erkrankung vorliegt, wie dringend eine Behandlung ist und welche Hilfe passt. Nur etwa die Hälfte der Patienten beginne danach eine Psychotherapie, die andere Hälfte werde in andere Hilfen vermittelt. „Das zeigt: Wer in eine psychotherapeutische Sprechstunde kommt, landet keineswegs automatisch in einer Psychotherapie. Dort wird der Bedarf fachlich geklärt, beraten und gezielt gesteuert.“
Benecke möchte künftig mehr Patientinnen und Patienten in Gruppenpsychotherapien bringen und freie Plätze über einen elektronischen Terminservice vermitteln. Auch könnten digitale Instrumente, ähnlich wie dies Silvia Schneider vorschlägt, bei der Ersteinschätzung helfen, damit dringend hilfebedürftige Patienten schnell identifiziert werden und bevorzugt eine Behandlung erhalten. „Wer psychotherapeutische Hilfe sucht, muss auch künftig direkt eine psychotherapeutische Sprechstunde erreichen können“, so Benecke. „Eine gezielte Steuerung ist mit der Sprechstunde möglich. Wir wollen sie stärken, statt neue Hürden aufzubauen.“
© SZ – Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
- Teilen
- Feedback
Verhaltenspsychologie : „Routinen können uns einlullen“
Sie geben Sicherheit und helfen durch den Alltag, doch sie können auch zur Falle werden. Wie man gute Gewohnheiten aufbaut – und schlechte loswird.
Von Christina Berndt
Fonte: Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport