FC Bayern in Stavanger: „Manu hat was am Fuß gespürt“
Por Von Claudio Catuogno, Stavanger — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
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Bayern-Torwart Manuel Neuer muss sich im Champions-League-Spiel bei Viking Stavanger von Jonas Urbig vertreten lassen. Dass die Münchner in Norwegen auf Kunstrasen antreten müssen, ist zwar ein Thema – soll aber keins sein.
Von Claudio Catuogno, Stavanger
A ls Vincent Kompany am frühen Montagabend das kleine Viking-Stadion in Stavanger betrat, machte er als Erstes eine beruhigende Feststellung: „Der Platz ist in der Mitte des Stadions, habe ich bemerkt“, sagte er bei der Pressekonferenz in der Eierlosjen, der Eigentümerloge unter dem Stadiondach. Na also! Alles ganz normal! Bloß nicht davon ablenken lassen, dass am Dienstagabend auch in dieser 15 000-Zuschauer-Arena nahe der norwegischen Nordseeküste ein reguläres Champions-League-Spiel stattfinden wird. Ablenken lassen zum Beispiel von der Tatsache, dass auf dem Platz, der sich zweifellos in der Mitte des Stadions befindet, ein Kunstrasen verlegt ist.
Wie oft der Spieler Kompany in seiner Karriere auf Kunstrasen gespielt hat? „Null Mal“, sagte er am Abend vor der Partie gegen den norwegischen Meister Viking Stavanger. Auch der FC Bayern hat überhaupt erst einmal ein Spiel der Königsklasse auf reinen Kunstfasern ausgetragen, ein 2:2 im November 2006 bei Spartak Moskau; beide Münchner Treffer erzielte Claudio Pizarro. Der Engländer Harry Kane durfte 2017 mal ein Länderspiel in Litauen auf Kunstrasen absolvieren: „Man muss sich kurz an den Belag gewöhnen, er geht etwas stärker auf Knie und Knöchel“, wusste der Stürmer also vor der Abreise zu berichten, „mit den richtigen Schuhen sollte das aber kein großes Problem sein.“ Und Kapitän Joshua Kimmich gab zu bedenken, dass sich moderne Kunstrasenplätze zum Glück nicht mehr so anfühlten „wie ein Hockeyfeld“.
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Aber eigentlich wollten sie gar nicht so viel reden über diese spezielle Herausforderung, über anders springende Bälle, über mögliche Störgefühle im Zusammenspiel von Schuh und Untergrund bei Richtungswechseln, Sprints und Stopps. Man könne dem Gegner gar keine größere Freude machen, „als nur über Kunstrasen reden“, sagte Kompany in Stavanger, nachdem alle sehr viel über Kunstrasen geredet hatten (und der FC Bayern selbst am Montagmorgen den Artikel „Kunstrasen im Viking-Stadion: Warum die Schuhwahl für den FC Bayern in Stavanger entscheidend ist“ auf seiner Homepage veröffentlicht hatte).
Schluss also mit Kunstrasen! Zumal der Bayern-Trainer in der Eierlosjen auch noch über das zweite Thema Auskunft geben wollte, das den deutschen Meister auf seiner Norwegen-Expedition begleitet: die Frage, wer in diesem ersten Auswärtsspiel der neuen Europa-Saison die zweifelhafte Freude haben wird, seinen Torhüterkörper auf den, genau, Kunstrasen zu werfen, Manuel Neuer, 40, oder Jonas Urbig, 23.
Nach Neuers Patzer beim 2:2 am Samstag in Augsburg, der ihm das schnellste Gegentor der Bundesligageschichte einbrachte, hatte sich kurzzeitig die Frage in den Raum geschoben, ob das jetzt unerwünschte Spekulationen nach sich ziehen könnte: wenn Urbig ausgerechnet im Spiel eins nach der Neuer-Debatte wieder ins Bayern-Tor rotieren würde, wie es der Mittelfrist-Plan, mit dem die Bayern das Ausbildungsjahr ihrer Nummer zwei gestalten, offenbar seit Längerem vorsah. Die Frage wurde Kompany nun abgenommen: „Manu hat was am Fuß gespürt, er trainiert heute nicht“, gab der Coach bekannt. „Insofern ist diese Frage schnell beantwortet.“ Man könne zwar nicht einmal wirklich „von einer Verletzung reden“. Und jeden möglichen Zweifel an Neuer hatten die Verantwortlichen ohnehin schon in Augsburg mit aller Macht zu zerstreuen versucht. Aber nachdem die kleine Unpässlichkeit, die sich schon am Samstag angedeutet habe, nicht verschwunden sei, ergebe ein Einsatz am Dienstag „keinen Sinn“, sagte Kompany.
Die Bayern waren entgegen ihrer Gewohnheit schon früh am Vortag des Spiels losgeflogen, anstatt das Abschlusstraining auf dem satten Grün ihres Hybridrasens an der Säbener Straße zu absolvieren. Warum? Natürlich wegen des Kunstrasens, vor dem sie sich nicht fürchten wollen, der aber doch ein paar professionelle Anpassungen verlangt. „Es wäre fahrlässig, wenn wir als Mannschaft, die 99 Prozent auf Rasen spielt, nicht vorher anreisen würden“, hatte Sportvorstand Max Eberl schon nach dem Remis in Augsburg verkündet – und an zwei 1:3-Niederlagen von Manchester City und Inter Mailand in Norwegen in der vergangenen Saison erinnert, wenn auch bei einem anderen, weiter im Norden gelegenen Klub: „Kunstrasen auswärts. Bodø hat es letztes Jahr gezeigt, wie kompliziert es ist“, sagte Eberl. Durch das Training am Ort sollten seine Spieler „ein Gefühl bekommen, was für Schuhe muss man tragen“, assistierte Kompany.
In der norwegischen Stadt war die bevorstehende Ankunft der Bayern seit Tagen das große Thema, die Zeitung Stavanger Aftenblad zählt die Stunden, Minuten und Sekunden bis zum Anpfiff auf ihrer Homepage in einem Countdown herunter. Als die Münchner am Montagmittag vor dem Hotel Atlantic aus ihrem eigens aus München herbeigeschafften Bus stiegen, notierte die Zeitung ein „kontrollert kaos før Bayern-spillerne“, ein kontrolliertes Chaos, weil Dutzende Fans die Bayern-Spieler sehen wollten. Und womöglich schärft die Debatte über den fiesen Kunstrasen ja sogar die Sinne: „Für sie ist es ein ganz wichtiges Spiel“, sagte Kompany über den zweifellos exotischen Champions-League-Gegner. „Aber ich möchte nicht, dass jemand morgen das Gefühl hat, es sei nicht genauso wichtig für uns.“
Manuel Neuer patzt beim 2:2 in Augsburg auf kuriose Weise. Auswirkungen auf die Rotation mit Jonas Urbig im Tor des FC Bayern soll das keine haben. Doch die Entwicklung des Ersatzmanns, sagt Sportvorstand Eberl, sei „herausragend“.
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