Wallace & Gromit: Bleib mal lieber still

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Wallace & Gromit Bleib mal lieber still

12. Oktober 2026, 13:52 Uhr |

Lesezeit: 2 Min.

Der Hund Gromit in Nick Parks Kurzfilm „The Curse of the Were-Rabbit“ (2005).
Der Hund Gromit in Nick Parks Kurzfilm „The Curse of the Were-Rabbit“ (2005). Foto: imago stock&people

Gromit, der ikonisch stumme Hund aus Wallace & Gromit, soll erstmals eine Stimme bekommen. Die vom Schauspieler Martin Freeman. Eine gute Idee? Wenn „Fictional Mute Characters“ zu sprechen anfangen.

Von Martin Zips

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37 Jahre sprach Gromit nicht. Nun wird der berühmteste Hund der britischen Filmgeschichte erstmals zu hören sein. Eine „Autobiografie“ des aus den „Wallace & Gromit“-Geschichten bekannten Knetgummi-Vierbeiners erscheint. „Zeit, dass ich spreche“, heißt es in der Ankündigung. Na, was man sich als Studio halt so ausdenkt, um Geld zu verdienen. Das Hörbuch dazu hat der britische Schauspieler Martin Freeman eingesprochen. J.R.R.-Tolkien-Fans dürfte das etwas durcheinanderbringen, denn Freemans Stimme (und Gesicht) gehört in Peter Jacksons Trilogie „Der Hobbit“ Bilbo Beutlin. Nun spricht er Gromit.

Schafft er es, den inneren Gedanken des Hundes mit einer Mischung aus Nachdenklichkeit und ironischem Humor Ausdruck zu verleihen? Schauspieler Martin Freeman spricht Gromit.
Schafft er es, den inneren Gedanken des Hundes mit einer Mischung aus Nachdenklichkeit und ironischem Humor Ausdruck zu verleihen? Schauspieler Martin Freeman spricht Gromit. Foto: Hannes Magerstaedt/Getty Images

Sogenannten „Fictional Mute Characters“ – wortkargen Figuren – eine Stimme zu geben, ist ein heikles Unterfangen. Stummfilmstar Charlie Chaplin ließ sich nach Etablierung des Tonfilms dafür rund zehn Jahre Zeit. Erst 1936 war sein „Tramp“ in „Modern Times“ zu hören, dort improvisierte er einen „Nonsense Song“, es war ein Seitenhieb auf Tonfilme dieser Zeit. Schon bei seinem Stummfilm-Kollegen Buster Keaton hatte Chaplin gesehen, welche Reaktionen so ein plötzlich sprechender und singender „Silent Comedian“ beim Publikum auslösen konnte. Keaton war erstmals 1930 zu hören gewesen, in „Free and Easy“. „Nicht mehr komisch“, befand unter anderem ein Kritiker des Film Daily über das mit „Buster talks!“ beworbene Werk.

Ob bald also auch „Shaun das Schaf“ in heiteren Versen zu uns blökt?

Snoopy, Dumbo, Tom und Jerry, Pluto, Mr. Bean, Maggie Simpson, Wall-E – bei vielen fiktiven Figuren war und ist es vor allem ihr Schweigen, das sie besonders macht. Ihre meist nur mit wenigen Geräuschen begleitete Mimik und Gestik.

Wallance und Gromit in „The Wrong Trousers“. Wallance und Gromit in „The Wrong Trousers“. Foto: imago images/Mary Evans Wallance und Gromit in „The Wrong Trousers“. Wallance und Gromit in „The Wrong Trousers“. Foto: imago images/Mary Evans Foto: Dreamworks Animation/IMAGO/ZUMA Press Wire Foto: Dreamworks Animation/IMAGO/ZUMA Press Wire

Genau dafür stand jahrzehntelang auch Gromit, der in „A Grand Day Out“ oder „The Wrong Trousers“ ein wohltuend zurückhaltender Sidekick neben seinem endlos quasselnden Herrn war.

Gromit beherrschte, wie es der französische Pantomime Marcel Marceau einst nannte: Die „Kunst der Stille“.

Gromits Schöpfer Nick Park gibt sich zuversichtlich: Martin Freeman gelinge es ausgezeichnet, den „inneren Gedanken“ seines Hundes mit einer akustischen Mischung aus „Nachdenklichkeit und ironischem Humor“ Ausdruck zu verleihen, zitiert ihn der Guardian. Ob bald auch „Shaun das Schaf“ in heiteren Versen zu uns blökt? Für diese Figur zeigt sich Park ebenso verantwortlich. Es könnte schlimm ausgehen. Bereits Friedrich Nietzsche warnte im Zarathustra: „Die größten Ereignisse – das sind nicht unsre lautesten, sondern unsre stillsten Stunden.“

Man muss gewarnt sein: Als Leser glaubte man schon, den Klang geliebter Romanhelden gut zu kennen, bevor sie einem aus Lautsprechern ungefragt und hässlich entgegenschepperten. Auch die ein oder andere Autorenlesung, so wünscht man sich im Nachhinein, habe man besser nie besucht. Vom versehentlichen Anklicken nicht enden wollender Plauder-Podcasts ganz zu schweigen. Als Boba Fett sich 2021 in einem „Star Wars“-Spinoff unverhofft um Kopf und Kragen redete, da verlor er ebenso einen Teil seines Geheimnisses wie Groot in „Guardians of the Galaxy“.

Und so wünscht man sich auch Gromit so schnell wie möglich wieder zurück in den Ruheraum der Komödie. Dorthin, wo bereits Monsieur Hulot, Pan Tau und die WDR-Maus samt blauem Elefanten vor dem Hundekörbchen auf ihn warten.

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Von Martin Zips

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