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Während die CDU gerade im Chaos versinkt, gibt CSU-Chef Markus Söder den Stabilisator einer taumelnden Regierung.  An einer wichtigen Stelle lässt die Moderatorin ihn ungeschoren davon kommen.

Von Peter Fahrenholz

Wie schnell sich das politische Glück wenden kann, dafür ist Markus Söder im Moment ein gutes Beispiel. Vor etwas mehr als zwei Monaten musste sich der CSU-Chef im ARD-Sommerinterview die Turbulenzen in seiner Partei vorhalten lassen und reagierte darauf sichtlich genervt. „Das ist ein ziemlich zusammengemixtes Stück“, pampte er da die Interviewerin nach einem Einspieler an, in dem diverse Misshelligkeiten aufgelistet worden waren. Heute hingegen, wo die CDU gerade im Chaos versinkt, wo der Kanzler um sein politisches Überleben kämpft und auch die SPD-Spitze wackelt, erscheint die CSU beinahe wie eine Oase der Stabilität. Und ihr Chef wie der oberste Friedensrichter, der seinen taumelnden Partnern gut zuredet. „Jetzt müssen wir einfach mal durchhalten“, sagt Söder am Sonntagabend bei Caren Miosga.

Die fragt ihn allen Ernstes zum Verlauf des Koalitionsausschusses am vergangenen Mittwoch: „Mussten Sie schlichten?“ Das ist selbst Söder ein bisschen zu dick aufgetragen. Das sei „normalerweise nicht die Rolle des bayerischen Ministerpräsidenten“. Aber es sei schon „wichtig, jetzt nicht Dinge anzufachen“. Obwohl kaum einer vom Anfachen mehr versteht als Markus Söder. Wer Schuld ist am jämmerlichen Erscheinungsbild der Regierung, da ist Söder ganz salomonisch. Es gebe eben Dinge, wo die SPD etwas nicht wolle und Dinge, wo die Union skeptisch sei. Natürlich müsse mehr passieren, und wenn es nicht in einem Riesensprung passiere, „dann halt in kleinen Schritten“. Das hat sich bei Markus Söder schon mal ganz anders angehört.

Nur hin und wieder blitzt der Söder, wie man ihn kennt, kurz auf. Der kategorisch auf seinen Forderungen beharrt. „Die Minijobs werden nicht abgeschafft“, verkündet er da und Caren Miosga nimmt Witterung auf. Ob er damit gesagt habe, dass das mit den Minijobs geklärt sei. Da fällt der milde neue Söder dem alten streitlustigen Söder lieber in die Parade und rudert ein Stück zurück. „Ob sie bleiben werden, wird sich am Ende zeigen“.

Aber wie immer bei Söder, kommt es auf die Zwischentöne an. Dass laut Umfragen zwei Drittel die Kanzlerschaft von Friedrich Merz für gescheitert halten, findet Söder „sehr ungerecht“, um den Satz nachzuschieben: „Vielleicht war die eine oder andere Äußerung nicht perfekt“. Söder macht auch keinen Hehl daraus, dass er den Verdacht von Merz, die Wahl des Landtagspräsidenten in Magdeburg mit vier Stimmen mehr als AfD und BSW haben, könne auch eine „False Flag“-Operation von Links gewesen sein, um der CDU zu schaden, für abwegig hält. „Die These ist auf jeden Fall steil“, sagt er.

Die SPD fürchtet, dass die mutmaßlichen CDU-Abweichler nun auch Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten wählen könnten – und fordert ein Einschreiten des Kanzlers. Die Union wirkt verunsichert.

Er habe eher das Gefühl, dass die vier zusätzlichen Stimmen aus einer tiefen Verwundung und einem Streit in der CDU herrührten. Um eilig hinterherzuschieben: „Aber wissen tut es keiner“. Dass der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund ohne Stimmen aus der CDU Ministerpräsident wird, dafür will Söder nicht die Hand ins Feuer legen. Das könne man nach dem Ergebnis bei der Wahl des Landtagspräsidenten und seiner Vizes „nicht sagen“.

Im Umschiffen von Fragen, die ihm als direkte Kritik an einem Unionskollegen ausgelegt werden könnten (außer, es handelt sich um Daniel Günther), hat Söder ein großes Geschick. Miosga hält ihm vor, dass sein hessischer Amtskollege Boris Rhein dafür plädiert, die AfD im parlamentarischen Alltag ganz normal zu behandeln, ihr also auch den Vorsitz in Ausschüssen zuzugestehen. Warum Bayern das nicht mache. Statt Rheins Vorschlag als falsch zurückzuweisen, sagt Söder, man habe sich in Bayern die vorgeschlagenen AfD-Kandidaten genau angeschaut, das sei „zum Teil gruselig“ gewesen. „Wir haben da Leute, die glauben, dass die Erde eine Scheibe ist“.

So leicht es Söder fällt, mit schlagfertigen Formulierungen spontane Lacher zu erzeugen, so schwer tut er sich damit, sein Mienenspiel unter Kontrolle zu halten. Ob ihn etwas freut, ärgert oder langweilt, sieht man Söder in der Regel an. Und natürlich muss sie kommen, die Kanzler-Frage. Miosga zitiert eine Umfrage, wonach sich 32 Prozent Söder als Kanzler wünschen, mehr als bei Hendrik Wüst oder dem ebenfalls gehandelten Alexander Dobrindt. Woher sie diese Zahlen hat, sagt Miosga nicht. Eine aktuelle Umfrage von RTL hat gerade das glatte Gegenteil ergeben. Danach halten 70 Prozent der Befragten Söder nicht für kanzlertauglich, selbst in Bayern teilt eine Mehrheit von 59 Prozent diesen Befund. Miosga zeigt in einem Einspieler die beiden Ost-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer aus Sachsen und Mario Voigt aus Thüringen, die Söder überschwänglich loben.

Und Söder? Sitzt da und grinst breit. In der CSU ist es ein offenes Geheimnis, dass Söder seinen Kanzlertraum nie aufgegeben hat und natürlich auf seine Chance hofft, sollte Merz aufgeben müssen. Aber er lässt sich nicht aufs Glatteis locken. Die CDU habe zweimal die Chance gehabt, ihn zu nehmen, wehrt er ab. Aber wenn sich das Blatt wende, etwa, wenn die Wahl in NRW im nächsten Frühjahr schiefgehe, hakt Miosga nach. Wenn ihn dann die CDU-Ministerpräsidenten anriefen und beknieten. „Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Söder. Der Bayer, von dem jeder weiß, wie gerne er Kanzler werden würde, versichert stattdessen treuherzig, wie sehr ihm eine Parteifreundin am Herzen liegt, von der auch jeder weiß, dass er sie nicht leiden kann. „Die einzige Personalie, die mich interessiert, ist, dass Ilse Aigner Bundespräsidentin wird.“

In der zweiten Hälfte der Sendung sitzen die Julia Löhr, Leiterin des FAZ-Wirtschaftsressorts und der Vorsitzende der Geschäftsführung der dm-Drogeriekette, Christoph Werner, mit am Tisch. Und die Diskussion verliert sich im Klein-Klein um die richtige Reformpolitik. Miosga lässt Söder dabei in einer wichtigen Frage ungeschoren davon kommen. Söder plädiert mehrmals für niedrigere Energiekosten und fordert eine Energiesteuerreform. Dabei war es Söder selbst, der mit teuren Sonderwünschen wie der Mütterrente dafür gesorgt hat, dass die Regierung nicht, wie fest versprochen, die Stromsteuer für alle gesenkt hat. Weil das Geld dafür gefehlt hat. Doch diesen Punkt hält die Moderatorin Söder nicht vor.

Seit Jahren drischt der Ministerpräsident auf die Öko-Partei ein. Nun lobt er Münchens grünen OB Dominik Krause auffallend oft. Dahinter könnte mehr stecken als ein Zweckbündnis für Olympia.

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