Formel 1: Verstappen macht mit dem Siegen weiter
Por Von Anna Dreher — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
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Beim Großen Preis von Singapur setzt sich der viermalige Weltmeister vor Charles Leclerc und Kimi Antonelli durch – der nun schon beim nächsten Rennen den Titel gewinnen kann.
Von Anna Dreher
A ls etwa zwei Drittel seiner Sonntagsfahrt vorüber waren, meldete sich Max Verstappen. Hatte er eine Frage? Wollte er ein Problem besprechen? Es blieb ein Rätsel, denn was er funkte, war für keinen zu verstehen, seine Stimme drang nur abgehackt durch, die Technik streikte. Aber im Prinzip war das egal, der viermalige Weltmeister fuhr ohnehin ungestört an der Spitze. Sein Auto schnurrte durch die Nacht auf dem Marina Bay Street Circuit, Charles Leclerc hatte zu diesem Zeitpunkt mit seinem Ferrari ungefähr 15 Sekunden Rückstand. Was sollte da noch schiefgehen?
Nichts, lautete die Antwort. 61 von 62 Runden hatte Verstappen beim Großen Preis von Singapur geführt, bis er so souverän wie in Red Bulls besten Zeiten über die Ziellinie rauschte – und bei seinem zehnten Start auf dem Stadtkurs erstmals auf die oberste Stufe des Podiums steigen durfte. In seinem insgesamt 250. Formel-1-Rennen war es sein 73. Sieg, in dieser Saison allerdings erst sein zweiter. Wie der Niederländer das fand? „Krchhhhkkk“, knarzte es auf der Verstappen-Frequenz, während der Nachthimmel von farbenfrohem Feuerwerk erleuchtet wurde.
Vor dem Großen Preis von Singapur drehen sich die Debatten um die diametralen Formkurven der Mercedes-Fahrer George Russell und Kimi Antonelli. Teamchef Toto Wolff hält eine Wutrede.
Das war dann aber auch das einzige Malheur bei einem Rennen, in dem ansonsten vor allem mal wieder Kimi Antonelli beeindruckte, der als Dritter ins Ziel kam. Mercedes hatte zuletzt nach einem Upgrade mit Problemen zu kämpfen, das Verhalten des Autos sei nicht vorhersehbar, hatte Antonelli erklärt. Trotzdem baute der 20-Jährige seinen Vorsprung aus, in der WM-Wertung hat er mit 340 Punkten nun 102 Zähler mehr als sein erster Verfolger und Teamkollege George Russell, der in Singapur nur Neunter wurde. Schon beim nächsten Stopp in Austin am 25. Oktober kann Antonelli zum jüngsten Weltmeister in der Formel-1-Geschichte werden. „Kann ich? Wirklich?“, antwortete er darauf. „Na gut, aber lasst uns darüber nicht den Kopf zerbrechen und den Job zu Ende bringen.“
Daran wird grundsätzlich auch das Hoch von Red Bull nichts ändern. Schon am vergangenen Wochenende in Malaysia hatte Verstappen dominiert und seinen ersten Grand-Prix-Sieg in dieser Saison eingefahren. Nun schnappte er sich die Pole Position für den Sprint, gewann diesen und sicherte sich dann zum 50. Mal den besten Startplatz für ein Formel-1-Rennen. Dass Red Bull nach einem bisher durchwachsenen Jahr zurück in die Spur gefunden hat, beeindruckte auch den Chef des insgesamt dominierenden Mercedes-Teams. „Es kommt überraschend. Man muss den Hut ziehen, wie sie es immer wieder schaffen, sich neu zu erfinden“, sagte Toto Wolff bei Sky. Er sei froh, „dass wir einen großen Vorsprung haben“. Verstappens Rückstand auf Antonelli beträgt 119 Punkte.
Der Blick ging vor dem 17. Rennen auf das Wetterradar. Am Samstag hatten heftige Schauer das Protokoll durcheinandergebracht, erst mit ordentlicher Verspätung konnte der Sprint beginnen, der dann mit vier Unfällen einiges an Spektakel bot, nur 13 von 22 Autos erreichten das Ziel. Dabei erwischte es auch den in Führung liegenden Russell, der mit seinem Mercedes in der Bande landete. Wegen eines Motorwechsels war er für das Rennen am Sonntag aber ohnehin ganz ans Ende des Feldes strafversetzt worden. Chaos durch Regen – das erinnerte an Malaysia vergangene Woche, als erst das Wetter und dann ein Softwareproblem keinen pünktlichen Start zuließen.
Eine solche Blamage blieb der Formel 1 diesmal erspart, der Asphalt auf dem Marina Bay Street Circuit war trocken. Beim Start konnte Verstappen den Zweitplatzierten Leclerc geradeso abwimmeln. Dicht dahinter folgten dessen Ferrari-Teamkollege Lewis Hamilton, Antonelli und die beiden McLaren von Titelverteidiger Lando Norris und Oscar Piastri. Den ersten Ausfall meldete Gabriel Bortoleto in der siebten Runde, er stellte seinen Audi mit einem Getriebeproblem am Ausgang der Boxengasse ab. Für das deutsche Werksteam fuhr immerhin Nico Hülkenberg als Achter noch in die Punkte, er hielt bei seiner starken Fahrt am Ende sogar den WM-Zweiten Russell hinter sich. Das Safety Car jedenfalls konnte in der Garage bleiben und sollte auch nicht mehr ausrücken, obwohl das hier zwischen 2008 und 2023 stets der Fall gewesen war.
Vorne bildete sich eine Zweiklassengesellschaft, hinter den ersten Sechs klaffte eine große Lücke. Nachdem sich die Führenden zunächst alle gut im Rückspiegel sahen, konnte Verstappen den Abstand zu Leclerc ausbauen; Leclerc wiederum brachte mehr als sechs Sekunden zwischen sich und Hamilton. Der siebenmalige Weltmeister bog in der 19. Runde als Erster dieser Gruppe zum Reifenwechsel von Medium auf Soft ab, drei Runden später hatte er als Sechster wieder den Anschluss gefunden, doch für die Wahl sollte er sich noch entschuldigen: „Sorry, ich habe euch heute mit der Strategie enttäuscht. Das war mein Call und wir haben wertvolle Punkte verloren.“ Kurz danach holten sich Antonelli und Leclerc frische Pneus, Letzterer kam knapp vor seinem Teamkollegen raus – doch das teaminterne Duell blieb aus, Hamilton musste mit seinen Reifen haushalten.
Währenddessen kreiste Verstappen nach der Hälfte der 62 Runden 19 Sekunden vor Norris. Dieses Zeitfenster reichte, um wieder als Führender aus der Boxengasse zu fahren. Norris und kurz danach Piastri folgten. Nun führte Verstappen vor Leclerc, Hamilton, Antonelli, Norris und Piastri. Manch ein Zuschauer hätte wohl gerne eine Prise der Malaysia-Action über diesen Nacht-Grand-Prix gestreut. Doch das Drama blieb aus auf dem Stadtkurs, der körperlich in der Kombination aus hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit einer der härtesten ist. Die Piloten schwitzen hier gerne mal an die vier Kilogramm Körpergewicht in ihre Rennanzüge.
Virtuell wurde das Safety Car in der 39. Runde ausgerufen, als es für Lance Stroll im Aston Martin nicht weiterging. Leclerc und Antonelli nutzten die gedrosselte Geschwindigkeit für den nächsten Boxenstopp. Danach meldete Antonelli hektisch Probleme: „Junge, ich habe keine verdammten Bremsen!“ Und auch Hamilton sagte, dass sein Auto nicht richtig bremse. Die Ingenieure gaben beiden Entwarnung. Das half Hamilton nicht, Norris und Antonelli kamen näher und näher. „Ich verliere die Reifen“, funkte Hamilton, er musste von der Strecke abzweigen, derweil rauschte Antonelli an Norris vorbei – und schnappte sich auch seinen Vorgänger bei Mercedes in der 55. Runde. Hamilton hatte keine Chance mehr, Norris und auf der letzten Runde auch Piastri überholten ihn. Und damit stand die Reihenfolge von Singapur fest.
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