Bundesliga: Füllkrugs kleine Schadenfreude
Por Von Freddie Röckenhaus, Dortmund — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
Lesezeit: 3 Min.
Der frühere Dortmunder trifft für Werder Bremen in der Nachspielzeit zum 2:2 – die Euphorie beim BVB ist nach dem guten Saisonstart erst einmal verflogen.
Von Freddie Röckenhaus, Dortmund
N iclas Füllkrug ist ein freundlicher Typ. Jeder mag ihn, außer man ist unglücklicherweise gerade sein direkter Gegenspieler auf dem Rasen. Von üblicher Profietikette hält Füllkrug zudem wenig. Als er am Freitagabend in der Nachspielzeit einen wuchtigen Kopfball zum 2:2-Ausgleich für seinen Lieblingsverein Werder Bremen gegen seinen einstigen Verein Borussia Dortmund ins Netz befördert hatte, rannte Füllkrug schreiend und jubelnd davon – ohne Rücksicht auf die vermeintlichen Gefühle beim Anhang seines früheren Klubs.
Der Dortmunder Anhang war allerdings mit Bremens spätem Tor ohnehin in Schockstarre verfallen. Das Spiel vor dem Füllkrug-Schlag, der sich ein wenig wie eine persönliche Revanche anfühlte, hatte lange nach Höhepunkten gesucht. Und nur wenige gefunden. Bremens Trainer Daniel Thioune ließ gegen den vermeintlich übermächtigen BVB das eigene Verteidigungsfeld eng zusammenziehen und gab auch die beiden Außenseiten freiwillig her. Das funktionierte bestens, zumindest aus Bremer Sicht. Die Dortmunder Bemühungen, mit dieser dichten Bremer Defensive umzugehen, wirkten eher wie ein Narkosemittel als irgendwie bedrohlich.
Überlastung nach der Länderspielpause? Das sehen nicht alle so.
Ob dies der Plan von Trainer Nico Kovac war, blieb zweifelhaft. Nach der Pause gelang es Dortmund, wesentlich mehr Druck auf Werder zu entwickeln. Unter anderem wurde das Experiment abgebrochen, Maximilian Beier dieses Mal als rechten Schienenspieler einzusetzen. Beier tauschte die Seiten mit Daniel Svensson – was beiden guttat. Und dem Spiel des BVB. Dennoch dauerte es bis zur 63. Minute, bis Dortmunds Leihspieler Ethan Nwaneri mit einem Fallrückzieher den BVB in Führung brachte. Allerdings nur scheinbar, weil Schiedsrichter Christian Dingert vorher ein Foul von Nico Schlotterbeck gesehen hatte.
BVB-Trainer Kovac echauffierte sich nachher darüber, dass Dingert die Situation gleich im Spiel abgepfiffen hatte, statt eine nähere Analyse des VAR abzuwarten. Tatsächlich war es eher so, dass Dortmund keine Mittel fand, mit dem Bremer Block umzugehen. „Es ist schwierig gegen einen tiefen Block zu spielen“, meinte Kovac nachher, „das hat man in den letzten Wochen auch bei anderen Mannschaften gesehen.“ Zugleich hat sich diese Erkenntnis als Binsenweisheit etabliert. Spitzenmannschaften haben die Mittel, mit geballter Defensive umzugehen. Der BVB hat sie zurzeit nicht.
So mussten das Spiel und seine Zuschauer bis zur 80. Minute warten, bis Dortmund den ersten eigenen Konter des Spiels zum späten Führungstor nutzte. Beier hatte den Ball erobert, der spät eingewechselte Konstantin Karetsas schlug einen endlos langen Pass auf Dortmunds Serhou Guirassy, der den eingewechselten Fábio Silva bedienen wollte. Silva allerdings trat ein Loch in die Stadionluft, der freistehende Svensson schob dafür den durchlaufenden Ball zum 1:0 ins Bremer Tor. Als vier Minuten später Nico Schlotterbeck mit einem Kopfball nach einer Ecke von Joey Veerman das 2:0 erzielte, schien die Partie ihr Ende gefunden zu haben.
Schlotterbeck, nach seiner Verletzung bei der Nationalmannschaft erstaunlich schnell genesen, fasste die Wahrnehmung fast aller im Stadion später dann auch so zusammen: „Wir hatten alles im Griff.“
Nur: Fußball wiederholt sich bekanntlich wie die Geschichte. Vor gut vier Jahren, im August 2022, hatte Bremen in Dortmund aus einem 1:2-Rückstand in der Nachspielzeit einen 3:2-Sieg gemacht. An diesem kühlen Freitagabend kam es ähnlich: Bremens Ludovit Reis bekam einen Fehlpass von Schlotterbeck in die Füße – und hatte plötzlich keinen Gegenspieler mehr vor sich. Mit dem 1:2-Anschlusstor in der 88. Minute war Dortmund offensichtlich überfordert. Vier Minuten später: Freistoß für Bremen, zentral, nahe der Strafraumlinie. Marco Grüll lupfte den Ball über die BVB-Linie hinweg, nur Füllkrug lief in diesen freien Raum und erzielte das 2:2.
„Das Spiel war siebzig Minuten lang nicht besonders attraktiv“, urteilte Bremens Coach Thioune nachher: „Aber wir wollten nicht unbedingt attraktiv aussehen, sondern uns schadlos halten.“ Sein Gegenüber Kovac fand, seine Mannschaft habe sich Bremen „zurechtgelegt“. Aber weder dies noch seine Schiedsrichterkritik konnten als Erklärung oder Entschuldigung so recht gelten. Die Euphorie des ersten Spieltags ist bei Dortmund jedenfalls nicht mehr zu spüren. Der BVB war mit vier Siegen in die Saison gezogen, aber das fußballerische Feuerwerk des Auftakts ist inzwischen wieder dem oft einfallslosen Dortmunder Fußball der vergangenen Saison gewichen. Da wurde die Borussia Meisterschaftszweiter, langweilte aber über weite Strecken das eigene Publikum.
Niclas Füllkrug wollte sich nachher noch entschuldigen: „Ich habe mein Tor für uns gemacht und nicht gegen Dortmund.“ Er möge den BVB sehr, er verfolge alle Spiele. Tatsächlich schritt Füllkrug nach der Partie brav zur Südtribüne und winkte ins Hardcore-Publikum des BVB. Nach dem Champions-League-Finale 2024 war Füllkrug in Dortmund Guirassy als Mittelstürmer vor die Nase gesetzt worden. Füllkrug hatte die Konsequenzen gezogen und sich an West Ham United in der Premier League abgeben lassen. Glücklich ist er dort nie geworden. Jetzt ist er zurück in Bremen. Bisher hat er vier Tore in fünf Spielen für Werder erzielt – doppelt so viele wie Guirassy für Dortmund. Da muss die kleine Schadenfreude schon mal erlaubt sein.
Nach dem Wagner-Experiment hat der FCA neues Selbstbewusstsein entwickelt. Vor dem Duell mit den Bayern spricht Geschäftsführer Ströll über Sticheleien aus Mainz, die Nähe zu München und einen Vorschlag für mehr Spannung im deutschen Fußball.
Lesen Sie mehr zum Thema
In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.
Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt! Jobs bei der SZ Digitale Medien
Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten :
Fonte: Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport