Schülerproteste in Frankreich: „Wir können nur unsere Stimme erheben“

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Por Von Alexandra Föderl-Schmid, Paris — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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Schülerproteste in Frankreich „Wir können nur unsere Stimme erheben“

9. Oktober 2026, 12:24 Uhr |

Lesezeit: 3 Min.

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Seit Wochen demonstrieren in Frankreich vor allem junge Menschen für bessere Bedingungen an Schulen. Tausende Schülerinnen und Schüler sowie Studierende marschierten am Donnerstag zur Place de la Bastille in Paris.
Seit Wochen demonstrieren in Frankreich vor allem junge Menschen für bessere Bedingungen an Schulen. Tausende Schülerinnen und Schüler sowie Studierende marschierten am Donnerstag zur Place de la Bastille in Paris. Foto: Aurelien Morissard/AP Photo

Zusammenfassung

  • Tausende Schüler und Studierende demonstrierten am Donnerstag in Paris für mehr Investitionen in die Bildung.
  • Die Protestierenden beklagen überfüllte Klassen, fehlende Lehrkräfte, veraltete Ausstattung und fortlaufende Budgetkürzungen im Bildungsbereich.
  • Besonders Jugendliche aus der Banlieue sehen sich benachteiligt und kritisieren zudem das Hochschulzulassungssystem Parcoursup sowie Polizeigewalt bei Protesten.

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Die Proteste von Schülern und Studierenden in Frankreich gehen weiter. Was treibt die Jugendlichen an? Hier einige Antworten, gesammelt am Rande von Demonstrationen in Paris.

Von Alexandra Föderl-Schmid, Paris

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Maxence Benard, 21 Jahre alt, studiert an der Sorbonne Geschichte

Maxence Benard
Maxence Benard Foto: Alexandra Föderl-Schmid

„Ich bin hier, weil es wichtig ist, unsere Solidarität mit allen Schülerinnen und Schülern zu zeigen. Auch wenn mich die Maßnahmen nicht direkt betreffen, weil ich nicht mehr auf der Schule bin, ist es mir sehr wichtig, meine Solidarität zu zeigen, weil ich selbst auf dem Gymnasium war. Das ist vier Jahre her. Ich weiß also, mit welchen Problemen sie jetzt konfrontiert sind.

Es ist auch wichtig zu zeigen, dass sich die verschiedenen Kämpfe überschneiden. Für viele junge Menschen ist es schwer, sich eine Zukunft vorzustellen, wegen der KI und der hohen Lebenshaltungskosten. Deshalb ist es auch entscheidend, dass Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und aus verschiedenen Altersgruppen demonstrieren, bis Veränderungen kommen. Das ist das Einzige, was wir tun können: Wir können nur unsere Stimme erheben. Denn es muss mehr Geld für Bildung geben.

Hier in Frankreich, unter der aktuellen Regierung, ist der wichtigste Haushaltsposten der Schuldendienst, und das ist ein starkes Symbol für den Bruch, den radikalen Wandel, der gerade stattfindet. Wir müssen durchsetzen, dass die Bildung an erster Stelle stehen muss, denn sie ist unsere Zukunft. Sich auf die Schulden zu konzentrieren, ist die falsche Antwort. Es geht nicht nur um unsere Zukunft als Studierende, sondern um die Zukunft Frankreichs. Investitionen in die Bildung werden unser Land langfristig stärker machen.“

Leny und Marley Clodomar, 17 und 16 Jahre, Schüler am Lycée Jean Macée, Vitry-sur-Seine

Leny (Mitte) und Marley Clodomar mit ihrer Mutter Sylvie
Leny (Mitte) und Marley Clodomar mit ihrer Mutter Sylvie Foto: Alexandra Föderl-Schmid

„Wir sind hier, weil wir aus der Banlieue sind. Wir haben das Gefühl, noch schlechter behandelt zu werden. Wir sind Gymnasiasten, wir brauchen Ressourcen. Wir haben zu wenig Lehrkräfte, ausgefallene Stunden werden nicht ersetzt. Die Lehrer machen auch zu viele Pausen. Das Gymnasium ist in einem bedauernswerten Zustand. Die Klassen sind viel zu voll, und im Sommer ist es in den Räumen unerträglich. Außerdem ist das System Parcoursup für die Hochschulzulassung katastrophal. All das muss geändert werden, das sind unsere Forderungen.“

Nils D., 23 Jahre, studiert Ingenieurswissenschaften an der Sorbonne in Paris, und Milo B., 20 Jahre, studiert Grafikdesign in Paris

Nils  und Milo.
Nils  und Milo. Foto: Alexandra Föderl-Schmid

Milo: „Ich studiere Grafikdesign, und wir sehen, dass unser Budget sehr gering ist. Wir arbeiten mit sehr alten Versionen unserer Software. Wir benutzen Adobe 2013, bei uns laufen noch Programme wie Windows 7 und manchmal sogar noch Windows XP. Es ist schwierig, unter solchen Bedingungen zu arbeiten und kreativ zu sein. Wir müssen außerdem Praktika finden. Die Budgets dafür werden auch fortlaufend gekürzt, sodass es schwierig ist, einen Platz zu finden. Wir laufen Gefahr, unser Studium in den nächsten Jahren nicht fortsetzen zu können, weil finanziell gekürzt wird. Das ist unser Hauptgrund, warum wir hier protestieren.“

Nils: „Das Budget in Frankreich für den Bildungsbereich wird immer stärker gekürzt. Wir nehmen das wie einen Witz wahr, so als würden wir nicht zählen. Ich meine, wir sind doch die Jugend, eigentlich die Zukunft des Landes. Die Politiker sagen das zwar, aber sie handeln nicht danach. Und das Geld, das an die Hochschule kommt, fließt in die Forschung, weil unsere Dozentinnen und Dozenten Forschende sind. Das kommt nicht bei uns an, den Studierenden.“

Norma, 17, und Camille, 18, Schülerinnen an einem Lycée im 19. Arrondissement in Paris

„In unserer Schule funktioniert so vieles nicht, wir haben nicht einmal Toilettenpapier. Die Schulen haben nicht genug Geld, das System finanziert Bildung nicht. Und dabei wird so viel Geld in unserem Land für das Militär ausgegeben. Auch unsere Klassen sind zu voll, wir waren viele Jahre 32 Schülerinnen und Schüler, jetzt sind wir 28. Wer aus der Schule geschmissen wird, hat dann auch keine Chance mehr, irgendwo anders einen Platz zu finden, es gibt keine Unterstützung. In den Banlieues ist die Situation noch viel schlechter, die haben nicht einmal genug Lehrer. Wir protestieren auch gegen die Polizeigewalt, das ganze Land ist entzweit. Es gibt zu viel Gewalt, das bekommen wir auch bei den Protesten zu spüren.“

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