Journalismus: Medienpreise für starke Geschichten und Recherchen verliehen

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Journalismus Medienpreise für starke Geschichten und Recherchen verliehen

6. Oktober 2026, 23:26 Uhr |

Lesezeit: 2 Min.

Der Preisträger des Theodor-Wolff-Preises und des Wächterpreises, von links nach rechts: Bastian Berbner, Marvin Ku, Jakob Schrenk, Erik Westermann und Karolina Benedyk.
Der Preisträger des Theodor-Wolff-Preises und des Wächterpreises, von links nach rechts: Bastian Berbner, Marvin Ku, Jakob Schrenk, Erik Westermann und Karolina Benedyk. Michael Brandt/dpa

Sie gehören zu den renommiertesten Auszeichnungen der deutschen Medienbranche. In diesem Jahr würdigen der Theodor-Wolff-Preis und der Wächterpreis Geschichten über Nähe, Herkunft und Sprache.

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Erstmals in der Geschichte der beiden renommierten Journalisten-Auszeichnungen Wächterpreis und Theodor-Wolff-Preis hat eine gemeinsame Jury über die Gewinner beider Preise entschieden. Bastian Berbner bekam in Berlin den mit 6000 Euro dotierten Wächterpreis für seinen Text „Ihre Bestellung wird … vorbereitet …“. Der investigative Beitrag in der Zeit beschreibt Beschaffungsvorgänge zwischen Rüstungsindustrie und Verteidigungsministerium.

Die Jury bescheinigte dem Autor einen „perfekten Text“ von hoher politischer und wirtschaftlicher Relevanz, wie der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) mitteilte. Über die „manchmal kafkaesk anmutenden“ Vorgänge habe der Autor eine „starke Recherche zum richtigen Zeitpunkt“ geliefert.

Preisträger des mit 10 000 Euro ausgestatteten Wächterpreis-Redaktionsstipendiums sind Erik Westermann und die Braunschweiger Zeitung, die Westermanns Beitrag „Im Bann des Opfers: Anatomie eines Justizversagens“ veröffentlichte. Die Jury habe den Text über einen Justizirrtum „atemlos gelesen“, hieß es. In dem Bericht schildert Westermann die Geschichte einer jungen Frau, deren Eltern nach ihren Missbrauchsvorwürfen 684 Tage unschuldig in Haft saßen. Neben der herausragenden Recherche hob die Jury die Zusammenarbeit mit der Lokalredaktion der Braunschweiger Zeitung hervor.

Theodor-Wolff-Preis in drei Kategorien

Die jeweils mit 6000 Euro dotierten Journalistenpreise des BDZV, die Theodor-Wolff-Preise, vergab die Jury in der Kategorie „Lokales und Zusammenhalt“ an Karolina Benedyk für ihren im Weser-Kurier erschienenen Text „Ein wahres Tandem“. Darin porträtiert sie zwei Freunde, von denen einer behindert ist, die gemeinsam Tandem fahren. Im Kleinen werde etwas Großes anschaulich beschrieben, befand die Jury. Der Text sei sprachlich herausragend, das Porträt mache „einfach froh“.

In der Kategorie „Gesellschaft und Dialog“ zeichnete die Jury Marvin Ku für seinen Beitrag „Nicht von hier“ für das Süddeutsche Zeitung Magazin aus. Laut Jury verbindet der Autor humorvoll und fundiert das eigene Erleben zum Begriff Migrationshintergrund mit der wissenschaftlichen und politischen Perspektive. Für seinen Essay „Das Ertrinken im Redefluss“, ebenfalls im Magazin der SZ erschienen, gewann Jakob Schrenk in der Kategorie „Zukunft und Verantwortung“ die Auszeichnung. Die Jury lobte, der Autor zeige den Wandel der Kommunikationskultur, „warnend, amüsant, präzise“.

Der Wächterpreis wurde seit 1969 von der von den Verlegerverbänden getragenen Stiftung „Freiheit der Presse“ vergeben. Ende 2025 übernahm der BDZV die Ausschreibung im Auftrag der Stiftung. Der originär vom BDZV vergebe Theodor-Wolff-Preis erinnert an den Chefredakteur des Berliner Tageblatts. Wolff floh 1933 vor den Nationalsozialisten nach Frankreich, wurde dort verhaftet und der Gestapo ausgeliefert. Er starb 1943 im Jüdischen Krankenhaus in Berlin.

Der Theodor-Wolff-Preis geht in diesem Jahr an die Journalistin Karolina Benedyk sowie die Journalisten Marvin Ku und Jakob Schrenk. Der mit jeweils 6000 Euro dotierte Theodor-Wolff-Preis wird vom Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) getragen. Er gehört zu den renommiertesten Auszeichnungen in der Medienbranche in Deutschland und erinnert an den langjährigen Chefredakteur des „Berliner Tageblatts“, Theodor Wolff (1868-1943). Der Preis wird seit 1962 jährlich verliehen.

Pörksen warnt vor dreifachem Druck auf Journalismus

Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen brachte als Redner eine Warnung vor einem dreifachen Druck auf den unabhängigen Journalismus für die Verleger mit: Populisten griffen ihn politisch an, KI-Angebote und automatisierte Zusammenfassungen erschwerten den Medien den Zugang zum Publikum. Zugleich gerieten Verlage wirtschaftlich unter Druck: Große Tech-Unternehmen zögen Werbeeinnahmen auf sich und konkurrierten mit journalistischen Medien um Aufmerksamkeit.

Als Antwort warb Pörksen für eine „redaktionelle Gesellschaft“, in der journalistische Grundsätze wie Quellenkritik, Verhältnismäßigkeit und das Anhören unterschiedlicher Perspektiven zur Allgemeinbildung gehören. Dafür brauche es mehr Medienbildung, ein eigenes Schulfach und eine wirksame Regulierung digitaler Plattformen. Auch der Journalismus müsse transparenter werden und stärker den Dialog mit dem Publikum suchen.

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