Übung am Albrecht-Dürer-Airport: Kampfflugzeuge starten in Nürnberg

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Por Von Florian Fuchs — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

Lesezeit: 3 Min.

Die Luftwaffe trainiert am zweitgrößten bayerischen Flughafen. Die Bundeswehr reaktiviert damit eine alte Taktik aus dem Kalten Krieg – auch vor dem Hintergrund der Bedrohung durch Russland.

Von Florian Fuchs

Ein Ausflug zum Besucherhügel des Nürnberger Flughafens könnte sich lohnen in dieser Woche. Es ist schon etwas Besonderes, dass die Bundeswehr von einem zivilen Flughafen aus fünf Tage lang Kampfjets starten und landen lässt. Grundsätzlich sind die Eurofighter aber öfter zu Besuch, etwa für Trainings mit der Flughafen-Feuerwehr. Und da hatten einige Hortkinder und ihre Betreuerinnen Glück im April, als einer der Piloten auf der Landebahn eine Extrarunde drehte, um die Schüler aus dem Cockpit heraus zu begrüßen. „Tolle Geste“, schrieb eine der Betreuerinnen dazu bei Instagram.

Sich in die Herzen der Bevölkerung zu fliegen, ist keine schlechte Idee der Kampfpiloten. Es gibt ja durchaus Kritiker, die sich vom Fluglärm gestört fühlen. Ganz grundsätzlich aber geht es der Bundeswehr darum, dass die eigentlich in Neuburg an der Donau stationierte Alarmrotte der Luftwaffe in Nürnberg bis Freitag die Zusammenarbeit mit einem zivilen Flughafen einübt. Das ist keine ganz neue Idee, aber eine, die die Bundeswehr angesichts der Bedrohung durch Russland wiederentdeckt hat und verstärkt wieder einführen will.

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„Dispersed Operations“, also „verteilte Operationen“, nennt die Luftwaffe die Taktik, auch von anderen Flughäfen als ihren eigentlichen Stützpunkten aus zu fliegen. „Verteile deine Kräfte, um zu überleben“, heißt die Idee hinter dem Nato-Konzept „Agile Combat Employment“. Flugzeuge, die auf wenige Basen konzentriert sind, heißt es in Informationsmaterial der Bundeswehr, seien ein leichtes Ziel. In heutigen Konflikten ziele der Angreifer immer zuerst auf die Luftwaffenstützpunkte des Gegners. Ein Treffer dort könnte Infrastruktur und mehrere Maschinen gleichzeitig ausschalten. Kleinere, bewegliche Einheiten, die häufig den Standort wechselten, seien dagegen schwerer zu bekämpfen.

Früher gab es in der Bundesrepublik zahlreiche Haupt- und Ausweichflugplätze, allein in Bayern etwa nahe Memmingen, in Penzing, Erding und Neubiberg. Selbst Starts und Landungen auf Autobahnen gehörten zum Standardtraining für Kampfpiloten, auch in anderen europäischen Ländern. Mit dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts fanden solche Übungen immer seltener statt, im wiedervereinigten Deutschland gar nicht mehr. Die Nato, erläutert die Bundeswehr, habe ihre Kräfte lieber konzentriert. „Diese Ära ist vorbei.“

Und deswegen trainiert diese Woche das taktische Luftwaffengeschwader 74 aus Neuburg an der Donau, dem einzig verbliebenen, dauerhaft stationierten Kampfverband der Luftwaffe in Bayern, am Nürnberger Flughafen. Bayerns zweitgrößter Airport arbeitet seit längerem mit der Luftwaffe als sogenannter Ausweichflughafen zusammen und wird regelmäßig für kleinere Übungen, militärische Verlegungen und Großtransporte genutzt. 4,51 Millionen Passagiere wurden am Albrecht-Dürer-Airport im vergangenen Jahr abgefertigt. Der Flugbetrieb der Passagiermaschinen ist durch die Übung der Bundeswehr allerdings nicht beeinträchtigt, es geht ausdrücklich darum, Abläufe zu trainieren und die Zusammenarbeit mit zivilen Institutionen zu optimieren.

Vier Eurofighter stationiert die Bundeswehr dafür kurzzeitig am Nürnberger Flughafen, insgesamt sind 74 Starts und Landungen geplant, die die Kampfpiloten fliegen sollen. Die Eurofighter, stellt der Flughafen klar, werden nicht bewaffnet sein. Der eigentliche Übungsraum befinde sich nicht über Nürnberg, auch Tiefflüge seien nicht vorgesehen.

Die deutsche Luftwaffe hat in diesem Jahr sechs solche Übungen an verschiedenen zivilen Flughäfen in Deutschland geplant, zuletzt im Sommer etwa in Hamburg. Laut Bundeswehr werden Kampfjets dabei an den Airports betankt und technisch geprüft, bevor sie wieder starten. „Das klingt nach Routine, ist es aber nicht.“

Die Zusammenarbeit mit Technikern, die Kommunikation mit dem Flughafen, das notwendige Material – alles müsse bereitstehen und reibungslos funktionieren. Militärische Abläufe passten eigentlich nicht zu Sicherheit, Lärmschutz und Taktung an Passagierflughäfen.  Ziel der einwöchigen Übung in Nürnberg ist also, dass beide Seiten die Abläufe des jeweils anderen verstehen lernen.

Deutschland, das betonen Politik und Bundeswehr seit Längerem immer wieder, stehe im Bündnisfall als Drehscheibe für Truppenbewegungen aus ganz Europa im Fokus. Die Luftwaffe passt ihr Training aufgrund der veränderten sicherheitspolitischen Lage stetig an, erst vergangenes Jahr nahm die Bundeswehr wieder Tiefflüge unter 150 Metern in ihr Übungsprogramm auf. In Bayern ist dafür eine Zone im südlichen Mittelfranken und nördlichen Schwaben ausgewiesen.

Kleinere Einheiten an verteilten Stützpunkten, heißt es bei der Bundeswehr, machten die Verteidigung allerdings auch verwundbarer und die Logistik aufwendiger. Treibstoff, Munition und Ersatzteile müssten verteilt werden. Zivile Flughäfen verfügten nicht über militärische Schutzinfrastruktur wie Bunker. Übungen wie diese Woche in Nürnberg sollen also auch aufzeigen, wo nachgebessert werden muss.

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