DFB-Debütant Philipp Treu: Die Entdeckung aus dem gar nicht so fernen Baden
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DFB-Debütant Philipp Treu Die Entdeckung aus dem gar nicht so fernen Baden
25. September 2026, 13:12 Uhr |
Lesezeit: 3 Min.
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Hat Deutschland womöglich gar kein Problem auf der rechten Abwehrseite? Der Freiburger Philipp Treu überzeugt in seinem ersten DFB-Einsatz als furchtloser Außenbahnspieler – und zählt selbst noch Alternativen auf.
Von Philipp Selldorf, Amsterdam
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P hilipp Treu war da und Julian Nagelsmann war da. In einer regnerischen Nacht in Istanbul. Der Bundestrainer gehörte einer Delegation des DFB an, die den SC Freiburg beim Europa-League-Endspiel gegen Aston Villa im Besiktas-Park unterstützte, aber letztlich war Nagelsmann zur falschen Zeit am falschen Ort. Nicht weil der Sportclub dem überlegenen Premier-League-Vertreter 0:3 unterlegen war und es nichts zu feiern gab, sondern weil Philipp Treu ungewohnterweise auf der linken Seite eingesetzt wurde, wo er mit seinem schottischen Gegenspieler John McGinn einen ungemütlichen Abend verbrachte. Es hätte mindestens zwei Dutzend bessere Gelegenheiten gegeben, um im Dienst der Nationalmannschaft einen Blick auf den Außenverteidiger Treu zu werfen. Aber diese Gelegenheiten zum Ortstermin hatte der Bundestrainer allesamt ausgelassen oder auch: verschmäht.
Der Name Nagelsmann fiel zwar nicht, als Treu am Donnerstag in der Johan-Cruyff-Arena Auskunft über sein gelungenes 90+3-Minuten-Debüt als Nationalspieler gab, zugleich war der Name allzeit gegenwärtig. An diesem Abend ging es ja unter anderem um die Frage, die seit Philipp Lahms Rücktritt im Jahr 2014 für den deutschen Fußball angeblich so kompliziert war wie die Yang-Mills-Gleichung für die Mathematik. Oder handelte es sich etwa gar nicht um ein Millennium-Problem? Könnte man womöglich, wie es Jürgen Klopp angekündigt hatte, einfach einen Spieler auf diese Position setzen, der sich mit beständigen Leistungen in Liga und Europacup hervorgetan hat – obwohl dieser Spieler nicht beim FC Bayern oder wenigstens bei einem Champions-League-Klub spielt?
Als Klopp neulich bei der Nominierung seines Kaders auf das seit Jahren beklagte, anscheinend unlösbare Positions-Problem zu sprechen kam, hat er die Frage einfach umgedreht: Was soll sich denn Philipp Treu denken, wenn er immer hört, in Deutschland gebe es keine Rechtsverteidiger? Möglicherweise dachte der Coach auch an sich selbst und wie er eine vergleichbare Aufgabe damals bei Borussia Dortmund gelöst hatte, als Ende der Nullerjahre Leonardo Dedés Ruhestand abzusehen war. Klopp ließ aus der zweiten BVB-Mannschaft den 21-jährigen Marcel Schmelzer kommen, schon hatte er seine Lösung.
So eine Spielerwahl ist eine Frage von Vertrauen, Fantasie und Neugier – und von der Bereitschaft, dem Risiko eine Chance zu geben und Entdeckungen zu machen. Was für einen Bundestrainer eigentlich selbstverständlich sein sollte, bedeutete für Philipp Treu eine neue Erfahrung: „Das ist natürlich cool zu hören, dass jemand die Augen aufgemacht und mal nach Freiburg geguckt hat“, sagte er in Amsterdam, und es war klar, wen er außer Klopp damit meinte.
„Wir pushen uns gegenseitig“, sagt Treu über den Konkurrenzkampf mit Josha Vagnoman und Ridle Baku
Den Satz konnte jeder sofort als kritischen Kommentar verstehen, er blieb trotzdem eine Randbemerkung. An diesem Abend hat Treu nicht an Genugtuung gedacht, das ist wohl ohnehin nicht seine Art, und das Erlebnis des ersten Länderspiels war auch viel zu groß und zu schön, um sich mit Vergangenem und den Versäumnissen eines ehemaligen Bundestrainers aufzuhalten. Er hatte jetzt ganz andere Probleme zu bewältigen. Wohin mit dem Trikot? „Das wird irgendwo aufgehängt, vielleicht im Wohnzimmer“, sinnierte Treu, doch zunächst müsse er „die Freundin mal fragen, ob es da hängen darf“. Vorher natürlich „erst mal waschen“.
Angst oder Nervosität habe er vor der Partie „überhaupt nicht gehabt“, sagte Treu, und beeindruckt von dem großen Namen seines Gegenspielers sei er schon mal gar nicht gewesen: „Ganz im Gegenteil. Für mich ist das irgendwie Extra-Motivation, wenn ich weiß: Hey, mein Gegenspieler ist heute Cody Gakpo. Jürgen Klopp hat zu mir gesagt: Offensiv kann der gut kicken, aber defensiv hat er nicht so Lust, nach hinten zu arbeiten.“

Tatsächlich wurde es ein mühseliger Abend für den Angreifer des FC Liverpool. Treu, der in der B-Jugend bei RB Leipzig von Sebastian Hoeneß trainiert und später in der Freiburger Schule ausgebildet wurde, marschierte unerschrocken die Linie rauf und die Linie runter, hin und zurück, immer wieder, so wie daheim beim Sportclub. „Defensiv habe ich ihn genervt, er hatte immer wieder weite Wege nach hinten“, sagte Treu. Am Ende triumphierte zwar Gakpo als Schütze des 1:1, doch dafür brauchte sich sein Freiburger Gegenspieler nicht zu rechtfertigen. Der Ablauf seines Einstands lässt die Hoffnung zu, dass die Nationalmannschaft an diesem Abend eine Lücke geschlossen hat.
Zumal da Philipp Treu der gleichen Denkschule anhängt wie Jürgen Klopp. „Wir haben nicht geguckt, was wir nicht haben, sondern geguckt, was haben wir“, hatte der Bundestrainer gesagt. Für die rechte Seite gebe es, so meinte jetzt auch Philipp Treu, einige weitere plausible Kandidaten, und mit großem Enthusiasmus rief er einen Konkurrenzkampf aus, den es bis zur WM leider nie gegeben hatte: „Josha ist ein absoluter Topspieler und ein super Rechtsverteidiger“, zählte Treu auf und meinte den Stuttgarter Josha Vagnoman. „Ich glaub’, wir pushen uns gegenseitig. Ich kann mich erinnern, wie er sein Tor gegen Bayern schoss und ich dachte: Scheiße, jetzt macht der sein Tor – aber so pushen wir uns und so soll es auch sein. Nicht nur Josha, sondern auch Ridle Baku. Jeder versucht an sein Limit zu gehen, so verschiebt man seine Grenzen.“ Der Bundestrainer hat zumindest schon mal die Grenze ins Badener Land geöffnet.
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Fonte: Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport