Luftfahrt: Condor steht vor einem komplizierten Umbau

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Por Von Jens Flottau, Frankfurt — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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Luftfahrt Condor steht vor einem komplizierten Umbau

25. September 2026, 10:56 Uhr |

Lesezeit: 3 Min.

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Die Fluggesellschaft Condor hat dramatische Jahre hinter sich.
Die Fluggesellschaft Condor hat dramatische Jahre hinter sich. Arne Dedert/dpa

Mit der vollständigen Übernahme durch einen Finanzinvestor  beginnt für Condor eine neue Phase. Die Ferienfluggesellschaft muss nun sparen, neue Strecken aufbauen und einen Partner aus der Branche gewinnen.

Von Jens Flottau, Frankfurt

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Diese Woche ließ sich live beobachten, wie sich die einstige Ferienfluggesellschaft Condor in Windeseile verändert. Zuerst kündigte sie am Dienstag an, die Flüge von Berlin und Stuttgart nach Dubai angesichts der „herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ im Winter einzustellen, auch wenn schon viele Passagiere gebucht hatten. Und am Mittwoch verkündete sie für 2027 neue Ziele in Europa: Stockholm, Florenz und Athen – Ziele, die für Urlauber, Geschäftsreisende und vor allem Umsteiger attraktiv sein sollen.

Am Freitag verschickte Condor dann die wichtigste Mitteilung der Woche: Mehrheitseigner Attestor zog kurz vor dem Stichtag 30. September die Option, die restlichen 49 Prozent an der Fluglinie zu übernehmen. Und nun muss Attestor hoffen, dass der „Zukunftspakt“, den Condor-Chef Peter Gerber den Mitarbeitern gerade vorgestellt hat, wirkt. Erst dann dürfte der Attestor-Plan, bald einen strategischen Investor als Minderheitseigner bei Condor aufzunehmen, Aussichten auf Erfolg haben.

Condor-Chef Peter Gerber will Zugeständnisse von den Beschäftigten.
Condor-Chef Peter Gerber will Zugeständnisse von den Beschäftigten. Soeren Stache/dpa

Condor hat dramatische Jahre hinter sich. Kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie ging der damalige Eigentümer Thomas Cook pleite, Condor rettete sich mit Mühe und Not in eine Insolvenz in Eigenverwaltung und flog weiter. Die Pandemie selbst überlebte die Fluggesellschaft dank großzügiger Hilfen des Bundes und des Landes Hessen. 2022 stieg der Finanzinvestor Attestor ein und investierte insgesamt 450 Millionen Euro an Eigenkapital und in die längst überfällige Erneuerung der Flotte. Bund und Land parkten ihre 49 Prozent in einer Zweckgesellschaft namens SG Luftfahrtgesellschaft.

Attestor hatte realistisch gesehen keine andere Möglichkeit, als Condor zeitweilig ganz zu übernehmen, insbesondere, wenn tatsächlich ein großer Airline-Konzern als Partner gewonnen werden soll. Die Konditionen der Übernahme sind vertraglich geregelt, aber vertraulich. Immerhin so viel ist bekannt: Es gibt einen fixen Kaufpreis und darüber hinaus einen Besserungsschein, über den der Bund und das Land Hessen am wirtschaftlichen Erfolg der Condor beteiligt werden sollen – denn beim Attestor-Einstieg hatten die beiden auf Geld verzichtet.

Condor geht es finanziell nicht gut

Der Wert des Besserungsscheins wird auf der Grundlage des wirtschaftlichen Ergebnisses des Geschäftsjahres 2025/26 berechnet, das am 30. September endet. Es dürfte also noch einige Monate dauern, bis feststeht, wie viel genau Attestor für Condor zahlen muss. Attestor selbst möchte sich zu den Themen nicht öffentlich äußern. Die Übernahme soll bis zum 31. August 2027 vonstattengehen.

Was allerdings jetzt schon klar ist: Condor geht es derzeit nicht gut. Die Fluglinie hat zwar im Geschäftsjahr 2024/25 operativ schwarze Zahlen geschrieben, unter anderem wegen der Zinsen für Attestor-Kredite, aber unter dem Strich Verluste gemacht. Seit April belasten die Airline – wie alle anderen Fluggesellschaften – die enorm gestiegenen Treibstoffkosten, die sie so schnell gar nicht an die Kunden durchreichen konnte. Zwar hat Condor den Preisanstieg durch Sicherungsgeschäfte (Hedging) etwas abgepuffert, doch der Effekt wird über die Zeit immer geringer, weil ein kleinerer Anteil des Bedarfs abgesichert ist und das Hedging selbst teurer wird. Das operative Ergebnis wird also vermutlich massiv leiden.

Das ist der Kern von Gerbers Sparprogramm: Jeweils 100 Millionen Euro will er im Geschäftsjahr 2026/2027 einsparen, je 35 Millionen Euro sollen die Mitarbeiter beitragen. „Die im Zukunftspakt vorgesehenen Maßnahmen sollen dazu beitragen, die wirtschaftlichen Ziele des Unternehmens zu erreichen und seine Zukunft abzusichern“, so schreibt Condor. „Die weitere Ausgestaltung und Umsetzung erfolgen im Rahmen der vereinbarten Prozesse und in enger Abstimmung mit den zuständigen Gremien sowie den Sozialpartnern.“

Zugeständnisse der Mitarbeiter sollen auf zwei Jahre begrenzt und betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sein. Condor hat sich nach eigenen Angaben mit den zuständigen Verhandlungspartnern „grundsätzlich auf einen Zukunftspakt verständigt“.

Die Kerosinkrise – der Marktpreis hat sich in den vergangenen Monaten mehr als verdoppelt – trifft Condor zur Unzeit. Denn nachdem Lufthansa die Zusammenarbeit bei den Zubringerflügen nach Frankfurt aufgekündigt hat, muss sich Condor mühsam ein eigenes Zubringernetz aufbauen – siehe Athen, Stockholm und Florenz. Selbst innerdeutsch fliegt sie, etwa von München, Berlin und Hamburg nach Frankfurt. Das alles kostet viel Geld. Helfen könnte der für 2027 geplante Umzug ins neue Terminal 3 am Frankfurter Flughafen, wo praktisch alle Airlines andocken, die nicht mit Lufthansa kooperieren. Dort kann Condor dann mit vielen Umsteigern anderer Fluglinien rechnen.

Idealerweise könnte sich dann über die Zeit auch ein neuer Anteilseigner finden. Condor-Chef Gerber hält schon seit Langem einen strategischen Investor aus der Branche für nötig. Auf Dauer ist die Airline zu klein, zumal wenn sie direkt mit der Lufthansa konkurriert und ein eigenes Drehkreuz in Frankfurt aufbauen will.

Doch wer könnte das sein? Die drei großen europäischen Flugkonzerne Lufthansa, Air France-KLM und International Airlines Group (IAG) konkurrieren sich seit geraumer Zeit nicht mehr direkt an ihren Hauptbasen, sie haben den Markt aufgeteilt. Air France-KLM und Lufthansa kämpfen allerdings derzeit um TAP Air Portugal, die privatisiert werden soll.

Gerber hat selbst Fluglinien aus dem Nahen Osten als Möglichkeit ins Gespräch gebracht. Doch Emirates ist traditionell zurückhaltend mit solchen Investitionen, Etihad hat sich bei Air Berlin die Finger verbrannt, und bei Qatar Airways muss sich nach mehreren Führungswechseln die Strategie noch zurechtruckeln. Auch die Gesellschaft Turkish Airlines, die schon in die spanische Air Europa investiert hat, wäre eine denkbare Option. Aber auch für sie würde Condor Kapital außerhalb des Kerngeschäfts binden.

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