Reaktionen auf tödlichen Wiesn-Unfall: „Unser ganzes Team ist geschockt und entsetzt“
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Reaktionen auf tödlichen Wiesn-Unfall „Unser ganzes Team ist geschockt und entsetzt“
22. September 2026, 15:02 Uhr |
Lesezeit: 3 Min.

Zusammenfassung
- Ein 52-jähriger Security-Mitarbeiter starb am Montagabend am Freefall-Tower „Hangover" auf dem Oktoberfest, als er von der herabsausenden Gondel getroffen wurde.
- Die Polizei geht von einem Unfallgeschehen aus, da sich der Mann mutmaßlich in einem Bereich befand, in dem er sich nicht hätte aufhalten sollen.
- Das Fahrgeschäft bleibt vorerst geschlossen, bis Gewerbeaufsichtsamt und TÜV Süd alle Sicherheitsaspekte genauestens geprüft haben.
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Am Tag nach tödlichen Unfall eines Mitarbeiters an einem Freefall-Tower auf dem Oktoberfest zeigen sich die Betreiber, andere Schausteller sowie Politiker betroffen. Und alle fragen sich: Wie konnte es bloß dazu kommen?
Von Jacqueline Lang und Joachim Mölter
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A uf den ersten Blick ist es ein gewohntes Bild: Kurz vor 10 Uhr stehen auf der Wiesn alle Fahrgeschäfte still – der Festplatz macht ja erst noch auf. Auf den zweiten Blick ist es aber doch kein gewöhnlicher Wiesntag: Der Freefall-Tower „Hangover“ steht an diesem Dienstag nämlich auch dann noch lange still, als die Menschenmassen auf das Gelände geströmt sind. Der Grund: ein tragischer Unfall, der sich am Vorabend gegen 21.50 Uhr an diesem Fahrgeschäft ereignet hat. Ein 52-jähriger Security-Mitarbeiter ist dabei ums Leben gekommen.
Nach ihren ersten Erkenntnissen gehen die für Betriebsunfälle zuständigen Beamten der Münchner Kripo von einem „Unfallgeschehen“ aus, wie es Polizeisprecher Thomas Schelshorn formuliert. Demnach habe sich der Mitarbeiter mutmaßlich in einem Bereich befunden, in dem er sich nicht hätte befinden sollen. Als die Gondel samt Fahrgästen aus 85 Metern Höhe mit bis zu 90 Kilometern pro Stunde gen Boden sauste, sei der Mann von ihr getroffen und eingeklemmt worden. Mit schwersten Verletzungen und unter laufender Reanimation sei er ins Krankenhaus gebracht worden, wo er wenig später starb.
Yvonne Heckl, Pressesprecherin der Schausteller, steht am Dienstagmorgen am Unfallort, gefasst, aber sichtlich berührt. Sie sei von den Behörden informiert worden und dann gleich zum Hangover geeilt, erzählt sie. Augenzeugin sei sie damit keine. Als sie angekommen sei, habe sie jedoch mitbekommen, wie das Kriseninterventionsteam „sensationelle Arbeit“ leistete. Es betreute Besucher des Fahrgeschäfts ebenso wie Mitarbeitende, aber auch unbeteiligte Augenzeugen des Unfalls.
Wie es nun weitergeht, weiß auch Heckl am Dienstagmittag noch nicht. Sicher sei: Es werde alles noch einmal genauestens geprüft, unter anderem durch das Gewerbeaufsichtsamt und den TÜV Süd. Erst dann werde das Fahrgeschäft wieder freigegeben. Theoretisch bestünde danach zwar die Möglichkeit, dass das Fahrgeschäft trotzdem geschlossen bleibt, praktisch ist das jedoch unwahrscheinlich: Bei aller Trauer geht es auf der Wiesn auch um viel Geld.
Die Betreiberfamilie Schneider, die mit dem Hangover seit 2022 auf der Wiesn steht, äußert sich selbst nicht direkt. In einer Pressemitteilung schreibt ihr Sprecher: „Unser ganzes Team ist geschockt und entsetzt.“ Man arbeite eng mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen, um die Frage zu klären, „wie es zu diesem für die Schaustellerfamilie einmaligen Vorfall habe kommen können und welche Konsequenzen gegebenenfalls zu ziehen seien“.
Peter Bausch, Vorsitzender vom Münchner Schausteller Verein, betont auf die Frage nach der Sicherheit, wie hoch die Standards in Deutschland und damit auch auf dem Oktoberfest seien. Das Hangover-Geschäft selbst wirbt auf seiner Homepage damit, dass es TÜV-geprüft sei nach DIN EN 13184. Diese Norm regele die Sicherheit von Fahrgeschäften und Vergnügungsanlagen, teilt der TÜV Süd auf Anfrage mit: „Die Vorgaben umfassen Planung, Bau, Betrieb, Instandhaltung und Prüfung.“
Eine Standlbetreiberin legt eine rote Rose vor das Kassenhäuschen
Den letzten tödlichen Unfall auf dem Oktoberfest hatte es 2024 gegeben, als ein Mitarbeiter des Olympia-Loopings bei einer Testfahrt einige Tage vor der Eröffnung von einem Achterbahnzug erfasst wurde. Dass nun wieder jemand gestorben ist, sei tragisch. „Die Betroffenheit ist wirklich sehr groß“, so Bausch. Am Donnerstagmorgen beim Schaustellergottesdienst im Marstall-Festzelt soll des verstorbenen Mitarbeiters gedacht werden.
Auf dem Gelände herrschte am Dienstag wieder reges Treiben. Einige Besucher posierten sogar vor dem stillstehenden Tower. Dass hier am Vorabend ein Mensch gestorben ist, hat sich offensichtlich nicht überall herumgesprochen. Fragt man nach, wissen zumindest die umliegenden Schausteller Bescheid, geben aber an, am Abend nicht vor Ort gewesen zu sein, teilen sie sich die langen Tage doch in Früh- und Spätschicht auf. Die Betreiberin eines Lebkuchenstands von gegenüber legt still eine rote Rose vor das Kassenhäuschen des Hangovers.
Beileidsbekundungen kommen auch von offizieller Seite. Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) teilt mit, er habe „mit Bestürzung“ von dem tödlichen Unfall erfahren: „Meine Gedanken sind bei der Familie des verunglückten Mannes und den Mitarbeitenden des Fahrgeschäfts.“ Wiesnchef Christian Scharpf (SPD) sagt: „Dieser schreckliche Unfall hat uns ins Bewusstsein gerufen, wie nah Freude und Leid beieinander liegen können.“ Auch sein Mitgefühl gelte den Hinterbliebenen des Mannes und den Mitarbeitenden des Fahrgeschäfts. Beide bedankten sich bei den Einsatzkräften für ihr schnelles Eingreifen.
Wiesn-Besucherin Annette Vorbauer, die gerade auf dem Weg in die Wildstuben ist, ist am Montagabend in einem anderen Freefall-Tower auf der Wiesn gesessen, unweit vom Hangover. Davon erfahren, dass ebendort ein Mensch ums Leben gekommen ist, hat sie erst am Dienstagmorgen. Wie das passieren konnte, versteht sie nicht und schüttelt ungläubig den Kopf: „Man bremst ja rechtzeitig ab.“
Tatsächlich wird die mit 24 Sitzplätzen bestückte Gondel in aller Regel nach ihrem freien Fall bereits einige Meter vor der Erde abgebremst, ehe sie sanft landet. An diesem Dienstag steht das Fahrgeschäft aber zunächst ganz still – während die Wiesn drum herum ihren gewohnten Gang geht.
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Fonte: Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport