CDU: Bringt die CDU noch genug Geduld auf für Friedrich Merz?

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Por Von Meredith Haaf, Nicolas Richter, Henrike Roßbach und Jana Stegemann, Schwerin, BerlinTop – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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CDU Bringt die CDU noch genug Geduld auf für Friedrich Merz?

21. September 2026, 5:07 Uhr |

Lesezeit: 4 Min.

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Betroffenheit und Stille bei der CDU.
Betroffenheit und Stille bei der CDU. Gregor Fische/AFP

Zusammenfassung

  • Die CDU scheitert in Mecklenburg-Vorpommern erstmals in ihrer Geschichte an der Fünf-Prozent-Hürde und verliert in Berlin deutlich gegen die Linke.
  • Kanzler Merz nennt das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern ein "Desaster", will aber als Parteichef und Kanzler weitermachen – und an seinem Reformkurs festhalten.
  • Die Gremiensitzungen diesen Montag werden zeigen, ob die Partei noch Geduld für Merz hat.

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Die CDU erlebt ein Desaster in Mecklenburg-Vorpommern und eine Niederlage gegen die Linke in Berlin. Friedrich Merz hat sich trotzdem festgelegt: auf sich selbst, als Kanzler und Parteichef. Die Frage ist: Wie lange geht das gut?

Von Meredith Haaf, Nicolas Richter, Henrike Roßbach und Jana Stegemann, Schwerin, Berlin

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Gegen 21 Uhr hat sich die Wahlparty der CDU im Schweriner „Tanzstudio Schlebusch“ schon nahezu aufgelöst. Das Büffet ist noch prall gefüllt mit Tomate-Mozzarella-Sticks und Gläschen mit Roter Grütze, offensichtlich war kaum jemand in der Laune oder in der Lage, etwas zu essen. Manche harren noch aus, weil der glücklose Spitzenkandidat Daniel Peters angekündigt hatte, später am Abend nochmal vorbeizuschauen. Aber die meisten haben längst genug.

Plötzlich läuft jemand mit seinem Smartphone durch den Raum und ruft: „Vier Komma acht, Vier Komma acht!“ Er hat soeben neue Zahlen im Netz gesehen. 4,8 Prozent – damit wäre die CDU nicht mehr im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern vertreten. Die Zahlen lassen sich zunächst nicht bestätigen. Aber es hört ohnehin kaum noch jemand hin.

Ein geschichtsträchtiges Ergebnis

Die Niederlage ist so umfassend für die staatstragende Partei CDU, dass es vielen hier längst die Sprache verschlagen hat. Als um 18 Uhr erste Zahlen im Fernsehen genannt wurden, herrschten Betroffenheit und Stille. Die CDU, hieß es da in der ARD, werde es „mutmaßlich“ gerade so in den Landtag schaffen. Wenig später erklärte Spitzenkandidat Peters, er sei emotional sehr angefasst, die Partei befinde sich gerade noch im „Überlebenskampf“, erst später am Abend werde man wissen, ob die CDU es wirklich in den Landtag geschafft habe.

Es gab höflichen Applaus für Peters, aber allen war zu diesem Zeitpunkt klar, dass sie hier gerade exakt das erleben, was der Kanzler und CDU-Vorsitzende kurz zuvor in der Parteizentrale in Berlin „ein Desaster“ genannt hatte. Am Abend verdüsterte sich die Lage sogar noch, als nach Auszählung aller Wahlkreise feststand, dass die CDU erstmals in ihrer Geschichte an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert ist.

Merz will jetzt „Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld“ aufbringen

Auch für das Wahlergebnis in Berlin hatte Friedrich Merz bei seinem Auftritt am Abend schon eine Bewertung parat gehabt. „Ordentlich“ sei es ausgefallen, befand er, obwohl die CDU es mit deutlichem Abstand zur Linken nur auf den zweiten Platz geschafft hat.

Vor dem Wahlabend war viel davon die Rede gewesen, was ein schlechtes Wahlergebnis für Merz bedeuten würde. Würde er als Kanzler zurücktreten? Oder vielleicht „nur“ als Parteichef? Am Wahlabend machte er nun deutlich, dass er nichts dergleichen zu tun gedenke. „Was jetzt zu tun ist, erfordert Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld“, sagte Merz stattdessen bei seinem Auftritt. „Ich werde das aufbringen. Als Parteivorsitzender der CDU und vor allem als Bundeskanzler unseres Landes.“

Gremiensitzungen an diesem Montag dürften Stimmungsbild abgeben

Die entscheidende Frage der kommenden Tage aber dürfte weniger die sein, was Merz alles aufzubringen in der Lage ist. Sondern vielmehr, ob seine Partei noch genügend Geduld mit ihm aufbringen kann.

An diesem Montag kommen wie immer nach einer Wahl die Parteigremien im Konrad-Adenauer-Haus zusammen; für den späten Mittag ist die übliche Pressekonferenz mit dem Vorsitzenden und den Spitzenkandidaten angesetzt. Wenn Merz dann mit Peters und dem Berliner Kandidaten Stefan Evers auf der Bühne im Atrium der Parteizentrale steht, wird man erfahren, ob Merz mit Rückenwind aus den Gremiensitzungen hervorgegangen ist – oder ob die Mächtigen in der Partei ihn angezählt haben.

Auf der Wahlparty der Berliner CDU hatten sie Merz’s Auftritt live verfolgt – schweigend. Als er beim „Desaster“ von Mecklenburg-Vorpommern angekommen war, nickten einige mit betroffener Miene. Applaus brandete auf, als Merz den Berliner Spitzenkandidaten Evers dafür lobte, kurzfristig „diese schwierige Aufgabe“ übernommen zu haben.

„Ordentlich“ ist Auslegungssache

Doch was Merz mit Blick auf das Berliner Ergebnis „ordentlich“ nannte, bedeutet für die dortige CDU-Fraktion, dass sie nur noch auf 35 Sitze im Abgeordnetenhaus kommt – bisher hatte sie 52. Zwar wäre eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD zumindest rechnerisch noch möglich. Sollten sich Grüne und SPD aber für die Linke entscheiden, würde die CDU das Rote Rathaus verlieren.

Merz hat am Sonntagabend in seiner Ansprache trotzdem deutlich gemacht, dass er nicht weichen und an seinem Reformkurs festhalten wolle. „Die Reformen müssen kommen“, sagte er. Aus der Schwesterpartei gab es Zuspruch: „Diese Wahlergebnisse ändern nichts am Reformbedarf in diesem Land“, sagt CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann.

Schwesig verlangt „mehr Demut“ von Merz

Auf der Wahlparty der Berliner CDU haben sie das „Weiter so“ des Kanzlers ebenfalls vernommen. „Na, das klang jetzt nicht so, als würde er irgendwas anders machen wollen“, sagte einer, der nicht mehr damit rechnet, im Abgeordnetenhaus künftig noch dabei zu sein.

Noch weniger begeistert klang Manuela Schwesig, die nach ihrer Aufholjagd in Mecklenburg-Vorpommern die neue starke Frau des Koalitionspartners SPD werden dürfte. Sie verlangte von Merz direkt am Wahlabend „mehr Demut“, statt mit seinem Reformkurs einfach weitermachen zu wollen.

Für Merz ergibt sich daraus eine schwierige Situation: Sollte die SPD ihn zu Abstrichen am Reformkurs zwingen, würde er in seiner eigenen Partei, wo Strukturreformen insbesondere in den Sozialversicherungen mehrheitlich für notwendig gehalten werden, noch stärker unter Druck geraden als ohnehin schon.

„Christdemokratie hat sehr deutliche Ansage bekommen“

In den Gremiensitzungen wird Merz an diesem Montag sicherlich zu hören bekommen, ob seine Ansprache vom Wahlabend ihm Respekt eingebracht und Luft verschafft hat – oder ob er bei seinen Kritikern womöglich sogar das Gegenteil erreicht hat. Klar ist jedenfalls, dass Merz sich festgelegt hat – auf sich selbst und darauf, der CDU keinen vorzeitigen Übergang zumindest beim Parteivorsitz anzubieten.

In der Schweriner Tanzschule, beim CDU-Wahlabend, harrt um kurz nach 21 Uhr noch Rafael Bieber aus. Er ist 15 Jahre alt und Mitglied der Jungen Union in Mecklenburg-Vorpommern, er trinkt stilles Wasser. Sein großes Vorbild ist Philipp Amthor, der bekannteste CDU-Mann aus Mecklenburg-Vorpommern, und man tritt Bieber nicht zu nahe, wenn man feststellt, dass er auch als Amthors kleiner Bruder durchgehen könnte.

Als die Zahl von 4,8 Prozent kursiert, sagt Rafael Bieber lakonisch: „Wird akzeptiert, Wählerwille.“ Er will nicht aus der Partei austreten, jetzt doch erst recht nicht, sagt er. Aber er findet: „Die Christdemokratie hat eine sehr deutliche Ansage von den Bürgern bekommen.“ Dann verabschiedet er sich sehr höflich mit Handschlag, morgen früh ist schließlich Schule.

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Fonte: Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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