Oktoberfest: Söders einstiges Schreckensbild ist jetzt Realität geworden

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Por Von Linus FreymarkTop – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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Ein grüner Oberbürgermeister eröffnet tatsächlich erstmals das Oktoberfest. Von einstigen kulinarisch-ideologischen Gräben ist beim Anzapfen nur noch wenig zu spüren – weil ihn und Krause ein gemeinsames Ziel verbindet?

Von Linus Freymark

A ls es so weit ist, geht es ganz schnell: Bamm, bamm! Dann: der Ruf. „O’zapft is! Auf eine friedliche Wiesn!“ Jubel im Zelt. Die erste Mass für den bayerischen Ministerpräsidenten. Viele haben auf diesen Moment gewartet. Und dann ist er so schnell vorbei, als wäre er in diesem Jahr nicht noch besonderer als sonst.

Mit zwei Schlägen hat Münchens erster grüner Oberbürgermeister Dominik Krause am Samstagmittag das 191. Oktoberfest eröffnet. Und er hat Wort gehalten: Zwei bis drei Schläge hatte er für seine Premiere am Schlegel angekündigt. Die ganze Stadt hat auf ihn geschaut. Darauf, wie er sich beim ersten Mal am Holzfass macht.

Erstmals hat ein Politiker der Grünen das erste Fass auf der Wiesn angezapft. Parteifreunde sprechen von einem historischen Moment. Wie sich Dominik Krause geschlagen hat.

Allzu nervös sei er nicht gewesen, gibt Krause nach seinen zwei Schlägen zu Protokoll. Zum Einschlafen habe er dann aber doch zwei Bier getrunken. Das Training habe sich ausgezahlt, mit den zwei Schlägen ist Münchens neuer Rathauschef zufrieden. Ein Schlag bei der Premiere wäre schließlich „größenwahnsinnig“ gewesen.

Neben der Zahl der Schläge interessant: das Aufeinandertreffen mit Markus Söder, dem bayerischen Ministerpräsidenten, der die erste Wiesnmass traditionell vom Münchner Oberbürgermeister überreicht bekommt. In Krauses erstem Jahr als Münchner Oberbürgermeister bedeutet das: Söder muss bei der Eröffnung des Oktoberfests neben einem Grünen stehen.

Der CSU-Chef hätte dieses Szenario mit Sicherheit gerne vermieden, immerhin hat er in der Vergangenheit immer wieder die Sorge geäußert, die Grünen würden seinen geliebten Leberkäs auf der Wiesn durch Tofu ersetzen wollen. Auch an der Anzapf-Kompetenz eines Grünen hatte Söder vor zwei Jahren Zweifel geäußert. All das konnte er damals loswerden, ohne wirklich Angst haben zu müssen, tatsächlich jemals neben einem Grünen in der Anzapfbox zu stehen.

Dann aber hat Krause im März völlig überraschend die Wahl zum Oberbürgermeister gegen seinen Vorgänger Dieter Reiter von der SPD gewonnen. Der war über nicht genehmigte Nebentätigkeiten beim FC Bayern gestolpert und unterlag Krause in der Stichwahl. So ist Söders Horrorvorstellung von einst Realität geworden.

Von kulinarisch-ideologischen Gräben ist am Eröffnungstag jedoch nur wenig zu spüren. Kurz vor dem Anstich bekräftigt Söder sein Vertrauen in Krause. Der Neue werde das bestimmt gut machen, erklärt er.

Überhaupt kommen beide bislang ganz gut miteinander aus. Aber klar, beide haben ja dasselbe Ziel: München soll am 26. September schließlich den Zuschlag vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) für die Bewerbung für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 bekommen. Söder und Krause betonen, dass die Münchner Olympia-Bewerbung verbinde. Er habe die Zusammenarbeit bisher als sehr zuverlässig wahrgenommen, erklärt Krause. Sticheleien in der Anzapfbox wären da kontraproduktiv. Stattdessen prosten sich die beiden zu und betonen Einigkeit. „Auf der Wiesn gibt es ja eigentlich keine Parteifarben“, sagt Krause.

Ansonsten aber ist mit dem neuen Mann im Rathaus einiges anders. Auf dem Weg zum Schottenhamel-Zelt hat Krause mit seiner Kutsche einen Zwischenstopp am Haupteingang zum Oktoberfest gemacht und der Opfer des Attentats von 1980 gedacht, dem größten rechtsextremistischen Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik. Durch die Explosion einer Bombe kamen damals zwölf Menschen sowie der Attentäter ums Leben. Und noch etwas ist anders in diesem Jahr: Münchens neuer OB hat auf dem Weg zur Theresienwiese auf den Dienstwagen verzichtet – und ist mit der U-Bahn gekommen.

Zwei Experten verkosten Brezn für die SZ: Manchen Bäckereien ist die Ware ziemlich missraten, andere formen auf merkwürdige Weise – und der Testsieger überrascht.

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