Sportpolitik: Uefa und Concacaf erhöhen Druck auf Fifa-Präsident Infantino

0

Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

Lesezeit: 2 Min.

Im Machtkampf fordern die Europäer mit dem Fußballverband für Nord- und Mittelamerika und die Karibik von der Fifa die Auszahlung einer Milliardensumme an die 211 Mitgliedsländer.

Die europäische Fußball-Union Uefa und der nordamerikanische Dachverband Concacaf haben im Machtkampf gegen den Weltverband Fifa und dessen Präsident Gianni Infantino einen weiteren Schritt vollzogen. Die beiden einflussreichen Verbände forderten die Fifa dazu auf, ihren 211 Mitgliedsverbänden nach der finanziell erfolgreichen Weltmeisterschaft im Sommer jeweils zusätzliche zehn Millionen US-Dollar auszuzahlen, insgesamt also rund 2,1 Milliarden Dollar. Das geht aus einem gemeinsamen Schreiben hervor, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuvor hatten auch andere Medien wie die Nachrichtenagentur AP davon berichtet.

Uefa und Concacaf begründen ihre Forderung damit, dass die Fifa nach der WM in den USA, Kanada und Mexiko über Reserven in Höhe von rund sechs Milliarden Dollar verfüge und sich eine einmalige Ausschüttung nach der bereits genehmigten und im „Fifa Forward Enterprise“-Programm festgehaltenen Zahlung leisten könne. Das zusätzliche Geld solle nach Ansicht von Uefa und Concacaf in den Jahren 2027 bis 2030 für Investitionen in Infrastruktur und Fußballentwicklung ausgegeben werden.

Der Machtkampf im Weltfußball eskaliert: Die Uefa will in der Schweiz ein Verfahren gegen Fifa-Boss Infantino anstrengen – und schickt deswegen ein Schreiben an ein US-Gericht, um Beweise rund um den geplatzten Investorendeal sicherzustellen.

Die von Aleksander Ceferin geführte Uefa und die Concacaf mit Präsident Victor Montagliani gelten als schärfste Kritiker von Infantino, der sich am 18. März 2027 zum vierten Mal zum Fifa-Chef wählen lassen will. Zusammen vereinen die beiden Kontinentalverbände 90 der 211 Stimmen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) fordert ebenfalls die Ablösung Infantinos. Das machten Präsident Bernd Neuendorf und sein Stellvertreter Hans-Joachim Watzke zuletzt unmissverständlich klar.

Unter den Mitgliedsländern gibt es derzeit keine klare Mehrheit für oder gegen Infantino. Ein Alternativkandidat konnte von der Uefa bislang nicht benannt werden. Ceferin selbst beabsichtigt nicht anzutreten. Die Frist für die Nominierung eines Kandidaten läuft am 18. November ab. Wenn am 8. und 9. Oktober die Präsidenten und Generalsekretäre aller Uefa-Mitgliedsverbände in Berlin zusammenkommen, wird voraussichtlich eine Entscheidung hinsichtlich einer Gegenkandidatur fallen.

Infantino hatte an den Fifa-Gremien vorbei ein milliardenschweres Investorenmodell für die WM-Vermarktung herbeiführen wollen und dafür konkrete Pläne mit US-Geldgebern vorgelegt. Das hatte zu massiven Protesten vor allem aus Europas Fußball-Führungszirkel gesorgt. Infantino hatte den Verbänden mehr Geld versprochen, musste seine Pläne dann aber zurückziehen. Folgende Rücktrittsforderungen lehnte er ab, stattdessen ließ er eine erneute Kandidatur für das kommende Jahr ankündigen. „Die Fifa verfügt aber bereits über die Möglichkeit, ihren Mitgliedsverbänden aus ihrer eigenen Bilanz heraus wesentlich mehr Mittel bereitzustellen – ganz ohne den Verkauf von Anteilen an ihren Wettbewerben und ohne eine Gegenleistung von den Mitgliedsverbänden zu verlangen“, heißt es nun in dem Schreiben.

Der Zwist um das Milliardenprojekt, das Infantino nur kurz nach der WM präsentierte und innerhalb von wenigen Tagen wieder zurückzog, hat bereits mehrere Eskalationsstufen hinter sich. Die 55 Uefa-Mitglieder drohten in einer Reaktion offen ihren Boykott für alle Fifa-Events an, falls der Plan nicht zurückgezogen und gewisse Garantien für die Zukunft gegeben werden.

Auch auf juristischem Weg versucht die Uefa den Sturz des Schweizers herbeizuführen. Im Kern geht es um den Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung. Im Falle einer Verurteilung könnte Infantino der Uefa zufolge sogar eine Haftstrafe drohen. Ein Verfahren würde in der Schweiz, der Heimat der Fifa, anhängig sein. Der Weg über die US-Justiz hat formale Gründe, da in Florida die Fifa-Rechtsabteilung ansässig ist.

Europas Fußball-Boss Aleksander Ceferin verzichtet auf eine eigene Kandidatur. Alles deutet darauf hin, dass die Opposition eine radikale Lösung für die Fifa-Krise präferiert – bald steht ein markantes Datum an.

Lesen Sie mehr zum Thema

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt! Jobs bei der SZ Digitale Medien

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten :

Fonte: Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

Deixe um comentário

O seu endereço de email não será publicado. Campos obrigatórios marcados com *