CDU: Friedrich Merz: Ermunterung im Keller

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CDU Friedrich Merz: Ermunterung im Keller

16. September 2026, 4:56 Uhr |

Lesezeit: 4 Min.

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In einem Gewölbekeller unter einem ehemaligen Berliner Brauerei-Gelände bemühte sich der in Bedrängnis geratene Bundeskanzler am Dienstagabend um Zuspruch.
In einem Gewölbekeller unter einem ehemaligen Berliner Brauerei-Gelände bemühte sich der in Bedrängnis geratene Bundeskanzler am Dienstagabend um Zuspruch. Nadja Wohlleben/REUTERS

Der Kanzler muss gerade um seine Macht kämpfen, aber bei einer eigenartigen Veranstaltung in Berlin bekommt er viel Zuspruch. Und überrascht mit einigen erstaunlichen Erklärungen.

Von Robert Roßmann, Berlin

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So einen angenehmen Auftritt wie in diesem Berliner Gewölbekeller dürfte der Kanzler schon lange nicht mehr gehabt haben. Zuletzt haben sie ihn ja beinahe versteckt. Zu groß war der Unmut von Bürgern, der ihm bei Auftritten entgegenschlug. Doch an diesem Dienstagabend ist alles anders. Als Merz den Keller betritt, gibt es langen Applaus. „Vielen Dank für die freundliche und liebevolle Begrüßung“, sagt Merz. Ein Saal voller junger Menschen, die ihn beinahe herzlich empfangen, das erlebt der Kanzler nicht mehr so oft. Am Ende wird er sagen, der Abend habe ihn motiviert und ihm „ein Stück Kraft“ gegeben „in einer Zeit, die verdammt nicht einfach ist“.

Es ist aber auch eine besondere Veranstaltung. Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat in die „Deep Eventlocation“ auf einem ehemaligen Brauerei-Gelände geladen. „Die unterirdische Säulenkathedrale bietet ein aufsehenerregendes und spektakuläres Ambiente bei Veranstaltungen verschiedenster Art“, heißt es in der Beschreibung. „In einer Symbiose von moderner Tischkultur und unkonventionellem Ambiente lässt sich alles realisieren.“

Der Adenauer-Stiftung scheint es ein Anliegen gewesen zu sein, zu beweisen, dass sich hier wirklich „alles“ realisieren lässt. Denn wer wäre sonst auf die Idee gekommen, ausgerechnet in diesem Szene-Keller eine Veranstaltung mit dem 70-jährigen Bundeskanzler aus Anlass des 150. Geburtsjahres von Konrad Adenauer zu organisieren.

Die Stiftung hat nach eigener Aussage „rund 170 junge Menschen, die sich in unterschiedlichen Bereichen engagieren und Verantwortung übernehmen“, eingeladen. Dazu gehören Vertreter von Jugendorganisationen, Stipendiaten der Stiftung, Jugendoffiziere der Bundeswehr, aber auch Auszubildende der örtlichen Industrie- und Handelskammer. „Deine Zukunft, Deine Fragen“ – ist das Motto der Veranstaltung. Gemeint sind natürlich Zukunft und Fragen der Gäste. Aber weil Merz gerade um seine eigene Zukunft kämpfen muss, beobachten alle, wie er sich schlägt.

Hier unten muss sich Merz nicht in Acht nehmen

Das Publikum macht es dem Kanzler einfach. Nach der jüngsten Landtagswahl konnte man den Analysen entnehmen, dass nur noch fünf Prozent der jungen Wähler für die CDU gestimmt haben. In dem Berliner Keller ist es genau andersrum. Ausweislich des Applaus-Verhaltens hat man den Eindruck, dass hier bestenfalls fünf Prozent keine CDU-Wähler sind. An der Kellerwand hängt eine Kunstinstallation. In einem Glaskasten sieht man ein Holz-Krokodil mit offenem Maul. Darüber steht die Warnung: „watch out for the crocodiles“. Oben, in der Welt außerhalb dieses Kellers, muss sich der Kanzler tatsächlich bei jedem Schritt in Acht nehmen. Hier unten nicht.

Zwei, drei kritische Fragen gibt es dann aber doch. Und die Antworten des Kanzlers darauf sind durchaus bemerkenswert. Etwa als er die jungen Unionsabgeordneten, die im vergangenen Jahr im Streit um ein Rentenpaket den Aufstand gewagt haben, herausstellt. Er habe in seiner Zeit in der Unionsfraktion noch nie erlebt, dass die Jungen in der Fraktion „eine solche Durchschlagskraft entwickelt haben“ wie in diesem Fall, sagt er. So was dürfe natürlich nicht immer passieren, ansonsten sei man nicht mehr regierungsfähig. Aber dieses Beispiel zeige, dass diejenigen, die für Parlamente kandidieren, die sich gut organisieren, gewaltigen Einfluss haben können. Und das sei seine Ermutigung: „Machen Sie es einfach.“

Im Gewölbekeller gibt es dafür viel Applaus. Und Erstaunen bei denen, die sich noch daran erinnern, wie erbost Merz etwa auf dem Deutschlandtag der Jungen Union über die Rentenrebellen war. Auch die Antwort auf die Frage, ob Merz die jetzt von seiner Regierung geplanten Reformen trotz des großen Widerstandes noch durchsetzen wolle, lässt aufhorchen.

Ganz bescheiden: „Habe nur eine Stimme von 630“

„Ja, ich möchte diese Reformen durchsetzen“, sagt der Kanzler, und sofort gibt es Applaus. Ob das jetzt ein Versprechen sei, wird Merz gefragt. „Ja, das ist ein Versprechen, den ernsthaften Versuch zu unternehmen, das hinzubekommen“, antwortet er. Mehr könne er nicht tun. „Ich habe eine Stimme von 630 im Bundestag.“

Es ist ein Moment, in dem man sich fragt, ob Merz sich wirklich gerade so klein gemacht hat. Aber er hat es. „Ja, ich bin der Kanzler, aber sobald es das Kabinett verlassen hat, befinden wir uns auf der hohen See des Deutschen Bundestages“, schiebt Merz hinterher. Und dort brauche er eine Mehrheit der Abgeordneten. „Das wird ein Kraftakt werden, aber ich möchte es erreichen.“

Es wird auch deshalb ein Kraftakt für den Kanzler, weil die Zustimmung zu seiner Arbeit in der Bevölkerung einen Rekordtiefstand erreicht hat. Als im Gewölbekeller ein Fragesteller darauf hinweist, gesteht Merz ein, große Teile der Bevölkerung hätten kein wirkliches Vertrauen mehr in Politik und Bundesregierung. Sie liefen „einfachen Lösungen“ rechts- und linksaußen nach.

Widerstand im Land und Unmut in der CDU

Der Kanzler kritisiert in dem Zusammenhang auch die Stimmung im Land. Werde Deutschland Fußballweltmeister, „tanzen die Menschen auf der Straße“. Schaffe die Mannschaft es dagegen nicht über die Vorrunde hinaus, werde Trübsal geblasen. „Ich bin auch Sauerländer und kein Rheinländer“, gesteht er ein. Aufgabe der Politik müsse es aber in jedem Fall „noch mehr sein als in der Vergangenheit, Erfolge zu benennen und gerade jungen Menschen die Zuversicht zu vermitteln, dass wir alle Chancen haben. Das ist meine Botschaft.“ Es ist eine Botschaft, die an diesem Abend gerne gehört wird. Aber es ist auch eine ziemlich einfache, vermutlich zu einfache Botschaft.

„Von Adenauer lernen heißt, den Weg zu gehen, den man als richtig erkannt hat, auch wenn er nicht immer populär ist“, hat Merz in einem Gastbeitrag zum 150. Geburtstag Konrad Adenauers in der Rheinischen Post geschrieben. Aber hat es Merz überhaupt noch in der Hand, seinen Weg zu gehen – angesichts des Widerstands im Land und des Unmuts in der CDU über ihn?

Noch während Merz im Keller spricht, wird draußen bekannt, dass der Kanzler seine für kommende Woche vorgesehene Reise zur UN-Generalversammlung nach New York abgesagt hat. Seine Präsenz in Berlin sei erforderlich, heißt es zur Begründung. Was übersetzt bedeutet, dass die Krise in der CDU so groß geworden ist, dass Merz hierbleiben muss. An dieser Lage ändert auch der große Applaus nichts, mit dem Merz an diesem Abend in dem Berliner Keller verabschiedet wird.

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