Musikkabarettistin übersetzt Comic: Asterix und Obelix sprechen jetzt Niederbairisch
Por Von Alexander Kappen, Landshut — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
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Bei der Arbeit an „Da grouße Wadschndanz“, hochdeutsch: „Der Kampf der Häuptlinge“, hat die Autorin Andrea Limmer ihren eigenen Dialekt ganz neu kennengelernt.
Von Alexander Kappen, Landshut
W enn sie selbst eine Figur aus den Asterix-und-Obelix-Comics wäre, wer wäre sie dann wohl? Andrea Limmer muss überlegen. Nicht so einfach, sagt sie: „Aber andere Leute sagen, also böse Zungen behaupten, ich wäre am ehesten der Asterix – klein, blond, auftreibert, nur der Schnauzer fehlt mir halt.“
Wie auch immer, die Musikkabarettistin und Autorin aus Landshut, Jahrgang 1985, kann sich mit Asterix und all den anderen Galliern ganz gut identifizieren. Sie sei mit den Comics aufgewachsen, sagt sie, „ich bin ein absolutes Asterix-Fangirl“. Insofern lag es nahe, dass ausgerechnet sie als Erste auf die Idee kam, ein Abenteuer der widerspenstigen Gallier ins Niederbairische zu übersetzen.
Dialekt-Varianten des Comics gibt es in Deutschland bereits viele, „auch in alle anderen bayerischen Mundarten sind sie schon übersetzt worden – nur ins Niederbairische halt noch nicht“, sagt die 41-Jährige. Also nahm sie sich selbst der Sache an und ging auf den Verlag zu. Es sei ein klassischer „Scheiß-da-nix-dann-feit-da-nix-Fall“ gewesen, sagt sie. Andrea Limmer erhielt den Zuschlag. Vergangene Woche erschien ihre Version von „Der Kampf der Häuptlinge“. Auf Niederbairisch heißt das dann: „Da grouße Wadschndanz.“
Dabei ist Andrea Limmer genau genommen noch nicht einmal eine gebürtige Niederbayerin. Das Licht der Welt erblickte sie an einem Faschingssamstag knapp hinter der Bezirks- und Dialektgrenze im oberbayerischen Moosburg, wo ihre Oma einst ein Gasthaus führte. Aber das sei vernachlässigbar, versichert sie. „Ich war ein Frühchen, es hat pressiert und das war halt der kürzeste Weg.“ Aufgewachsen und sozialisiert worden ist sie in Niederbayern.
Daher weiß sie auch ganz genau, dass Gallier und Niederbayern sehr gut zusammenpassen. „Kein anderer Stamm ist den Galliern so ähnlich wie die Niederbayern“, sagt Limmer. Parallelen gebe es da so einige: „Dieses Widerständige und Trotzige, die Lebenslust und der Humor.“ Und auch Zaubertrank mögen die einen wie die anderen. Auch wenn es bei den Zutaten dann doch gewisse regionale Feinheiten gibt. Die einen schwören eher auf Misteln – die anderen auf Hopfen.
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Das, was den Niederbayern und somit auch Asterix & Co. in „Da grouße Wadschndanz“ viel Kraft gibt, ist Bier. Da Bock-Bier bekanntlich noch stärker sei, habe sie für ihre Asterix-Version den „Galli-Bock“ erfunden, erzählt Limmer. Solche Feinheiten und das Einbauen eigener Gags sei vom Verlag bei so einer Übersetzung ausdrücklich erwünscht, sagt die Autorin. Weniger Freiheiten gibt es dagegen bei den Sprechblasen. Diese müssen so bleiben wie im Original. Es im Dialekt dann „genau so hinzukriegen, dass es reinpasst, war schon tricky“.
Spaß gemacht hat Andrea Limmer die „Frickelei“ trotzdem, schließlich liegt ihr Dialekt im Allgemeinen und ihr eigener im Speziellen besonders am Herzen. „Mundart ist total wichtig, das ist die Heimat, die man überall dabei hat“, sagt sie. Und was macht das Niederbairische so besonders? Im Vergleich zu anderen bayerischen Dialekten sei es „ein bisserl dunkler und erdiger“, sagt sie, „und es kommt mit weniger Konsonanten aus, da purzeln die Vokale nur so“. Abgesehen davon sei der Niederbayer aber ohnehin nicht sehr gesprächig. „Da, wo ich herkomme, gilt ein Nicken schon als ganzer Satz. Allerdings muss man aufpassen, wie jemand dabei schaut, um den Satz richtig zu verstehen.“
Für diejenigen, die sich mit dem Niederbairischen nicht so auskennen, hat die Autorin ein Vorwort geschrieben, indem sie erläutert, „wie übersetzt wird“. Zum besseren Verständnis habe sie zudem ein Glossar angefügt.
Aber nicht nur die Leserinnen und Leser lernen bei der Lektüre etwas über diese Mundart. Auch die Autorin selbst hat sich durch die Arbeit an der Comic-Übersetzung „wieder mehr damit beschäftigt und meinen eigenen Dialekt noch mal ganz neu kennengelernt“, sagt Limmer. Man konzentriere sich dabei bewusst auf Details, etwa auf die Frage, wann man „han“ sage und wann „san“. Antwort: „Mia han“ (also wir sind) und „de san“ (sie sind). Zudem würden einem die sprachlichen Feinheiten bewusst, die es auch innerhalb Niederbayerns gebe. Während man für das hochdeutsche Wort „auf“ in der einen Ecke „af“ sage, verwende man in der anderen den Begriff „auffe“.
Eine Kostprobe von Andrea Limmers niederbairisch-gallischem Erstlingswerk bekommt man übrigens auch aus erster Hand beziehungsweise erstem Mund – bei der zugehörigen Lesung, mit der die Kabarettistin auf Tour geht. Es ist ein Programm (nähere Infos unter www.andrea-limmer.de) mit Geschichten rund um die Entstehung des Comics, mit Musik und mit viel Niederbairisch. Da werden die Vokale nur so purzeln.
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