Reformdebatte: Was kostet die umstrittene „Rente mit 63“?

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Reformdebatte Was kostet die umstrittene „Rente mit 63“?

10. September 2026, 14:53 Uhr |

Lesezeit: 2 Min.

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Frauen profitieren nach der Modellrechnung des Versicherungsmathematikers Axel Kleinlein etwas mehr als Männer von der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren.
Frauen profitieren nach der Modellrechnung des Versicherungsmathematikers Axel Kleinlein etwas mehr als Männer von der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Foto: William Perugini/Westend61/imago images

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist die Debatte über die abschlagsfreie Frührente wieder aufgekommen. Jetzt zeigt eine Berechnung, wie stark Beschäftigte und Steuerzahler das Modell subventionieren.

Von Roland Preuß, Berlin

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Wird die abschlagsfreie Frührente nun abgeschafft oder nicht? Die Debatte darüber erhält nach den desaströsen Verlusten der CDU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt neuen Schwung. Natürlich werde man „Details anschauen müssen“, konkret, „wie wir mit Menschen umgehen, die 45 Jahre gearbeitet haben und eingezahlt haben in die Rentenversicherung“. Mit diesen Worten zeigte Kanzler Friedrich Merz (CDU) am Mittwoch im Bundestag Gesprächsbereitschaft, an der geplanten großen Rentenreform noch etwas zu ändern. Viele Bürger fänden es ungerecht, dass die Frühverrentung nach 45 Beitragsjahren wegfallen solle, sagte Juso-Chef Philipp Türmer am Donnerstag in der ARD. Hier müsse die Union, einschließlich Kanzler Merz, „ein bisschen den Taschenrechner ausschalten und euer Herz wieder anstellen“.

Der Versicherungsmathematiker und langjährige frühere Verbraucherschützer Axel Kleinlein hat jetzt bewusst den Rechner angeschaltet und ermittelt, welche Wirkung die Regelung hat, für Frührentner und für die Versichertengemeinschaft. Die Berechnung liegt der Süddeutschen Zeitung vorab vor. Das Ergebnis: Wer die abschlagsfreie Frührente in Anspruch nimmt, hat im Schnitt einen Vorteil von mehr als 43 000 Euro. Dabei profitieren Frauen etwas mehr als Männer. „Das heißt, die Versichertengemeinschaft (beziehungsweise die Steuerzahler) subventioniert die ‚Rente mit 63‘ mit erheblichen Mitteln“, schreibt Kleinlein.

Die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte, wie sie offiziell heißt, erlaubt Menschen nach 45 Beitragsjahren ohne Abschläge vorzeitig in Rente zu gehen. Das Modell ist bekannt geworden als „Rente mit 63“, allerdings steigt die Altersgrenze hierfür an, derzeit liegt sie bei 64 Jahren und acht Monaten. Etwa 30 Prozent aller Altersrentner nutzen die abschlagsfreie Frührente, das Modell ist sehr beliebt. Die Gesamtkosten hierfür beziffert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung auf etwa zehn Milliarden Euro pro Jahr.

„Die Regelung geht zulasten der Jüngeren. Das ist unfair.“

Kleinlein, der früher bei der Allianz Lebensversicherung, der Stiftung Warentest und beim Bund der Versicherten gearbeitet hat, legt in seiner Kalkulation dar, wie er auf die Summe kommt. Er arbeitet mit dem sogenannten Eckrentner, einem modellhaften Ruheständler, der 45 Jahre immer den Durchschnittslohn verdient und in die Rentenkasse eingezahlt hat. Ein solcher Beschäftigter, geboren am 1. Januar 1962, konnte mit der Regelung zum 1. September dieses Jahres ohne Abzüge in Rente gehen. Die Monatsrente beträgt dann 1913,40 Euro. Käme der Beschäftigte nicht auf 45 Beitragsjahre, müsste er Abschläge für die frühere Rente hinnehmen, für zwei Jahre wären dies 7,2 Prozent. Dann betrüge die Rente nur 1775,64 Euro. Ginge die Person regulär erst in zwei Jahren in Rente, ebenfalls mit 45 Beitragsjahren, etwa weil sie später im Beruf begonnen hat, betrüge diese Rente 2028 dank Rentenerhöhungen 1990,70 Euro.

Kleinlein muss für seine Berechnung Annahmen treffen, in der Standardvariante geht er von einer Inflation von zwei Prozent und einer jährlichen Rentensteigerung von ebenfalls zwei Prozent aus.  Doch auch, wenn er diese Annahmen etwas variiert, etwa zwei Prozent Inflation und drei Prozent Rentenerhöhung, bleibt der Vorteil für Frührentner in etwa gleich: um die 43 000 Euro. Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) wollte auf Anfrage keine eigenen Zahlen vorlegen. „Derartige Renditeprognosen werden von uns grundsätzlich nicht erstellt, da entsprechende Berechnungen stark von den zugrunde liegenden Annahmen abhängen“, teilte die DRV mit.

Für Kleinlein zeigt die Rechnung die Mängel des Modells. „Die Vorteile für diejenigen, die die abschlagsfreie Rente in Anspruch nehmen können, sind unangemessen“, sagt er. „Die Regelung geht zulasten der Jüngeren. Das ist unfair.“ Besonders jüngere Menschen mit wechselnder Erwerbsbiografie, mit Zeiten der Selbständigkeit oder der Arbeitslosigkeit hätten keine Chance, von der abschlagsfreien Frührente zu profitieren. Die enormen Kosten aber müssten sie mittragen.

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Fonte: Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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