Finanzmarkt: Aufsicht bremst Onlinebank Revolut in Frankreich
Por Von Petra Blum, Nils Heck, Meike Schreiber, Leon Ueberall — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
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Die Onlinebank hat sich in Frankreich eine vollwertige Bank-Lizenz besorgt. Doch Recherchen zeigen jetzt, dass der Weg dorthin sehr schwer war – und es wohl einen Haken gibt.
Von Petra Blum, Nils Heck, Meike Schreiber, Leon Ueberall
Er sei stolz, dass Frankreich immer mehr Europameister anziehe, schrieb der französische Staatspräsident Emmanuel Macron Anfang August auf dem Karrierenetzwerk Linkedin. Die französische Bank-Lizenz von Revolut und die Wahl von Paris als westeuropäischen Hauptsitz sendeten ein starkes Signal: „Frankreich ist ein Ort der Innovation.“
Nicht minder stolz war die britische Neobank selbst, auch über das Lob von höchster Stelle. Die Bank-Lizenz in Frankreich vermeldete man als „historischen Meilenstein“. Revolut sieht sich selbst als „Banking der Zukunft“, digital, KI-getrieben, unbürokratisch, innovativ eben – und expansiv: Unbedingt notwendig war die französische Lizenz zurzeit nicht, weil Revolut auch eine Lizenz in Litauen hat, die ihnen vieles in Europa erlaubt. Sie gilt aber als Zeichen dafür, dass Revolut gerade in Westeuropa stark wachsen will und schlicht auch ein wenig als Machtdemonstration. Nik Storonsky, der ehrgeizige Gründer, will aus Revolut immerhin nicht weniger als „eine der größten und vertrauenswürdigsten Banken Europas machen.“
Doch Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR sowie der französischen Zeitung Les Échos zeigen, dass Revolut trotzdem wohl noch nicht alle Produkte anbieten darf. Weil die Onlinebank offenbar noch immer interne Probleme hat, soll die Europäische Zentralbank (EZB) es Revolut bis zur Aufarbeitung dieser nicht erlauben, in vollem Umfang ins für Banken so interessante Geschäft mit Immobilienkrediten einzusteigen. Wie alle großen Banken in Europa wird Revolut sowohl von der nationalen Aufsicht als auch von der Bankenaufsicht der EZB überwacht, wobei die EZB zumeist das letzte Wort hat. Sie ist zudem befugt, bestimmte Maßnahmen über Kreditinstitute zu verhängen. Für Kunden ändert eine mögliche Einschränkung im bisher nicht vorhandenen Hypothekengeschäft im Alltag nichts, für die Bank wäre das aber ein Hemmnis im weiteren Wachstum.
Die EZB will sich zu einzelnen Unternehmen nicht äußern, erklärte aber allgemein, es sei normal, dass eine Bank zunächst eine Bank-Lizenz erhält und erst einige Zeit später den vollständigen Geschäftsbetrieb aufnimmt. Möglicherweise müssten zunächst technische Vorkehrungen getroffen werden, bevor sie vollständig operativ tätig werden kann. Revolut teilte mit, die Prüfung durch unter anderem die EZB sei dazu da, Lücken aufzudecken und zu schließen. Eine Lizenz werde erst erteilt, wenn der Aufseher zufrieden sei – und diese liege eben schon vor, betont Revolut. Auf detaillierte Nachfragen schreibt ein Sprecher: „Zu vertraulichen behördlichen Bewertungen äußern wir uns nicht.“
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Wie groß die Probleme auf dem Weg hin zur neuen Lizenz gewesen sein sollen, darauf deuten interne Dokumente hin, die SZ, NDR und WDR einsehen konnten. Denen zufolge hat Revolut bis zur Erteilung der Lizenz in Frankreich allein 150 sogenannte „Feststellungen“ aus dem Weg schaffen müssen. Feststellungen sind im Bankbereich größere Probleme, die eine Bank abarbeiten muss. Bei Revolut gehörte im Frankreich-Geschäft beispielsweise dazu, dass rund 600 000 Konten entgegen den gesetzlichen Vorgaben nicht an das französische Register für Bank- und Kontodaten gemeldet worden sein sollen. In dem Register, das unter der Abkürzung Ficoba läuft, wird detailliert erfasst, welche Konten bei französischen Instituten auf eine Person oder ein Unternehmen registriert sind. Für 20 000 dieser nicht gemeldeten Konten soll demnach innerhalb von 60 Tagen die Beendigung der Geschäftsbeziehung vorgesehen worden sein. Nach diesen Details gefragt, teilte Revolut mit, man könne zu vertraulichen Bewertungen durch Regulierungs- oder Aufsichtsbehörden keine Stellung nehmen.
Banken sind ebenfalls verpflichtet, einen Verdacht auf Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung an die zuständige Behörde zu melden. Doch auch bei diesen Meldungen an die französische Geldwäschebekämpfungsbehörde Tracfin beanstandete die Aufsicht die Qualität der Meldungen. Revolut soll daraufhin gemeinsam mit der französischen Finanzmarktaufsicht ACPR und Tracfin versucht haben, das Problem in den Griff zu bekommen. Weitere Feststellungen sollen die unzureichende Dokumentation der Identitätsnachweise von Privatkunden – etwa fehlende Berufsangaben, fehlende oder unpräzise Adressnachweise und insgesamt zu wenige Detailangaben –, die Transaktionsüberwachung, die Sorgfaltspflichten sowie die Schulung und Sensibilisierung der Compliance-Mitarbeiter betroffen haben. Auch hiermit konfrontiert hieß es von Revolut: Zu vertraulichen Bewertungen durch Aufsichtsbehörden könne man nichts sagen.
Revolut gilt als eine der am schnellsten wachsenden Banken weltweit und ist gerade bei jungen Menschen sehr beliebt. Nach eigenen Angaben betreut Revolut bereits jetzt rund 30 Millionen Kunden in Westeuropa. Davon sind allein 2025 fast acht Millionen neu hinzugekommen, in Deutschland zählt Revolut schon Anfang 2026 mehr als drei Millionen Kunden. Bewertet wird Revolut inzwischen mit 115 Milliarden US-Dollar, das ist mehr als der Börsenwert der Deutschen Bank. Auch wenn man das nicht eins zu eins vergleichen kann, weil Revolut noch nicht an der Börse notiert ist.
Das schnelle Wachstum wurde in der Vergangenheit offenbar immer auch wieder zum Problem. Bereits zuvor hatte die Financial Times über Beanstandungen der EZB bei Revolut im vergangenen Jahr berichtet. Konkret soll es um die Revolut Bank UAB gegangen sein, also die operative Einheit im Europäischen Wirtschaftsraum. Laut dem Bericht sollen die Aufseher besorgt gewesen sein über das schnelle Wachstum von Revolut. Deshalb hätten die Aufseher im vergangenen Jahr Verbesserungen an den internen Prozessen bei der Einführung neuer Produkte gefordert. Auch in Großbritannien gab es lange Zeit Ärger: Die britische Aufsicht verzögerte die Erteilung einer vollwertigen Bank-Lizenz bis ins Frühjahr 2026. Erst kurz darauf startete Revolut seine Bank in Großbritannien, wo das Unternehmen ursprünglich gegründet wurde.
Anfang September kam die Nachricht, dass Revolut nun auch noch von der zuständigen Währungsaufsichtsbehörde in den USA eine vorläufige Bank-Lizenz erhalten hat. Ob sie dort eine vollwertige Bank-Lizenz erhalten wird, bleibt abzuwarten. Die US-Behörden galten lange Zeit als besonders streng bei ihren Kontrollen, gerade im Bereich Compliance, und dürften auch darauf achten, wie Revolut in Europa reüssiert. Die US-Aufseher zu überzeugen, ist nicht nur wichtig für die Expansion, sondern auch, weil die Neobank sogar mit einem Börsengang in den USA liebäugelt.
Revolut hat inzwischen mehr Kunden als viele traditionelle Banken. Mit einfachen Konten und niedrigen Gebühren will das britische Fintech nun auch in Deutschland durchstarten.
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