KI und Literatur: Verlag bestätigt KI-Vorwürfe gegen Thélyson Orélien

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Das Debüt des Autors war zum internationalen Bestseller geworden, dann kam der Vorwurf auf, große Teile des Textes seien KI-generiert. Nun beendet sein Verlag die Zusammenarbeit.

Der kanadische Verlag Éditions du Boréal bestätigt die KI-Vorwürfe gegen seinen Autor Thélyson Orélien und beendet die Zusammenarbeit mit ihm. Das meldeten mehrere internationale Medien am Donnerstag. In einer Presseerklärung schreibt der Verlag: „Neue Erkenntnisse, die sich in den letzten Tagen bestätigt haben, deuten darauf hin, dass beim Schreiben des Romans ‚C’était ça ou mourir‘ künstliche Intelligenz zum Einsatz kam, obwohl der Autor uns mehrfach versichert hatte, dass er nie damit gearbeitet habe.“ Der Roman würde dementsprechend nicht neu aufgelegt.

Im März dieses Jahres war das Debüt „C’était ça ou mourir“ des 1988 in Haiti geborenen Autors Thélyson Orélien erschienen und entwickelte sich schnell zum Bestseller; die Rechte sind international verkauft, in Deutschland hat Rowohlt das Buch übersetzt; geplant war eine Veröffentlichung kommendes Jahr. Ende September wurden auf X dann Anschuldigungen erhoben, der Roman sei „fast vollständig“ von künstlicher Intelligenz verfasst worden. Mithilfe des KI-Detektionstools Pangram wollen die Betreiber des Accounts zu diesem Schluss gekommen sein. „C’était ça ou mourir“ war für den Prix Goncourt nominiert, nach dem Aufkommen der Vorwürfe hatte die Jury den Titel von der Liste gestrichen.

Éditions du Boréal gibt an, alle Arbeitsfassungen des Romans zusammengetragen und eine externe Analyse in Auftrag gegeben zu haben. Die Ergebnisse der Untersuchung wiesen nun Spuren von KI-Markierungen in den Metadaten bestimmter Dokumente auf. In welchem Umfang KI genutzt worden sei, sei noch unklar.

Der Verlag hatte zunächst an Orélien festgehalten, während dieser versichert hatte, nicht mit KI gearbeitet zu haben. „Diese Behauptung hat sich nun als falsch erwiesen. Unter diesen Umständen können wir unsere Zusammenarbeit nicht fortsetzen“, erklärte der Verlag; das Vertrauen sei nicht mehr da. In einem Interview mit der französischen Zeitung Libération gab Orélien nun zu, KI nur für Recherchezwecke genutzt zu haben, „für historische Recherchen“. Die Geschichte des Romans aber, die sei seine. Oréliens Buch erzählt die Geschichte eines Haitianers, der nach einer Flucht quer durch Mittelamerika schließlich kurz hinter der Grenze der USA von ICE-Beamten festgenommen wird.

Er fühle sich aktuell in Québec nicht mehr sicher: „Sie haben es auf das Buch abgesehen, ich weiß nicht, was sie jetzt noch vorhaben. Werden sie sich nach dem Buch jetzt den Menschen vornehmen?“ Es würden derzeit sämtliche digitalen Konten von ihm durchsucht. Der Verlag rief dazu auf, persönliche Angriffe gegen Orélien zu unterlassen.

Der Autor Thélyson Orélien muss sich gegen Vorwürfe verteidigen, KI für seinen Roman genutzt zu haben. Was sagt sein deutscher Übersetzer Jürgen Ritte dazu?

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