Schön Doof: Schlank mit Jürgen
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Schön Doof Schlank mit Jürgen
20. Oktober 2026, 16:11 Uhr |
Lesezeit: 2 Min.

Bundestrainer Jürgen Klopp wirbt nun auch für den Hersteller der Abnehmspritze Ozempic. Was wieder einmal zeigt, was für ein feiner Kerl er ist.
Von Tanja Rest
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Z ugegeben, die Schlagzeile hat bei uns schockartig die niedersten Instinkte angeknipst, und daran sieht schon, wie weit es mit der Hohn- und Wutgesellschaft gekommen ist. „Klopp wirbt für Ozempic-Firma“. Der Stream of Consciousness, der in diesem Moment lossprudelte, liest sich im Transkript ungefähr so:
Ach nee! Da hat Kloppo im Interview mit Sports Illustrated behauptet, neuerdings „jeden Tag Sport“ zu machen, um „aufrecht ins Alter zu gehen“, während hinter den Kulissen der schmutzige Deal längst eingefädelt war: Gratis-Ozempic bis an sein Lebensende, im Gegenzug er als Werbefigur für den Abnehmspritzen-Fabrikanten. Hätten wir uns eigentlich auch denken können – Abnehmen allein mit Sport, das schafft kein Mensch.
Wie viele Deals hat der Mann jetzt eigentlich am Laufen? Er bleckt ja nicht nur für die Ozempic-Firma die Zähne, sondern auch für einen Vermögensberater, ein Reiseportal, eine Modemarke und einen Sportausrüster, womit sich die folgende Statistik ergibt: Erfolgreich abgeschlossene Werbeverträge zugunsten von Klopp: fünf, erfolgreiche Abschlüsse der Fußball-Nationalmannschaft unter Klopps Leitung: drei. Und wenn der arme Joshua Kimmich weiterhin auf der Bank sitzen muss, wird sich daran auch nichts ändern!
So weit die Empörung im Stream. Gar keine Frage, wir schämen uns.
Bei einem genaueren Blick auf die Faktenlage ist nämlich alles in Süßrahmbutter. Erstens: Klopp macht für Novo Nordisk Pharma gar keine Werbung, sondern ist Teil einer „Aufmerksamkeitskampagne“, das ist etwas völlig anderes. Zweitens: Die Aufmerksamkeit, die mit Klopps Hilfe erzeugt wird, richtet sich nicht auf die Abnehmspritze, sondern soll helfen, „die gesellschaftliche Wahrnehmung der Volkskrankheiten starkes Übergewicht und Diabetes zu verändern“. Was ein ehrenwertes Unterfangen ist und wofür Klopp, der neuerdings jeden Tag Sport macht und schlank und aufrecht ins Alter geht, die ideale Identifikationsfigur abgibt. Drittens: Als Bundestrainer bezieht Klopp ein Jahresgehalt von etwa sieben Millionen Euro, was zunächst nach ordentlich Asche klingt – in Zeiten, in denen der Besuch beim Herrenfriseur aber schnell mal 65 Euro kostet (mit Bartpflege 80 Euro), relativ schnell dahinschmilzt. Klopp ist immer sehr gut frisiert und barbiert. Viertens: Während frühere Bundestrainer für abgehobenen Firlefanz wie Luxuslimousinen (Beckenbauer) und Kosmetik (Löw) warben, stellen die Aufmerksamkeitskampagnen, mit denen Klopp notgedrungen sein Zubrot verdient, die Grundbedürfnisse des einfachen Menschen in den Mittelpunkt. Der einfache Mensch will nicht nur schlank und gesund sein, er will auch einen guten Vermögensberater haben, damit er sich am Ende des Tages Kickschuhe und etwas zum Anziehen kaufen und auch mal in Urlaub fahren kann.
„Klopp wirbt für Ozempic-Firma“: Volksnäher geht es eben nicht, und nichts anderes haben wir von ihm erwartet.
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