Nvidia-Chef Huang: „Baut Deutschland um“
Por Von Helmut Martin-Jung — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
- Home
- Wirtschaft
- Technologie
- Nvidia-Chef Jensen Huang: „Baut Deutschland um“
Nvidia-Chef Huang „Baut Deutschland um“
19. Oktober 2026, 20:46 Uhr |
Lesezeit: 2 Min.
| Kommentare

Im Vorfeld hatte er Deutschland noch kritisiert, bei der Investorenkonferenz der Bundesregierung in Berlin lobt Nvidia-Chef Deutschland für seine technologischen Fähigkeiten, hat aber auch eine Mahnung parat.
- Anhören
- Artikel anhören
- Merken
- Teilen
- Feedback
Fast wie der kleine Schulbub, der er mal war, als er in die USA kam, so steht er da in seiner Lederjacke neben dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz: Jensen Huang, Chef der wertvollsten Firma der Welt, Nvidia, hört sich die Lobeshymnen der Moderatorin in Berlin lächelnd an. Er muss sich längst nicht mehr beweisen. Das Publikum saugt seine Worte förmlich auf, applaudiert spontan, als er beim Kamingespräch mit Merz Ratschläge erteilt.
Techniker, der er ist, findet er einprägsame Analogien: „Elektronen werden Atome niemals ersetzen“, sagt er und meint damit, dass es Produktion etwa von Maschinen oder Autos auch künftig brauchen werde. „Aber Deutschland muss die Gelegenheit der neuen Technologie nutzen. Baut Deutschland um“, ruft er unter Applaus.
Vor wenigen Tagen hatte Huang sich bei einem Pressegespräch in London noch enttäuscht von Deutschland gezeigt. Das Land habe sich abhängen lassen. Weder Merz noch er gehen in Berlin darauf ein. Hier in Berlin gibt sich Huang optimistisch und blickt eher in die Zukunft: „Ich glaube an Deutschland und seine besonderen Fähigkeiten in Wissenschaft und Technologie.“ Allein im vergangenen Jahr habe Nvidia knapp eine Milliarde Dollar in Deutschland investiert.
Fachwissen – eine natürliche Ressource
Das in Jahrzehnten gesammelte Fachwissen deutscher Ingenieure sei die natürliche Ressource Deutschlands. „Importiert die neue Technologie, um sie zu nutzen“, riet er, „aber exportiert nicht die Daten.“ Auch Merz rief vor allem den Mittelstand dazu auf, sich der neuen Technologie zu öffnen, „das ist so entscheidend für die Zukunft Deutschlands“, sagte er.
Dazu braucht es allerdings auch Investitionen, und darum ging es in der Investorenkonferenz, die am nächsten Tag mit dem Kanzler und einigen Kabinettskollegen fortgesetzt werden soll. Dass in Deutschland zu wenig investiert wird, bezweifelt kaum jemand. Und auch nicht, dass dieser Investitionsstau gewaltig ist. Auf bis zu vier Billionen Euro schätzt ihn die Wirtschaftsinitiative Made for Germany. Das geht aus einem Bericht hervor, der am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Der Zusammenschluss großer deutscher Unternehmen will mithelfen, dass diese Summe bis 2035 in Zukunftsfelder fließen kann.
Dabei müsse es vor allem um künstliche Intelligenz in der Industrie, den Umbau der Industrie samt Zukunftstechnologien, widerstandsfähige Energiesysteme, die Kerninfrastruktur sowie um Sicherheit und Verteidigung gehen. „Deutschland verfügt über enormes Potenzial“, sagte der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing.
Zuletzt hat sich der Standort Deutschland aber eher schwergetan, Investitionen anzuziehen: Der Schweizer Pharmakonzern Roche etwa stellte wegen der Sparpolitik der Bundesregierung im Gesundheitswesen alle künftigen Investitionen in Deutschland vorerst in Frage. Unternehmen beklagen sich nahezu gebetsmühlenhaft über zu viel Bürokratie, zu hohe Steuern und Energiepreise sowie fehlende Reformen.
Der Staat kann es nicht allein richten
Deswegen ist Deutschland in Standort-Rankings in den vergangenen Jahren abgerutscht. Und auch das Ziel einer größeren digitalen Unabhängigkeit Deutschlands ist einer Studie zufolge weiter entfernt denn je. In Berlin schließlich könnten große Wohnungskonzerne enteignet werden, wenn tatsächlich eine rot-grün-rote Regierung zustande käme – auch das nicht unbedingt ein Signal, das man Investoren senden will.
Deutsche-Bank-Chef Sewing sagte, der Staat könne nicht alleine den Investitionsbedarf decken. Es sei genug privates Kapital da, das aber mobilisiert werden müsse. Investoren bräuchten Verlässlichkeit und Tempo. Die Bundesregierung will durch eine Kooperation mit Nvidia die Entwicklung von KI-gesteuerten Robotern vorantreiben. Das Wirtschafts- und das Forschungsministerium hätten eine entsprechende Absichtserklärung mit dem US-Chipkonzern unterzeichnet, teilte der Bund am Montag anlässlich der Investorenkonferenz mit. „Ziel ist es, industrielle KI systematisch in die breite Anwendung zu bringen und ein hochmodernes KI-Ökosystem in Europa zu etablieren.“
Hierfür werde Nvidia seine Zusammenarbeit mit deutschen Partnern ausbauen, hieß es weiter. Der Konzern mache seine KI-Modelle künftig neben der Großindustrie auch kleineren und mittleren Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen zugänglich. Die Verschmelzung von klassischem Ingenieurswissen mit moderner Technologie solle die Wettbewerbsfähigkeit und technologische Souveränität Deutschlands sichern.
© SZ/Reuters – Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
- Teilen
- Feedback
Jensen Huang : Des Kanzlers Stargast kritisiert Deutschland
Der Chef der Chipfirma Nvidia ist gerade in Berlin. Er findet, die Bundesrepublik soll sich nun an die Arbeit machen. Er geht riskante Wetten ein – und gewinnt.
Von Helmut Martin-Jung
Fonte: Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport